12.12.2011

Kritik am Ausstieg Kanadas aus Kyoto-Protokoll Schlechtes Klima

Umweltschützer haben den vorzeitigen Ausstieg Kanadas kurz nach Ende der Klima-Konferenz von Durban aus dem Kyoto-Protokoll zum Klimaschutz kritisiert. Von einem "politischen Affront gegenüber der internationalen Staatengemeinschaft" spricht im Interview mit domradio.de Annika Peters, Klimaexpertin von Greenpeace.

Der Ausstieg verstoße gegen den Geist des Weltklimavertrags und sei auf das Schärfste zu verurteilen, so Peters am Dienstag (13.12.2011). Der Weltklimagipfel in Durban habe mit der zweiten Verpflichtungsperiode des Kyoto-Protokolls den größten Klimasündern wie den USA und China eine Brücke für ihre zukünftigen Anstrengungen gebaut. Diese Brücke drohe nun einzustürzen "aufgrund des unverantwortlichen und egoistischen Verhaltens Kanadas"

"Dass Kanada unmittelbar nach dem Ende des Weltklimagipfels von Durban aus dem Kyoto-Abkommen aussteigt, ist zynisch und bestätigt das Misstrauen der Schwellenländer gegenüber den Industrieländern", erklärte die Klima-Expertin des Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND), Ann-Kathrin-Schneider, am Dienstag in Berlin. In Durban hätten sich China, Brasilien und Indien nach langem Ringen auf die Industrieländer zubewegt, weil diese ihren Beitrag zur globalen Reduktion der klimaschädlichen Emissionen zugesagt hatten.

"Die kanadische Regierung setzt jetzt das in Südafrika mühsam errungene Vertrauen der Entwicklungs- und Schwellenländer aufs Spiel", betonte Schneider. Damit werde der ohnehin schwierige Prozess des internationalen Klimaschutzes gefährdet. "Die anderen Industriestaaten und allen voran Europa müssen jetzt den Schwellen- und Entwicklungsländern verstärkt signalisieren, dass sie an ihrer Verantwortung für mehr Klimaschutz festhalten", forderte Schneider.

Schon lange angekündigt
Das Bundesumweltministerium erklärte, der Ausstieg Kanadas aus dem Kyoto-Protokoll sei schon lange angekündigt gewesen. Da Russland und Japan dem Schritt folgen wollten, umfasse das Protokoll bald nur noch Reduktionsziele für Staaten, die für 15 Prozent der weltweiten Emissionen verantwortlich seien. "Umso bedeutsamer ist es, dass es im Durban-Paket gelungen ist, das Fundament und die Dynamik für den Abschluss eines globalen, rechtlich bindenden Abkommens zu legen", erklärte das Ministerium.

Auf dem Weltklimagipfel im südafrikanischen Durban, der am Sonntag zu Ende ging, beschloss die Staatengemeinschaft, ein neues Klima-Abkommen bis 2015 auszuhandeln, das ab 2020 umgesetzt werden soll. Dieses neue Abkommen, bei dem auch die USA mitmachen wollen, soll auch Klimaziele für Schwellenländer wie China und Indien enthalten. China und die USA sind heute für etwa die Hälfte der weltweiten Treibhausgase verantwortlich.