Weihbischof Jaschke: Ehe und Homopartnerschaft nicht egalisieren
Weihbischof Jaschke: Ehe und Homopartnerschaft nicht egalisieren

29.09.2011

Das Geburtstags-Interview mit Weihbischof Jaschke "Ich weiß gar nicht, was Ruhestand bedeutet!"

Er ist deutschlandweit bekannt aus Funk und Fernsehen. Nicht nur die Hamburger Katholiken lieben ihn für seine klaren Worte und seine Menschlichkeit: Weihbischof Hans-Jochen Jaschke blickt an seinem 70. Geburtstag im domradio.de-Interview zurück und in die Zukunft.

domradio.de: Herr Weihbischof, herzlichen Glückwunsch zum Geburtstag! Mit 70 Jahren sind die meisten Menschen schon Rentner, aber als Bischof haben Sie noch mindestens fünf Jahre bis zum Ruhestand. Bedeutet das neue Lebensjahrzehnt trotzdem für Sie eine Art Einschnitt?--Bischof Jaschke: Ich weiß gar nicht, was das bedeutet. Wenn ich mir vorstellen müsste, ich müsste morgen aufhören mit dem aktiven bischöflichen, priesterlichen Leben, das wäre grausam! Also hoffe ich, dass alles so weitergeht, dass Gott mir meine Gesundheit erhält, bislang bin ich außerordentlich gesund, das ist ein Wahnsinn. Ja, ich freue mich auf jede neue Aufgabe.

domradio.de: Ein runder Geburtstag ist für viele Menschen auch ein Anlass, zurück auf das eigene Leben zu blicken. Überwiegt bei Ihnen nun die Dankbarkeit oder doch eher ein Gefühl der Sorge, auch angesichts der aktuellen Kirchenkrise? --Bischof Jaschke: Tja, ... das ist natürlich eine gemischte Lage. Ich werde oft nach der Heimat gefragt, ich bin ja Heimatvertriebener aus Oberschlesien. Ich sage immer: Die Kirche ist meine Heimat, die große Kirche überall auf der Welt, an allen Orten, zu allen Zeiten, also es gibt soviel Schönes in der Kirche. Ich glaube auch, dass unsere Kirche in Deutschland eine ganz gute Zukunft hat, und wir werden sie wiedergewinnen: Wir müssen wegkommen von der Wehleidigkeit, aber auch den Mut haben, an die Reformen heranzugehen, die im Einklang mit der Realität möglich sind. Und dafür trete ich ein, aber ich gebe dem Papst natürlich völlig recht, wenn es nur so äußerliche Dinge sind, wenn man nur an Strukturen herumbasteln will - das reicht nicht: Reform muss aus dem Inneren kommen, mit einer neu erweckten Glaubenskraft. Aber die haben wir doch in Deutschland wirklich.

domradio.de: Sie haben sich in einem Interview mit einem alten Krokodil verglichen. Können Sie uns da ’mal aufklären?--Bischof Jaschke: Krokodile sollen ja sehr alt werden, um die 100 Jahre, und ich bin inzwischen der dienstälteste Bischof hier bei uns im Norden. Ich habe sie alle überlebt - jedenfalls die Amtsträger, evangelisch wie katholisch, auch in der Politik. Ich komme mir schon vor wie ein Krokodil, aber ich beiße nicht. Ich habe noch keinen totgebissen.

domradio.de: Sie haben den Papst ja schon angesprochen, er war ja bis Sonntag hier in Deutschland - konnte er Ihrer Meinung nach die Kirche so ermutigen, wie sich das viele vorher erhofft haben?--Bischof Jaschke: Der Papst ist ja kein Heilsbringer, sein Besuch war lange vorher geplant und ich denke, im Ganzen hat er wichtige Zeichen gesetzt und auch der Öffentlichkeit gezeigt - das war ja auch ein Staatsbesuch -, wie Kirche mit Vernunft argumentiert und wie sie dazu beiträgt, die Grundlagen unseres Lebens zu bewahren und neu zu gewinnen. In der katholischen Kirche herrscht eine derart gemischte Lage, es kamen ja sehr viele Gläubige, mehr als wir erwartet hatten, zu den großen Gottesdiensten und die waren alle sehr angetan and begeistert. Im Ganzen müssen wir in unseren Prozess in der katholischen Kirche Deutschlands weitergehen, den Prozess des Gespräches, des Dialogs und des Einander-Vertrauens, das ist ganz wichtig, dass wir einander wirklich trauen, uns nicht gegenseitig in irgendwelche Ecken stellen, uns nicht zerstreiten, sondern sehen: Wir sind in der Vielfalt des Katholischen die eine Kirche.

domradio.de: Sie haben bei Professor Joseph Ratzinger promoviert und kennen ihn lange. Was hat sein Besuch jetzt für Sie ganz persönlich bedeutet?--Bischof Jaschke: Wenn man sich gut kennt, dann hört man natürlich auch sehr genau zu. Was er inhaltlich gesagt hat, das kennt einer, der mit ihm lange zusammen war natürlich, das hat er schon an vielen Stellen, in Vorträgen und Vorlesungen betont. Persönlich dachte ich, wie hält der Mann das aus? Mit 84 Jahren und ein Termin jagt den anderen. Er hat immer sehr präzise Reden gehalten. Gut, die waren gut vorbereitet, aber er hat sich quasi nie versprochen. Einmal ist es doch passiert: In Thüringen hat er Elisabeth von Tübingen gesagt - fast ein Freud’scher Versprecher. Und dann hat mich seine Freundlichkeit beeindruckt, dass er wirklich mit großer Gelassenheit allen Menschen, die so auf ihn zukamen, begegnet ist, sie nett angeschaut hat - er hat ja ein phänomenales Gedächtnis, kann Namen behalten. Also diese innere Ruhe, die er ausstrahlte, das hat mich schon bewegt, aber der Papst ist ein Mensch und Papst Benedikt sagt: Das meiste was ein Papst sagt, ist nicht unfehlbar. Er ist ein Mensch mit Fehlern, auch natürlich mit einer bestimmten Theologie. Und da müssen wir weitersehen, wie die Kirche unter seiner Leitung, aber auch die Kirche in Deutschland mit dem Papst verbunden ihren Weg findet.

domradio.de: Heute gibt es noch einen Festakt für Sie in Hamburg, statt Geschenke wünschen Sie sich Spenden für die Caritas Schleswig-Holstein. Warum möchten Sie keine persönlichen Geschenke? --Bischof Jaschke: Für die Caritas Schleswig-Holstein und Hamburg. Ich bin ja der Vorsitzende von zwei Caritas-Verbänden, einmal des Landes Schleswig-Holstein und in der Stadt Hamburg. Wir haben unsere Einrichtungen, unsere Häuser und das ist eine vielfältige Situation, wir sind finanziell natürlich alle nicht so ganz reich gesegnet. Spenden zum Geburtstag können zwar die Caritas nicht retten, aber es ist ein Zeichen, aus dem sichtbar wird, wohin meine Entschiedenheit und auch meine Glaubensfreude gehen: Caritas, die Liebe, die Menschenliebe, die ist das Entscheidende.
Das Interview führte Aurelia Plieschke.
Zur Biographie von Weihbischof Jaschke.