12.09.2011

Die Unauflöslichkeit der Ehe wird von der Amtskirche nicht in Frage gestellt Im Grundsatz einig

Erzbischof Robert Zollitsch wehrt sich gegen den Vorwurf, er wolle die Unauflöslichkeit der Ehe infrage stellen. Sein Vorstoß für einen anderen Umgang der katholischen Kirche mit wiederverheirateten Geschiedenen sei zum Teil missverstanden worden. Ein Überblick über die laufende Debatte.

"Das tue ich ganz und gar nicht", sagte der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz und Freiburger Erzbischof in einem Interview des "Mannheimer Morgen" auf die Frage, ob er denn nun eine Auflöslichkeit  der Ehe propagieren würde. Zollitsch hatte es Anfang September als "Frage der Barmherzigkeit" bezeichnet, einen neuen Umgang mit wiederverheirateten Geschiedenen zu finden. Dafür war er kritisiert worden. Geschiedene sind in der katholischen Kirche von den Sakramenten ausgeschlossen, sobald sie eine neue Lebenspartnerschaft oder eine zweite Zivilehe eingehen.

Es bleibe eine schmerzliche Tatsache, dass mehr als ein Drittel der Ehen scheitert, sagte Zollitsch nun im "Mannheimer Morgen". Die Situation dieser Menschen müsse die Kirche wahr- und ernst nehmen. "Das schmälert auch nicht das klare Bewusstsein, dass die Ehe unauflöslich ist". In der Seelsorge stelle sich aber die Frage nach einem "theologisch verantwortungsvollen und pastoral angemessenen Umgang. Darüber gilt es offen und unaufgeregt zu beraten."

Der Kölner Kardinal Joachim Meisner hatte betont, dass Zollitsch seine Vorschläge als Freiburger Erzbischof und nicht in seiner Funktion als Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz gemacht habe. "Die Lehre der Kirche ist klar und mit einer Veränderung nicht zu rechnen", hatte auch der Apostolische Nuntius in Deutschland, Jean-Claude Perisset, in einer ersten Reaktion erklärt.

Sorge um die Kinder
Der stellvertretende Vorsitzende der Bischofskonferenz, der Aachener Bischof Heinrich Mussinghoff, hatte dagegen vor einer unnötigen Verhärtung in der Diskussion über den Umgang der katholischen Kirche mit wiederverheirateten Geschiedenen gewarnt. Er betonte, dass keine offizielle Zulassung zu den Sakramenten angestrebt werde. In Einzelfällen sollte aber beispielsweise die subjektive Gewissensentscheidung eines Katholiken toleriert werden, die Kommunion zu empfangen. Auch weil Kinder aus diesen Beziehungen nur schwer in den Glauben finden könnten, wenn ihre Eltern dauerhaft nicht zur Kommunion gehen dürften.

Unterstützung hatte Zollitsch auch von einzelnen Kirchenrechtlern und Moraltheologen erhalten: Der emeritierte Münsteraner Kirchenrechtler Klaus Lüdicke sagte, schon heute sei es in Deutschland der Normalfall, Gläubigen, die in einer neuen Ehe lebten, die Kommunion nicht zu verweigern. Das solle die Kirche auch amtlich akzeptieren. Der Freiburger Moraltheologe Eberhard Schockenhoff sagte, Zollitsch habe die Unauflösbarkeit der Ehe nicht infrage gestellt. Er wolle nur einen barmherzigeren Weg des Umgangs mit Menschen, deren Ehe gescheitert sei. "Man kann von außen nicht jede Entscheidung für eine zivile Zweitehe als objektiv schwere Sünde qualifizieren", fügte der Theologe hinzu.

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