03.07.2011

Holocaust-Leugner Williamson will offenbar vor Gericht erscheinen Eine Last für die Kirche

Vor dem Landgericht Regensburg beginnt die Berufungsverhandlung gegen Traditionalistenbischof Richard Williamson. Anders als beim ersten Prozess im April 2010, bei dem er in Abwesenheit wegen Volksverhetzung zu einer Geldstrafe von 10.000 Euro verurteilt wurde, könnte der Bischof der Piusbruderschaft dieses Mal persönlich vor Gericht erscheinen.

Von seiner Holocaust-Leugnung hat sich Williamson nie distanziert, doch er ist auf der Hut: Er wisse, dass er bei einer Wiederholung seiner Aussagen vor einem deutschen Gericht "riskieren würde, sofort ins Gefängnis geworfen zu werden", schrieb er vor einer Woche in seiner E-Mail-Kolumne. "Doch wenn ich es vermeiden kann, möchte ich lieber nicht mit Fesseln geschmückt werden."

Williamson befinde sich wegen der Berufungsverhandlung derzeit in Deutschland, teilte der Herausgeber der Kolumne am Wochenende mit und rief zum Gebet für den Bischof auf. Die Texte Williamsons werden regelmäßig als E-mail an Abonnenten verschickt.

Williamson hatte im November 2008 im oberpfälzischen Zaitzkofen einem schwedischen Fernsehteam ein Interview gegeben, in dem er die Existenz von Gaskammern zur NS-Zeit bestritt. Auch seien nicht sechs Millionen Juden, sondern 200.000 bis 300.000 von den Nazis ermordet worden. Das Strafgesetzbuch sieht bei Leugnung oder Verharmlosung der Verbrechen der Nationalsozialisten eine Geldstrafe oder eine Freiheitsstrafe von bis zu fünf Jahren vor.

Piusbruderschaft drohte mit Rauswurf
Die Verteidigung hatte in erster Instanz auf Freispruch plädiert, weil Williamson davon ausgegangen sei, dass sein Interview ausschließlich in Schweden veröffentlich werde. Die Staatsanwaltschaft verlangte eine höhere Geldstrafe. Beide Seiten legten Rechtsmittel gegen das Urteil ein. Schon in erster Instanz hatte Williamson eigentlich persönlich am Prozess teilnehmen wollen, die Priesterbruderschaft verbot ihm aber einen Auftritt.

Der Bischof war von der Piusbruderschaft nach dem Sturm der Entrüstung über die Holocaust-Leugnung seiner Ämter enthoben worden und lebt seither in London. Für die Bruderschaft, die am Samstag in Zaitzkofen einmal mehr gegen den Willen der katholischen Kirche Priesterweihen vornahm, ist der Wirbel um ihren Bischof weiterhin ein Ärgernis.

Schon mehrfach drohte der Generalobere, Bischof Bernard Fellay, seinem Mitbruder mit Rauswurf - zuletzt im Herbst, als Williamson einen rechtsextremen Anwalt engagierte. Der Brite verzichtete daraufhin auf eine weitere Zusammenarbeit mit dem Neonazi. Und er stellte kürzlich klar, dass er seine Verteidigung vor Gericht nicht auf der Frage aufbauen wolle, "was in der umstrittensten Zeit der jüngeren deutschen Geschichte tatsächlich oder nicht passiert ist".

Eine Last für die Kirche
Doch auch für die katholische Kirche bleibt Williamson, dessen Exkommunikation Papst Benedikt XVI. im Januar 2009 aufgehoben hatte, eine Last. Der Papst selbst betonte in seinem Interviewbuch "Licht der Welt", dass er den Briten nicht begnadigt hätte, wenn er von der Holocaust-Leugnung gewusst hätte: "Leider hat niemand bei uns im Internet nachgeschaut und wahrgenommen, um wen es sich hier handelt."

So muss Benedikt mit dem Schatten Williamsons leben. Der Prozess in erster Instanz fand just am 83. Geburtstag des Kirchenoberhaupts statt, die Berufungsverhandlung fällt in die Tage der Feierlichkeiten zum 60. Priesterjubiläum Benedikts: Während der Fall Williamson in Regensburg verhandelt wird, eröffnet der Papst im Vatikan eine Kunstausstellung zum Jubiläum.

Williamson selbst lässt wenig Dankbarkeit für die Begnadigung durch Benedikt XVI. erkennen. Kürzlich kündigte er an, in einer Serie von vier Kolumnen aufzeigen zu wollen, "wie verwirrt das Denken des jetzigen Papstes" in Glaubensfragen sei.

Petr Jerabek

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