06.11.2011

Bischof Feige sieht trotz EKD-Synoden-Kritik Ökumene auf richtigem Weg Irritiert, aber umarmt

Hat Präses Schneider mit dem Papst "abgerechnet", wie manche Zeitung nach der Rede des Ratsvorsitzenden der Evangelischen Kirche in Deutschland bei der EKD-Synode schreiben? Nein, sagt der Magdeburger Bischof Gerhard Feige. Im domradio.de-Interview analysiert er die protestantischen Irritationen und betont den gemeinsam Weg.

domradio.de: Die Zeitungen schreiben heute, die Protestanten hätten in Magdeburg mit dem Papst abgerechnet - wie deutlich war die Enttäuschung bei den evangelischen Christen dort tatsächlich zu spüren?
Feige: So stark möchte ich das nicht formulieren. Ich habe ja ein Grußwort bei der EKD-Synode sagen dürfen und muss sagen: Ich bin herzlich begrüßt worden. Und auch an dem Applaus hat man gemerkt, dass wir mitbrüderlich zusammen waren. Kritische Punkte sind zwar genannt worden, aber ich würde es nicht als eine Abrechnung verstehen wollen.

domradio.de: In welchen Punkten wurde denn Kritik geübt?
Feige: Es hat irritierend gewirkt, dass bei der Begegnung in Erfurt ein Unterschied war zwischen der Begegnung mit Vertretern der EKD und dann dem ökumenischen Gottesdienst. Der Papst hat zu Luther gesprochen und hat ihn auch gewürdigt - aber eben nicht im ökumenischen Gottesdienst. In der Öffentlichkeit ist nicht diese geschwisterliche Atmosphäre, die im Augustiner-Kloster bei der Begegnung war, so rüber gekommen.

domradio.de: Es war also hinter den Kulissen anders, als es nach vorne hin transportiert wurde?
Feige: Genau so! Bei der Begegnung ist der Papst auf Präses Schneider zugegangen und hat ihn gewissermaßen umarmt. Und im Gottesdienst hat Präses Schneider den Papst umarmt. Aber im Fernsehen ist nur das eine rübergekommen, nicht das andere.

domradio.de: Was wurde noch kritisiert?
Feige: Bei der Rede des Papstes fiel der Begriff vom "ökumenischen Gastgeschenk", den hat man als sehr unglücklich empfunden und gewissermaßen als etwas brüskierend, denn: das wollte man nicht, so hieß es. Und auch, dass Ökumene nicht eine Sache der Verhandlungen sein dürfte, ist für die evangelische Seite auch klar. Obwohl es theologische Gespräche ja auch geben kann und die durchaus sinnvoll sind, um einander näher zu kommen.

domradio.de: Können Sie die Kritik nachvollziehen?
Feige: Ich war selber in Erfurt nur bei dem ökumenischen Gottesdienst dabei und habe zunächst nicht gewusst, was der Papst im Saal gesagt hat. Und war auch etwas verwundert. Ein paar deutlichere Impulse hätte ich durchaus erwartet. Obwohl man sagen muss: Die Erwartungen waren ja vorher zum Teil maßlos, das konnte so nicht in Erfüllung gehen.

domradio.de: Man hat gehofft auf ökumenische Impulse, so sagte es Präses Schneider, und die seien ausgeblieben. Hat der Besuch des Papstes aus ökumenischer Sicht tatsächlich so wenig gebracht?
Feige: Das glaube ich nicht. Der Papst hat ja sehr deutlich die gemeinsame Besinnung auf das Christusgeheimnis hervorgehoben und auf das gemeinsame Christuszeugnis. Und das ist etwas ganz Entscheidendes für die Ökumene. Und das ist auch durch Präses Schneider in seinem Beitrag aufgegriffen worden, dass das etwas Wesentliches ist, was uns verbindet, was uns unruhig machen sollte, und ich würde jetzt sagen: womit wir gemeinsam auch auf das Reformationsgedenken 2017 zugehen könnten. Denn, so sagte es Präses Schneider, auch das sei gewissermaßen ein Christusjubiläum, eine Besinnung auf Christus.

domradio.de: Katrin Göring-Eckardt als Präses der Synode sagte, die evangelischen Christen bräuchten eine Anerkennung als Kirche durch Rom nicht - droht jetzt ein Abbrechen des Dialogs?
Feige: Da würde ich ganz klar sagen: nein! Jede Kirche hat ihr Selbstverständnis und bedarf dazu erst mal nicht der Bestätigung durch die anderen, da muss sie sich selber tragen. Aber unsere ökumenischen Beziehungen sind so stabil, dass wir trotz mancher Hindernisse, trotz mancher Irritationen und Enttäuschungen auch verantwortbar weitergehen können. In meinem Grußwort habe ich es so formuliert: möglichst vorurteilsfrei, im gegenseitigem Vertrauen, mit Herz und Verstand, beharrlich und fair. Ich glaube, dass das die Grundlage ist. Und ich erfahre es immer wieder, sowohl hier als auch im Kontaktgespräch mit Vertretern der EKD, dass das ein Weg ist, den wir gehen können und gehen wollen.

domradio.de: Im Grunde ist es doch auch so, dass sich angesichts von immer mehr Kirchenaustritten auf beiden Seiten sich evangelische und katholische Christen einen solchen dauerhaften Streit in der Ökumene nicht mehr leisten können...
Feige: Eigentlich nicht. In Johannes 17 wird es ja ganz deutlich zum Ausdruck gebracht: Seid eins, damit die Welt glaube. Und wir dürfen in keiner Weise ein zerstrittenes Zeugnis vor der Welt geben. Aber wir müssen uns eben beharrlich um verantwortbare Lösungen mühen.

Das Gespräch führte Uta Vorbrodt.

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