14.02.2012

Autor Matussek trifft ZdK-Vize Kortmann Keine gemeinsame Sprache

Unterschiedlicher könnten die Redner in der Katholischen Akademie in Bayern am Montagabend nicht sein: Hier die Sozialpädagogin, Politikerin und Laienvertreterin. Dort der Buchautor, "Spiegel"-Journalist, Provokateur und Ex-Maoist. Eine gemeinsame Sprache finden sie nicht.

Und doch einen Karin Kortmann und Matthias Matussek ähnliche Kindheitserinnerungen. Sein Urerlebnis habe er 1954 gehabt, zitiert der Journalist aus seinem Buch "Das katholische Abenteuer" und zeichnet ein gar idyllisches Bild vom Kindelein im Stroh. Das Kind ist der Säugling Matthias, der beim Krippenspiel das Jesuskind mimen darf - bis zwei Jahre später der kleine Bruder am Zug ist und für Matthias nur noch die Rolle des Schafs bleibt. Da hat der Journalist die Lacher auf seiner Seite. Matussek spitzt zu, emotionalisiert.

Die frühen Erinnerungen der ZdK-Vizepräsidentin Karin Kortmann ähneln Matusseks volksfrömmigem Bild. Aufgewachsen in einem 8.000-Seelen-Ort in der Eifel, ist es die Großmutter, die Karins erste Glaubenserfahrungen prägt. Einmal die Woche zum Friedhof - das habe ihr einen Bezug zum Leben wie zum Sterben vermittelt, erinnert sich die 52-Jährige und zeichnet ein warm-wohliges Bild vom Kuscheln abends mit der Großmutter unter einem pastellfarbenen Engelgemälde. Auch Matussek ist der greifbare Glaube nah: In die Studenten-WG schleppt er eine Madonna mit. Sie steht neben Marx und Engels.

Matussek setzt auf Meinung
Die ersten Unterschiede in katholischen Lebensstilen, die der Titel des Abends verspricht, offenbaren sich in der Jugend. Kortmann wird mit 12 Jahren Pfadfinderin, erlebt Gemeinschaft. Sie steigt auf in der katholischen Laienhierarchie, engagiert sich im Bistum Limburg im Bund der katholischen Jugend (BDKJ), später auf Bundesebene. Am Glauben zweifelt sie erstmals 1994, als die Strukturen in der Kirche trotz einer Reformforderung des BDKJ "noch klerikaler" geworden seien. Matussek hat da nach einem jugendlichen Ausflug zum Marxismus wieder zum Katholizismus zurückgefunden, den er mit Verweis auf die Bergpredigt dem Kommunismus gar nicht so unähnlich findet.

Eine theologische Randbemerkung, die ansonsten einsam bleibt in all der "theologischen Ahnungslosigkeit", die Matussek eigentlich der Gesellschaft vorwirft, in der er aber auch durchaus glänzt. Bei der Frage nach dem letzten theologischen Buch, das er gelesen hat, muss er passen. Begrifflichkeiten zur Beichte bereiten ihm Mühe und der Paragraf 218 zur Abtreibung will ihm nicht einfallen. Klar ist dagegen seine Position: Wenn jemand deshalb austrete, dann sei es auch nicht schade um ihn. Differenzierte Stellungnahmen sind sein Ding nicht. Matussek setzt auf Meinung. Belege scheinen da zu stören.

Sie spricht vom Papst, er vom Heiligen Vater
Die schwindende Zahl der Gläubigen erklärt er mit "zu viel Tageslicht" in den Kirchen. Sein Kurs ist klar der des "Heiligen Vaters", wie er Benedikt XVI. konsequent nennt und verteidigt. Seine Kontrahentin kontert mit der Forderung nach Bischöfen, "die die Fenster weit öffnen".

Neben dem Zölibat und dem Frauenpriestertum ist die Ver- oder Entweltlichung der Kirche Hauptstreitpunkt zwischen den beiden. Zu einer Diskussion auf Augenhöhe kommt es nicht. Matussek unterbricht, lästert über "Backe-Backe-Kuchen-Gottesdienste" und Reformvorschläge, die keine Zeit mehr ließen, zur Messe zu gehen. Kortmann versucht, ihn zu beruhigen: "Wir tun nicht gut daran, einzelne Gruppen zu beschimpfen, die Reformvorschläge machen."

Vielleicht fehlt eine gemeinsame Sprache. Kortmann droht, sich in Verbandsgeschwurbel zu verlieren. Matussek greift an. Sie spricht vom Papst, er vom Heiligen Vater. Beleidigt sind am Ende beide. Sie, weil er sie nicht zu Wort kommen lässt. Er, weil er den "Heiligen Vater" angegriffen sieht - so bleiben gemeinsame Empfindsamkeiten trotz unvereinbarer Meinungen.  

Veronika Wawatschek

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