04.01.2012

Mormone Mitt Romney gewinnt knapp die erste Runde der Vorwahl Wie viel Religion darf es sein?

Religion spielt im US-Präsidentenwahlkampf eine große Rolle. Mitt Romney weiß das. Er möchte der erste Mormone im höchsten politischen Amt werden. Romney hat jetzt die erste von 50 Vorwahlen der US-Präsidentschaftskandidatur der Republikaner gewonnen. In Iowa erreichte er 30.015 Stimmen, nur acht mehr als sein stärkster Konkurrent Rick Santorum.

Während sich seine Konkurrenten mit rechter Rhetorik überschlagen, bleibt Mitt Romney im US-Vorwahlkampf eher gelassen. Der frühere Gouverneur von Massachusetts (2003-07) und Multimillionär liegt in den meisten Umfragen vor den anderen Anwärter auf den Kandidatenposten der Republikanischen Partei für das Präsidentenamt. Er erhält auch deutlich mehr Wahlspenden als der Gouverneur von Texas, Rick Perry, der ehemalige Pizza-König Herman Cain, die Kongressabgeordneten Ron Paul und Michele Bachmann und der frühere Abgeordnete Newt Gingrich.

Romney und Santorum erreichten in Iowa einen Stimmenanteil von knapp 25 Prozent. Wer US-Präsident Obama am 6. November bei der Wahl herausfordern wird, bleibt aber völlig offen. Die nächste Vorwahl findet am 10. Januar im Staat New Hampshire statt.

Der erste mormonische Präsident der USA?
In Berichten und Kommentaren kommt immer wieder eine Tatsache zur Sprache, deren Auswirkungen nicht abzuschätzen sind: Romney ist Mormone. Der frühere Chef einer Investmentfirma ist Mitglied der 1830 gegründeten "Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage." Er wäre der erste mormonische Präsident der USA.

Die Mormonen, obwohl nach den Katholiken, dem Südlichen Baptistenverband und den Methodisten viertgrößte US-amerikanische Kirche, bringen viel Gepäck mit. Allein wegen der in den Anfängen der Gemeinschaft befürworteten Mehrfachehe und der Tatsache, dass nur Mitglieder die Tempel betreten dürfen, begegnen ihnen viele Menschen mit Argwohn.

Der evangelikale Megakirchenpastor Robert Jeffress, ein Verbündeter Perrys, sorgte kürzlich für Aufsehen mit dem Vorwurf, das Mormonentum sei ein "Kult". Evangelikale könnten gar nicht für Romney stimmen. Jeffress ist nicht der Einzige mit dieser Ansicht. Laut Umfragen kann sich etwa ein Fünftel der Republikaner nicht vorstellen, einen Mormonen zu wählen. 34 Prozent der weißen Evangelikalen würden es laut dem Pew-Forschungszentrum auch nicht tun.

Buch Mormon ist Grundlage des Glaubens
Die Wurzeln des Mormonentums liegen in den 1820er und 1830er Jahren. Dem Gründer der Kirche, Joseph Smith, seien Gottvater und Sohn erschienen. Das von ihm verfasste, angeblich göttlicher Offenbarung folgende Buch Mormon ist die Grundlage des Glaubens. Nach Smith" Ermordung 1844 bei Unruhen in Illinois zogen viele Mormonen nach Utah. Der Staat - in dem stets stramm republikanisch gewählt wird - ist auch heute noch die Basis der Gemeinschaft.

Gegenwärtig soll es laut der "Heiligen der Letzten Tage" weltweit 13 Millionen Mormonen geben, gut die Hälfte von ihnen lebt in den USA. Ihre Organisationsstruktur erinnert an ein globales Unternehmen. In der Zentrale am Temple Square von Salt Lake City amtiert ein Kirchenpräsident, dem zwei enge Berater und ein 15-köpfiger Vorstand, das Quorum der Zwölf Apostel, zur Seite gestellt sind. In diesem Gremium sitzen ausschließlich Männer; auch sonst können Frauen keine höheren Ämter einnehmen.

