Der Bischof von Oslo zu den Folgen der Anschläge

"Wir bleiben ja Norweger"

Bei dem Anschlag im Regierungsviertel Oslos sind am Freitag sieben Menschen ums Leben gekommen. Anschließend erschoss der Attentäter auf der Insel Utöya 68 Menschen. Im domradio.de-Interview erzählt Bernt Eidsvig, katholischer Bischof von Oslo, wie er von den Anschlägen erfahren hat und welche Folgen sie für sein Land haben.

 (DR)

domradio.de: Wie war das für Sie, als Sie von der Bluttat auf der Ferieninsel gehört haben?

Bischof Eidsvig: Das war schrecklich, denn man weiß ja, dass ein Premierminister oder große Politiker mit dieser Angst zurecht kommen müssen, aber 15-20-Jährige, die auf einem Sommercamp sind, die sollten von solchen Dingen verschont sein. Ich bin überzeugt, dass diese Minuten bei den Überlebenden immer tief in der Erinnerung bleiben werden und ich hoffe, dass sie irgendwie damit zurecht kommen. Für die Verstorbenen und die Angehörigen können wir nur beten.



domradio.de: Redet man in Norwegen zurzeit über irgendetwas anderes als über den schwarzen Freitag?

Bischof Eidsvig: Wenig, die Stimmung hat sich sehr geändert, das Geschehene hat die Leute aber auch einander näher gebracht, die politische Trennung gibt es hier nicht. Die Stimmung ist sehr gedämpft, die Leute sprechen sehr leise, niemand spicht laut.



domradio.de: Der Täter hat sich im Internet und im Polizei-Verhör als christlicher Fundamentalist präsentiert. Glauben Sie, das wird sich auswirken auf das Bild, dass die Menschen von der Kirche haben?

Bischof Eidsvig: Nein, ich glaube und ich weiß, dass die Menschen hier ein ganz anderes Bild von der Kirche haben. Man kann natürlich Kirche für eigene Zwecke verwenden, und das hat der Amokläufer versucht. Aber unser Glaube äußert sich nicht auf solche Weise. Es gibt auch Fundamentalisten, die ordentliche Leute sind, moralisch gesehen. Hier muss man mit den Begriffen sehr vorsichtig umgehen.



domradio.de: Wird Norwegen ein anderes Land werden?

Bischof Eidsvig: Es wird sich sicher etwas ändern, z.B. in Bezug auf Sicherheitsmaßnahmen. Bis jetzt konnte ich mich z.B. einfach ins Auto setzen und zum Premierminister oder zum König fahren. Das wird künftig wohl nicht mehr gehen. Auf der anderen Seite: Wir bleiben ja Norweger und so wie der Geist dieses Landes immer war, das hat mit Zugänglichkeit zu tun, und ich glaube die bleibt.