06.11.2011

Evangelische Kirche diskutiert Papstbesuch Diplomatische Worte und demonstratives Selbstbewusstsein

Protestanten tagen und diskutieren über den Papst. Ausgerechnet! Aber aus gutem Grund. Denn die Begegnung mit Benedikt XVI. in Erfurt bewegt auch Wochen später noch die Gemüter. Kein Wunder also, dass die Synode der Evangelischen Kirche in Deutschland ausführlich über den Papstbesuch debattiert.

In ihren Berichten widmen der Ratsvorsitzende, Präses Nikolaus Schneider, und die Präses der Synode, Katrin Göring-Eckardt, dem Thema am Sonntag ein eigenes Kapitel. Auch der Catholica-Beauftragte der Vereinigten Evangelisch-Lutherischen Kirche Deutschlands (VELKD), Landesbischof Friedrich Weber, analysiert das Ereignis vor der Generalsynode der Lutheraner. Hinzu kommen zahlreiche Wortmeldungen in der Aussprache zu den Berichten.

Auf einen Nenner gebracht, sind die Bewertungen von zwei gegenläufigen Tendenzen geprägt: Positiv gewürdigt wird die Tatsache, dass diese Begegnung mit dem Papst "an einem zentralen Ort des Luther-Gedenkens" stattgefunden hat - Schneider spricht von einem "Gegenbesuch" in Anspielung auf die Reise des Reformators Martin Luther 1511 nach Rom. Die Symbolik des ökumenischen Gottesdienstes in der Augustinerkirche sei "nicht zu unterschätzen", so der Ratsvorsitzende.

Dem gegenüber steht die Unzufriedenheit mit dem konkreten Verlauf des Treffens. Ein großes Problem sieht Schneider in der unterschiedlichen Ausgestaltung der nichtöffentlichen Begegnung im kleinen Kreis und des öffentlichen Gottesdienstes. "Schade, dass die Ausführungen des Papstes vor der EKD-Delegation nicht auch die Besucher und Fernsehzuschauer des anschließenden Gottesdienstes direkt aus dem Mund des Papstes gehört haben, sondern erst später in den Pressemitteilungen lesen konnten", meint Weber. "Ich glaube, viele hatten im Gottesdienst auf ein Wort zu Luther gewartet und waren entsprechend enttäuscht", so der Braunschweiger Landesbischof.

Empfindlichen Nerv getroffen
Einen empfindlichen Nerv hat der Papst offenbar auch mit der Absage an eine Kircheneinheit nach dem Vorbild politischer Verhandlungen getroffen - und erst recht mit seinem Wort, dass er kein "ökumenisches Gastgeschenk" mitgebracht habe. "Gastgeschenke" habe niemand erwartet, so gleichlautend Schneider und Weber. Den Begriff habe vorher allenfalls der Tübinger Theologe Hans Küng ins Gespräch gebracht. Weber räumt allerdings ein, dass auch mancher Protestant vor dem Besuch unangemessene Erwartungen oder ins Leere gehende Forderungen formuliert habe - etwa die nach einer Aufhebung des Kirchenbanns über Luther, der mit dessen Tod ohnehin obsolet gewesen sei.

Schneider bedauert, dass der Papst brennende Fragen des ökumenischen Dialogs - etwa nach dem gemeinsamen Empfang der Eucharistie für konfessionsverschiedene Ehepaare - gar nicht oder nur "missverstehend und missverständlich" angesprochen habe. "Konkrete und ermutigende Anstöße für die ökumenisch-theologische Weiterarbeit in den Fragen des Amts- und des Kirchenverständnisses blieben aus", so der EKD-Ratsvorsitzende.

"Wir haben Flagge gezeigt"
Und dass Benedikt XVI. ein Verständnis der ökumenisch-theologischen Gespräche unterstellt habe, das sich an Verhandlungen zwischen politischen Vertragsparteien orientiere, "geht an der Haltung der reformatorischen Kirchen völlig vorbei". Dennoch betont Schneider als sein "ökumenisches Anliegen", dass die "gerade für viele ökumenisch engagierte Menschen enttäuschende Papstpredigt" nicht das Bild der ökumenischen Begegnung in Erfurt bestimmen soll, sondern dessen "theologische Grundtonart, der wir evangelische Christenmenschen gerne zustimmen".

Katrin Göring-Eckardt bleibt es vorbehalten, nach den eher diplomatisch-abwägenden Worten evangelisches Selbstbewusstsein zu demonstrieren. "Wir haben Flagge gezeigt, durch unsere Worte, aber auch durch evangelische Selbstverständlichkeiten. Frauen tragen in unserer Kirche Verantwortung - die evangelische Delegation bestand zur Hälfte aus Frauen", sagt sie vor dem Kirchenparlament. Und fügt noch hinzu: "Die Anerkennung als Kirche durch Rom brauchen wir wirklich nicht. Mehr noch: Ich wollte sie auch gar nicht, denn wir wollen ja gar nicht "Kirche im römisch-katholischen Sinne" sein. Es genügt uns völlig, diejenige katholische Kirche zu sein und zu bleiben, die durch die Reformation gegangen ist!"

Norbert Zonker

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