29.11.2011

Zweifel an Einigung zwischen der Piusbruderschaft und dem Vatikan Mission impossible?

Die Piusbruderschaft lehnt die Bedingungen des Vatikans für eine Wiedereingliederung in die katholische Kirche ab. Karl-Heinz Menke überrascht diese jüngste Entwicklung nicht. Im domradio.de-Interview sagt der Bonner Dogmatik-Professor zu einer Integration der Traditionalisten: "Ich bin überzeugt, dass es nicht geht."

domradio.de: Religionsfreiheit, Ökumene und Liturgie - das sollen die drei wesentlichen Punkte sein, in denen die Piusbrüder die Beschlüsse des letzten Konzils nicht akzeptieren wollen. Welche Haltung lässt sich dahinter erkennen?
Menke: Man kann das gar nicht auf bestimmte Themen eingrenzen, sondern ein entscheidender Punkt verbindet all diese Themen: die Tatsache, dass die Piusbruderschaft unter Tradition bestimmte Sätze versteht. Die Piusbruderschaft sagt: Alles, was es in der Kirche zu lehren gibt, ist mit dem Tod des letzten Apostels schon gesagt, und die Kirche hat nichts anderes zu tun, als das, was ausdrücklich gesagt worden ist, zu bewahren. Das ist ein Traditionsverständnis, das man im Fachjargon instruktionstheoretisch nennt, d.h. Gott hat offenbart, wenn man bestimmte Instruktionen den Menschen vermittelt hat. Aber: Die Wahrheit aber ist die Person Jesu Christi, und mit der wird die Interpretation der Kirche nie fertig. Sie kann natürlich bestimmte Pflöcke einschlagen und sagen: Das ist für immer ein letztgültiger Hinweis auf die Wahrheit, die Jesus Christus ist, aber die Wahrheit, die eine Person ist, kann man nicht in Sätze oder Instruktionen fassen. Wir kommen mit dieser Wahrheit nie zu Ende.

Tradition ist das Leben mit Jesus Christus. Die Kirche in ihrem lebendigen Leben mit Jesus Christus, zum Beispiel in der Eucharistie, kann nicht aus der Wahrheit herausfallen. Sie muss immer wieder neu versuchen, die Wahrheit zu reflektieren und den Menschen der jeweiligen Zeit zu interpretieren. Aber das ist für die Piusbruderschaft viel zu geschichtlich und zu offen gedacht. Deshalb ist eine Entwicklung in der Lehre gar nicht möglich. Alles, was man Entwicklung des Dogmas nennt, ist aus der Piusbruderschaft nicht möglich.

domradio.de: Jetzt heißt es, der Generalobere Bernard Fellay fordert Nachbesserungen bei den römischen Vorschlägen, um den Spielraum für eine legitime Diskussion über das Zweite Vatikanische Konzil auszuloten. Inwieweit lässt sich überhaupt über das Konzil diskutieren oder verhandeln?
Menke: Nach meiner Ansicht, kann man über die Interpretation bestimmter Sätze des Konzils, die ja auch von Menschen formuliert worden sind, diskutieren. Aber ich vermute, dass es bei diesen Gesprächen ähnlich zugeht wie bei manchen Konsensgesprächen zwischen zum Beispiel Lutheranern und Katholiken oder Anglikanern und Katholiken: Man versucht, Papiere zu erstellen, auf die sich beide Seiten einigen können und nimmt sich dann ein Thema nach dem anderen vor. Leider klappt das so - das ist meine feste Überzeugung - nicht wirklich. Denn hinter den Einzelthemen stehen Grundüberzeugungen, die mit einem Formelkompromiss nicht beseitigt sind.

Und das, was ich eben genannt habe, zum Beispiel, was das Traditionsverständnis betrifft, das zeigt sich dann etwa, was die Haltung zur Religionsfreiheit betrifft, darin, dass die Piusbruderschaft nicht bereit ist, anderen Religionen zuzubilligen, dass in ihnen auch das Wirken Gottes erfahren werden kann, dass es zum Beispiel Gnade außerhalb der sichtbar verfassten Kirche gibt; also Christusgemeinschaft. Solche Positionen, die für die Piusbruderschaft festgeklopft sind, lassen es meiner Ansicht nach nicht zu, dass die Piusbruderschaft zum Beispiel das Konzilsdokument über das Verhältnis der Kirche zu den anderen Religionen, speziell zum Judentum, akzeptieren kann.

domradio.de: Man hat so den Eindruck: Der Vatikan zeigt sich gegenüber den Piusbrüdern sehr geduldig - vielen zu geduldig. Sollte hier nicht einfach mal von Seiten des Papstes ein Machtwort gesprochen werden?
Menke: Ich kann den Papst sehr verstehen, dass er versucht, alles zu tun, bis hin zur Selbstverdemütigung, die übrigens schon seine Vorgänger auf sich genommen haben, ein Schisma zu vermeiden oder wieder zu beseitigen. Es ist nun mal die Aufgabe des Papstes, die Einheit der Kirche zu wahren und dafür bis an das Letztmögliche zu gehen. Und es ist nun mal so, dass auf dem rechten Rand des Christentums eine Häresie sofort eine neue Kirche bildet, also eine Spaltung. Während auf dem linken Rand niemand eine Spaltung will, auch wenn de facto vielleicht die Konvergenz mit dem Glauben der Gesamtkirche Schaden gelitten hat. Aber da will keiner eine Spaltung, während auf der rechten Seite sofort eine neue Kirche aufgemacht wird. Deswegen ist der Papst nach rechts natürlich auf einem Weg fast der Selbstverleugnung im Entgegenkommen.

Man hat das manchmal so dargestellt, er sei auf dem rechten Auge sehr geduldig und auf dem linken sehr streng. Dabei vergisst man, dass links keine Spaltungen entstehen, es sei denn, sie werden von Rom verhängt. Während rechts die Spaltungen eben von den Abweichlern ausgesprochen werden. Und es ist eben Aufgabe des Papstes, das möglichst zu vermeiden.

domradio.de: Ist es überhaupt möglich die gesamte Priesterbruderschaft Papst Pius" des Zehnten als einen Block wieder in die römisch-katholische Kirche zu integrieren?
Menke: Ich bin überzeugt, dass es nicht geht. Und wenn man es versuchen würde, würde die Basis der Piusbruderschaft das, was oben beschlossen wird, nicht mitmachen.

Das Gespräch führte Uta Vorbrodt.

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