31.08.2011

Bischof Bode blickt auf 20 Jahre Amtszeit zurück "Das war ein sehr heißer Tag"

Vor zwanzig Jahren wurde Franz-Josef Bode in Paderborn zum Weihbischof geweiht, vier Jahre später ernannte ihn Papst Johannes Paul II. zum Bischof von Osnabrück. Im domradio.de-Interview blickt der ehemalige Jugendbischof zurück auf seine Amtszeit - und auf die Zukunft der Kirche.

domradio.de: Erstmal herzlichen Glückwunsch zum 20. Jahrestag der Weihe - können Sie sich noch gut daran erinnern?--Bischof Bode: Oh ja, das war ein sehr heißer Tag, der letzte Sonntag in den Ferien, der 1. September, wir haben ziemlich schwitzen müssen und es waren ganze viele Leute von meiner Pfarrei und aus meiner Heimat gekommen, weil ich ja praktisch aus Paderborn stamme. Es war ein wirklich wunderbares, großes Fest. Der Erzbischof Degenhardt hat mich geweiht und anschließend gab es einen riesigen Empfang und noch ein Abendessen. Das war ein rundum schöner Tag, das muss ich wirklich sagen.

domradio.de: Bischöfe haben als Nachfolger der Apostel eine Fülle an Aufgaben - waren die vergangenen 20 Jahre als Bischof mehr Last oder mehr Lust - wie ist Ihre Bilanz?--Bischof Bode: Ich muss sagen, es waren sehr erfüllende Jahre, insgesamt habe ich mich im Bischofsamt wirklich wohl gefühlt. Die ersten vier Jahre in Paderborn als Weihbischof bestanden natürlich stark darin, auf Firmreise und Visitationsreise zu sein, ich habe pro Jahr fast 100 Firmfeiern gehabt und war zuständig für die Priesterfortbildung. Damals gab es diese Unruhen um Dr. Drewermann, dem war gerade die Lehrbefähigung entzogen worden, das war eine ziemliche Auseinandersetzung. Gleichzeitig haben wir damals in Paderborn 30 Priester pro Jahr geweiht, davon kann man heute nur noch träumen. Und nach vier Jahren wurde ich ja dann sehr überraschend - heute auf Tag vor 16 Jahren war die Wahl - Bischof von Osnabrück. Das war ein völliger Neuanfang für mich und ich wurde ja dann gleichzeitig auch Jugendbischof - das war eine so große und gute Herausforderung für mich, dass ich nur sagen kann, dass ich hier in Osnabrück ganz, ganz gute Jahre erlebt habe. Und diese 20 Jahre waren eine ganz, ganz erfüllte Zeit, auch mit vielen Auseinandersetzungen: Sie wissen um die Frage der Schwangerschaftskonfliktberatung, die uns lange im vorletzten Jahrzehnt gequält hat. Das alles sind natürlich Schwierigkeiten gewesen, aber insgesamt habe ich viel Solidarität und viel Zuwendung erfahren.

domradio.de: Heute bewegt sich die Kirche in unruhigen Gewässern - nach dem Missbrauchsskandal soll nun durch eine Dialoginitiative das verlorene Vertrauen wieder zurückgewonnen werden, außerdem besucht der Heilige Vater Deutschland in wenigen Wochen. Was sind für Sie die größten Unterschiede zwischen der Katholischen Kirche vor 20 Jahren und heute?--Bischof Bode: Wir haben erheblich geringere Priesterzahlen als damals, in Osnabrück weihen wir nur noch ein bis zwei Priester pro Jahr, in unserem Bistum Paderborn sind es vielleicht 5 bis 10. Das ist ein großer Rückgang gewesen, inzwischen gab es eben diese Vorfälle, so dass wir 2010 nicht einfach streichen können. Wir müssen in ganz neuer Weise Vertrauen und Glaubwürdigkeit wiedergewinnen. Ich bin aber der Meinung, dass für ganz viele doch auch der Wille vorhanden ist, gemeinsam nach vorn zu schauen und durch diesen Dialogprozess die Fragen in den nächsten Jahren wirklich noch einmal gebündelt anzugehen. Mit Mannheim ist ein guter Akzent gesetzt worden. Ich persönlich war ja auch in dieser kleinen Steuerungsgruppe mit beteiligt, so dass ich sagen kann, aus diesen ganzen Erfahrungen der letzten Jahre kann man vieles in diesen Dialog einbringen, um weitere Schritte zu erreichen.  

domradio.de: Hat sich bei Ihnen denn etwas geändert, seit wir einen deutschen Papst haben?--Bischof Bode: Ich kenne ihn halt von meinem Studium her, deshalb ist die Beziehung etwas einfacher. Man kann also kurze Gespräche in Rom auch einmal auf Deutsch führen, er kennt die deutsche Situation, da ist der Umgang miteinander etwas unkomplizierter. Ich denke, durch seine Wahl zum Papst hat Deutschland noch einmal eine besondere Verantwortung für das Ganze bekommen hat und die Entwicklung hierzulande wird von vielen beobachtet, von den einen kritisch, von den anderen erwartungsvoll. Da haben wir eine große Aufgabe.

domradio.de: Morgen ist der eigentliche Weihetag. Sie sind mit 60 Jahren immer noch sehr jung für ein solches Jubiläum - wie werden Sie den Tag begehen?--Bischof Bode: Wir haben einen Tag mit Priestern und pastoralen Mitarbeitern mit fast 400 Leuten geplant. Alle pastoralen Dienste sind eingeladen und Kardinal Lehmann wird einen Vortrag halten: Wohin geht die Kirche? Also über die nächsten Schritte der Kirche. Am nächsten Sonntag ist dann der Tag der Ehrenamtlichen, zu dem fast 4.000 ehrenamtliche Mitarbeiter kommen werden. Ich habe das etwas mit dem Jubiläumstag verbunden, es soll ja nur ein kleines Jubiläum sein, denn normalerweise feiert man ja mehr die 25 Jahre. Ich habe dieses Jahr ja auch schon meinen 60. gefeiert. Das Jubiläum wird mehr eine bistumsinterne Angelegenheit.

domradio.de: In fünf Jahren wird also noch einmal groß gefeiert. Bischöfe gehen üblicherweise erst mit ungefähr 75 Jahren in den Ruhestand - das heißt, Sie haben noch einige Jahre im Amt vor sich. Was sind Ihr Pläne und Ziele für die Zukunft?--Bischof Bode: Ich habe also in etwa noch so viele Jahre im Amt vor mir wie hinter mir. Wir haben diesen Dialogprozess, der ja auch im Bistum weitergeht. Wir möchten im Jahr 2015 ein pastorales Zukunftsgespräch organisieren, wie wir es schon zweimal hatten. Insofern sind für die nächsten Jahre die Ziele gesteckt und dann werden wir mal weitersehen.

Das Interview führte Dagmar Peters.

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