Weihbischof Heiner Koch (Erzbistum Köln)
Weihbischof Heiner Koch (Erzbistum Köln)

12.03.2012

Weihbischof Koch zur Abstimmung über homosexuelle Schützenpaare Schluss mit verbalen Schüssen

Homosexuelle Schützenkönige dürfen auch künftig ihre Lebenspartner nicht als Mitregenten wählen, so haben die katholischen Schützenbruderschaften entschieden. Im domradio.de-Interview erklärt der Bundespräses der Schützenbruderschaften, Weihbischof Heiner Koch, den Entscheid und macht klar: "Homosexuell geprägte Menschen gehören weiterhin zu uns, ohne Wenn und Aber".

domradio.de: Den Beschluss haben die "Schützenbruderschaften" gefasst. Wie unterscheiden sie sich von den "Schützenvereinen"?
Weihbischof Heiner Koch: Für uns als christlich und kirchliche katholische Vereinigung waren bei der Entscheidung zwei Werte ganz wichtig und bedeutend und die wollten wir beide zum Ausdruck bringen: Der erste, wir stehen mit dieser Kirche zur besonderen Bedeutung des Sakraments der Ehe. Für uns hat die Ehe eine Bedeutung, die über die Bedeutung anderer Lebensformen hinausgeht. Das ist eine Aussage auch des Glaubens, die Sakralität der Ehe. Sie wollten wir hochhalten, wohlwissend, dass in unserer Gesellschaft das Verständnis dafür weitgehend gewichen ist. Das war der eine Wert, dieses Glaubenszeugnis wollten wir ablegen. Zweitens, wir wollten zur gleichen Zeit den homosexuell geprägten Menschen in unserem Schützenbund zum Ausdruck bringen: Sie gehören zu uns, wir gehören zu ihnen. Sie haben alle Rechte und Pflichten und alle Möglichkeiten, die sie bei uns haben, sie sind bei uns zu Hause. Wir wollen kein Ausgrenzen, sie gehören mit zu uns. Diese beiden Pole zusammenzubringen, war die Schwierigkeit des Beschlusses und verschiedener Anträge, der dann zu dem einen Beschluss geführt hat.

domradio.de: In diesem Beschluss wurde von dem "öffentlichen Auftreten" von gleichgeschlechtlichen Königspaaren gesprochen. Was bedeutet denn diese Unterscheidung zwischen öffentlich und nichtöffentlich?
Weihbischof Koch: Wir möchten verhindern, dass das öffentliche Auftreten als "Schützenkönig und -königin" als Demonstration missbraucht wird, dass jede partnerschaftliche Beziehung gleichwertig und gleichartig ist. Das ist das Erste. Es ging also um den Missbrauch, dass hier gesagt wird, guck´ das ist genau dasselbe, wenn da ein Ehepaar ginge und zwar deshalb, weil sie ja liiert sind. Aber der zweite Grund ist, wir möchten an der repräsentativen Spitze des Bundes weiterhin, wo es üblich ist, einen Mann und eine Frau haben. Der König als Repräsentant der männlichen Mitglieder auch und die Frau, die Königin, als Repräsentantin der weiblichen Mitglieder. Wir möchten die beiderseitige Beziehung dieser beiden Geschlechter auch, wo es üblich ist, zum Ausdruck bringen. Das trifft übrigens nicht nur für Gleichgeschlechtliche im Sinne homosexuell geprägter Menschen zu. Auch wenn einer überhaupt nicht homosexuell geprägt ist, sondern heterosexuell gilt es auch, dann muss er sich eine Königin nehmen, auch wenn er keine Frau, keine Freundin, keine Begleiterin hat, die das Amt übernehmen möchte. Er kann nicht mit seinem Freund gehen, weil wir auch die Bipolarität hochhalten möchten.