Vorwurf des Wendehalses
Mitt Romney ist kein durchschnittlicher Mormone. Laut der Zeitung "New York Times" hat der Politiker hohe mormonische Ämter bekleidet, alle ehrenamtlich. 1981 bis 1986 war er Bischof seiner Gemeinde in Belmont im Bundesstaat Massachusetts und von 1986 bis 1994 Präsident des "Pfahls" von Boston. Ein "Pfahl" ist ein Verband von Gemeinden, vergleichbar mit einer Diözese bei den Katholiken. Als junger Mann habe Romney 30 Monate lang in Frankreich missioniert, berichtete die "Times". Präsidentschaftskandidat Romney, der Millionen Dollar bei der Consultingfirma Bain Capital verdiente, bezeichnete sich als radikalen Abtreibungsgegner. Dass er diese Haltung - und zahlreiche andere Standpunkte - später mehrfach revidierte und ihm der Ruf anhängt, dem jeweiligen Publikum und Zeitgeist nach dem Mund zu reden, könnte bei den Wählern in den Vorwahlen ein größeres Problem sein als sein Mormonentum.

Dennoch: Wird Romney Kandidat der Republikaner, kann er sich nach gegenwärtigen Umfragen der Unterstützung auch von 90 Prozent der Evangelikalen sicher sein - deren Abneigung gegen Präsident Obama ist noch größer als gegen die Mormonen. Die besten Umfragewerte hat Romney beim gegenwärtigen Stand des Vorwahlkampfes jedoch bei den Katholiken unter den republikanischen Wählern.

Mit JFK 1960 der erste katholische Präsident
Die Religionszugehörigkeit von Politikern spielt in den mehrheitlich protestantischen USA seit jeher eine große Rolle. Erst 1960 wurde der erste und bislang einzige katholische Präsident gewählt, der wie Romney aus Massachusetts stammende John F. Kennedy. Im Wahlkampf sah er sich mit Vorurteilen und Ängsten konfrontiert, unter anderem der einer Machtübernahme in den USA durch den Vatikan. Für George W. Bush waren die Stimmen der weißen Evangelikalen wahlentscheidend. Vor der Wahl von Barack Obama lief eine bewegte Debatte über seine angebliche Nähe zum Islam, weil Obamas kenianischer Vater und sein indonesischer Stiefvater Muslime waren.

Romney kandidierte bereits 2008 für das Präsidentenamt. Er verlor, obwohl er angeblich beinahe 50 Millionen Dollar seines eigenen Vermögens in seine Kampagne steckte. Im Wahlkampf hielt Romney eine viel beachtete Rede über seinen Glauben. Er befürworte die Trennung von Kirche und Staat und werde als Präsident nie politische Anweisungen seiner Kirche befolgen, versicherte er.

US-Mormonen betonen im Wahlkampf Neutralität
Im Wahlkampf 2011 geht die "Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage" ganz betont auf Distanz, auch wenn sich zwei Drittel der Mormonen als Republikaner verstehen. Auch Romney selbst spricht nur selten über seinen Glauben. Er konzentriert sich stattdessen auf die Kritik an Obamas Wirtschaftspolitik. Als Ex-Gouverneur und erfolgreicher Unternehmer werde er es besser machen.

Schützenhilfe erhielt Romney jüngst ausgerechnet vom baptistischen Fernsehprediger Pat Robertson. Konservative Kreise drängten republikanische Kandidaten so weit nach rechts, dass sie bei den Hauptwahlen nicht wählbar seien, warnte Robertson. Neben Romney kandidiert noch ein zweiter Mormone um die Gunst der Republikaner, Jon Huntsman, Ex-Gouverneur von Utah. Ihm werden allerdings keine Chancen ausgerechnet.

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