19.01.2012

Museum für Prager Studenten Jan Palach Menschliche "Fackel Nr. 1"

Heute vor 43 Jahren starb der tschechoslowakischer Student Jan Palach an den Folgen seiner schlimmen Verbrennungen. Der 20-jährige hatte sich als Protest gegen das gewaltsame Ende des Prager Frühlings und das Diktat der Sowjetunion selbst angezündet. Ein 26-jähriger Prager will jetzt ein Jan-Palach-Museum errichten.

"Mein Engagement rührt eigentlich aus einem Zufall her", sagt der 26-jährige Jan Poukar bescheiden. "Als Junge habe ich ein Buch über Jan Palach in die Hand bekommen und war von seinem Schicksal sofort gefesselt. Danach sammelte ich alles über ihn, was ich finden konnte." Der junge Mann, der abwechselnd in Prag und Jihlava (Iglau) lebt, ist Reklamefachmann und arbeitet in einer Werbeagentur. Doch vor allem kümmert er sich um "sein Projekt": Poukar will das Geburtshaus von Jan Palach kaufen, um daraus ein Museum zu machen.

Bereit den Feuertod zu sterben
Das Geschehen vom Januar 1969 erschüttert bis heute. An jenem Tag fuhr der 20-jährige Philosophiestudent Palach mit dem Zug aus seinem mittelböhmischen Heimatort Vsetaty nach Prag. Vom Bahnhof aus ging er mit einem Eimer und einer Aktentasche zum Brunnen vor dem Nationalmuseum am oberen Ende des Wenzelsplatzes. Dort übergoss er sich mit Benzin, zündete sich mit einem Streichholz selbst an und rannte als lebende Fackel auf das Reiterstandbild des heiligen Wenzel zu. Ein Straßenbahnfahrer erkannte die Situation am schnellsten, sprang aus seiner Bahn und erstickte die Flammen mit seinem Mantel. Doch für Palach kam die Hilfe zu spät. 85 Prozent seines Körpers hatten schwerste Verbrennungen erlitten. Drei Tage später, am 19. Januar 1969, starb er daran.

In seiner Aktentasche führte Palach eine Erklärung mit sich, in der er sich als "Fackel Nr. 1" bezeichnete. Weitere Freiwillige seien bereit, ebenfalls seinen Weg zu gehen: des Protests nicht nur gegen das gewaltsame Ende des Prager Frühlings, sondern vor allem auch gegen die Lethargie, die sich unter Tschechen und Slowaken breit gemacht hatte. Im November 1968 hatte das Parlament die "zeitweilige Anwesenheit" sowjetischer Truppen auf dem Gebiet der Tschechoslowakei gesetzlich gebilligt. Die Realität der Besatzung wurde alltäglich, bestimmte den Rhythmus des Lebens, brach Millionen Menschen, die an eine Vereinbarkeit von Sozialismus und Freiheit, an einen "Dritten Weg", geglaubt hatten, das Rückgrat.

Palach findet Nachahmer
Als das Radio von seiner Tat informiert, wird das Land tatsächlich noch einmal aus seinem Gleichmut gerissen. An Palachs Sarg nehmen
50.000 Menschen Abschied. Die Glocken von 150 Prager Kirchen läuten dazu. Palach findet in den folgenden Monaten Nachahmer. 26 weitere Menschen sterben den Flammentod - doch sie werden schon weit weniger wahrgenommen. Das von Moskau ins Amt gehievte Regime sitzt fest im Sattel. Erst 20 Jahre später, bei der "Palach-Woche" 1989, gehen wieder Leute um die Dissidenten Vaclav Havel und Jiri Dienstbier auf die Straße. Polizei und Stasi jagen sie, sperren sie ein. Im Spätherbst 1989 ist es dann vorbei mit dem Regime.

Palach geriet zunehmend in Vergessenheit. Der "Prager Frühling" ist ein Kapitel, an das sich die Tschechen heute nicht mehr gern
erinnern: Die, die dabei waren, weil er in einer schmerzlichen Niederlage endete. Andere tun den Versuch, das Unreformierbare zu reformieren, in absichtlicher Geschichtsklitterung als eine bloße Auseinandersetzung unter Kommunisten ab.

Museum gegen das Vergessen
Palachs Geburtshaus in Vsetaty bei Melnik ist in den vergangenen Jahren verkommen; die Familie hatte es verkauft. Als Jan Poukar darüber las, wurde er aktiv. Detektivisch ermittelte er die
Besitzer: "Die sind bereit, das Haus zu verkaufen. Damit wäre es möglich, zunächst ein Zimmer und dann vielleicht das ganze Haus in eine Gedenkstätte umzuwandeln."

Poukar hat Unternehmen um Sponsorengelder angesprochen. Nationale Firmen - "weil es sich hier um eine Sache des Nationalstolzes handelt und Palach einer ist, der der Nation auch heute noch etwas zu sagen hat". Das Echo hielt sich in Grenzen. Derzeit stockt das Projekt; es mangelt am Geld. Zwar hat Marta Kubisova, Sängerin des Prager Frühlings und spätere Sprecherin der Charta 77, zugesagt, auch einige bekannte Schauspieler. Vaclav Havel hat das Projekt bis zu seinem Tod unterstützt. Doch tschechische Unternehmer tun sich schwer zu spenden. Poukar will nun einen neuen Anlauf unternehmen.
Sein Ziel: "Die Tragödie von Jan Palach darf nicht vergessen werden."