domradio.de: Jetzt ist der Auftritt des Königspaares in dem Sinne kein sakramentaler Akt, sondern ein Zeichen dafür, dass die Ehe doch die wichtigste Rolle spielt, aber es wäre schon auch möglich, dass zum Beispiel ein Schützenkönig mit einer anderen nicht verheirateten Frau auftreten könnte?
Weihbischof Koch: In unserem Bund gibt es da unterschiedliche Traditionen. Es gibt viele Bruderschaften in Regionen, wo es überhaupt keinen Partner gibt, der König ist allein oder die Königin, also die reell geschossene Königin ist allein. Es gibt gar keinen zweiten an der Seite. Es gibt andere, wo man bewusst nicht den Ehepartner nimmt, sondern eine andere aus dem Verein. Wir möchten da auch gar nicht reglementieren. Das soll jede Region so machen, wie es dort üblich ist. Uns war bloß der Missbrauch zu Demonstrationszwecken das eine Anliegen, aber homosexuell, lesbisch geprägte Menschen gehören weiterhin zu uns, ohne Wenn und Aber.  

domradio.de: Wie haben denn die homosexuellen Mitglieder der Bundesversammlung auf diesen Beschluss reagiert?
Weihbischof Koch: Wir waren ja froh, dass sie dabei waren. Es kam auch zu wirklich tiefen, guten Gesprächen. Es kam auch aufgrund der Verletzung des letzten Sommers zu Entschuldigungen in diesem Punkt. Die da waren, haben uns gesagt - und das auch öffentlich zum Ausdruck gebracht -, sie können mit dem Beschluss sehr gut leben und sie finden es gut, dass dieser Beschluss so gefasst wurde. Das war mir ein großes Anliegen, dass wir möglichst zu einem Beschluss kommen, der möglichst von Vielen getragen wird. Das scheint mir hier der Fall zu sein, nur dieses Gemeinsame erklärt auch die hohe positive Zustimmung: 450 Stimmen dafür und 28 dagegen und 18 Enthaltungen. Das ist sehr eindeutig. Dass der Beschluss so gefasst wurde, darüber bin ich sehr dankbar.

(Das Interview führte Birgitt Schippers, domradio.de )

Hintergrund: Die Bundesvertreterversammlung des katholischen Bundes der Historischen Deutschen Schützenbruderschaften war am Sonntag in Leverkusen zusammengekommen. In dem mit der großen Mehrheit von 450 Delegierten gefassten Beschluss heißt es, dass nichts gegen die Mitgliedschaft Homosexueller in den katholischen Schützenbruderschaften spreche.

Auch homosexuelle Könige oder Königinnen seien möglich. Bei repräsentativen Auftritten müssten Mitglieder der Schützengesellschaften jedoch die Werte und Traditionen des christlichen Glaubens vertreten. Homosexuelle Königspaare seien nicht vereinbar mit der christlichen Tradition. Gegen den Antrag stimmten lediglich 28 Delegierte, 18 enthielten sich.

Ausgelöst worden war die Debatte durch den Münsteraner Schützenkönig Dirk Winter. Er hatte im vergangenen Sommer seinen langjährigen Lebenspartner mit auf den Königsthron genommen. Die Diözesanschützenverbände aus Paderborn und Münster stellten daraufhin den Antrag, repräsentative Auftritte von gleichgeschlechtlichen Königspaaren zu untersagen. Vielmehr müsse ein homosexueller Schützenkönig eine weibliche Begleitung wählen.

Die Position des katholischen Verbandes hatte zuvor für heftige Kritik gesorgt. Am Freitag rief die Leiterin der Antidiskriminierungsstelle des Bundes, Christine Lüders, den Bund der Historischen Schützenbrüderschaften auf, seine Position zu ändern. Sie finde es "befremdlich, dass die Schützen schwule Königspaare nicht dulden wollen", sagte sie. Das sei keine Bagatelle, sondern ein "Signal der Intoleranz".

Der Lesben- und Schwulenverband Deutschland (LSVD) wertete die Anträge als Zeichen für einen "erschreckenden Mangel an menschlichem Respekt". Ausgrenzung, Abwertung anderer Lebensentwürfe und Scheinheiligkeit seien schlechte Traditionen. "Der Verband sollte mit der diskriminierenden Tradition brechen und in der Jetztzeit ankommen."

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