02.01.2012

Das Jahr 2012 bringt für die Kirchen vielfältige Herausforderung Wieviel Welt darf sein?

"Entweltlichung": Aus Sicht der Kirchen ist dieser etwas sperrige Begriff sicher das "Wort des Jahres" 2011. Ein Wort, das weiterhin der Deutung bedarf - weshalb die Diskussionen 2012 darüber weitergehen dürften. Wie lässt sich die von Papst Benedikt XVI. geforderte Rückbesinnung auf Gott und das originär Christliche umsetzen?

Eine der zentralen Fragen, nicht nur für die katholische Kirche, die im kommenden Jahr ihre Suche nach einem Käufer für die Verlagsgruppe "Weltbild" intensivieren wird. Der Augsburger Konzern war in die Schlagzeilen geraten, weil er im Internet auch Erotik-Literatur und Esoterik anbietet.

Nach einem jüngst bekanntgewordenen Finanzskandal in der Evangelischen Kirche im Rheinland sieht Präses Nikolaus Schneider, zugleich Ratsvorsitzender der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), ebenfalls Handlungsbedarf. Und zwar durchaus im Sinne von Benedikt XVI.: "Ich glaube, diese Dimension ist gemeint, wo wir von den Strukturen dieser Welt überwältigt werden, wo das Gewinnstreben und das Geldmachen auch nach uns greift", sagt Schneider und folgert: "Da müssen wir uns wieder entweltlichen, damit wir in der Welt unserem Auftrag gemäß leben und arbeiten."

In der Welt - das betont nicht nur Schneider. Denn darin sind sich beide Kirchen einig: Ein frömmelnder Rückzug in den berüchtigten Elfenbeinturm ist keine Alternative. Im Gegenteil, sagt der neue katholische Erzbischof der Hauptstadt Berlin, Rainer Maria Woelki: Die Kirche müsse aus dem Geist des Evangeliums heraus die Gesellschaft gestalten. Als Beispiel nennt er die ethischen Debatten im Bundestag und erinnert an die Diskussionen zur Präimplantationsdiagnostik (PID) im abgelaufenen Jahr. Allerdings setzte sich die Politik gerade bei den Gentests an Embryonen über kirchliche Widerstände hinweg.

Kein Grund nachzulassen, finden Präses Schneider und der Vorsitzende der katholischen Bischofskonferenz, Erzbischof Robert Zollitsch. Ob es um die konkrete Ausgestaltung der Embryonenforschung geht, ein neues Gesetz zur Fortpflanzungsmedizin oder Themen wie Organspende und Sterbehilfe. Aber auch darüber hinaus sehen Schneider und Zollitsch 2012 enorme Herausforderungen für die gesamte Gesellschaft - und damit selbstverständlich auch für die Kirchen.

Auseinanderdriften zwischen Arm und Reich
Schneider warnt vor einem weiteren Auseinanderdriften zwischen Arm und Reich. Zollitsch nennt Umweltschutz und Klimawandel als wichtige Themen. Der Präsident des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK), Alois Glück, identifiziert ein weiteres Feld: die Eurokrise und damit die Zukunft der EU. "Der Sozialstaat, die Soziale Marktwirtschaft, das alles ist ja aus einer christlichen Tradition und einem christlichen Menschenbild heraus gewachsen", erläutert Glück. "Das müssen wir einbringen in die Neustrukturierung Europas."

Ein Forum dafür bietet der 98. Deutsche Katholikentag, der Mitte Mai in Mannheim stattfindet. Das Treffen steht unter dem Leitwort "Einen neuen Aufbruch wagen" - und spielt damit auch auf die Gespräche zur Zukunft der katholischen Kirche in Deutschland an. Der von den Bischöfen ausgerufene "Dialogprozess" - ebenfalls ein sperriger Begriff - soll nach dem Missbrauchsskandal von 2010 verloren gegangenes Vertrauen zurückgewinnen und bis 2015 Perspektiven für eine Kirche von morgen entwickeln. Selbstvergewisserung in Zeiten, in denen Austrittszahlen zu- und die Besucherzahlen im Gottesdienst abnehmen.

Dieser Punkt spielt sicher auch bei den evangelischen Feiern zum Reformationsjubiläum 2017 eine Rolle. Die Vorbereitungen dazu sollen 2012 intensiviert werden. Wobei Präses Schneider hofft, dass das Großereignis die ökumenischen Beziehungen auf lange Sicht verbessert. Dazu angetan ist möglicherweise auch ein Blick auf das Zweite Vatikanische Konzil (1962-1965), dessen Beginn sich 2012 zum 50. Mal jährt. Die Lektüre der Konzilsdokumente könnte, zusammen mit dem Ruf von Papst Benedikt XVI. nach einer "Entweltlichung", im kommenden Jahr für manch überraschende An- und Einsicht sorgen.

Gottfried Bohl und Joachim Heinz

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