11.06.2011

Christen in Syrien in Angst Warnung vor "blutigem Ramadan"

Treibt die Spirale der Gewalt in Syrien einen Keil in das bisher friedliche Zusammenleben der Religionen? Genau das fürchten der Vatikan und Kirchenvertreter. Wie schon zuvor der Nahostexperte Otmar Oehring gegenüber domradio.de warnen sie vor Gewalt gegen Christen im Land.

Die christliche Minderheit spüre, dass sie sich auf Messers Schneide bewegt, berichtete der Apostolische Nuntius in Syrien, Erzbischof Mario Zenari, am Wochenende im Interview mit "Radio Vatikan". Er beobachte eine zunehmende Sorge unter den Christen; "die Angst um ihre Zukunft nimmt von Monat zu Monat zu".

Syrien sei immer ein Modell des friedlichen Zusammenlebens verschiedener Religionen gewesen, hob Zenari hervor. Doch inzwischen spürten viele Christen, "dass diese Atmosphäre durch die jüngsten Ereignisse kippt". Es wäre schrecklich, wenn der Dialog und die guten Beziehungen der Religionen beschädigt würden. Viele Syrer, darunter auch Christen, seien bereits vor der Gewalt in die Türkei und in den Libanon geflohen.

Der Nuntius beklagte, dass er viele Christen im Land nicht mehr erreichen könne. Dies sei jedoch eine der wichtigsten Aufgaben eines päpstlichen Vertreters. Bis vor wenigen Monaten habe er die kleinen und im Land verstreuten Gemeinschaften noch besuchen können. Heute aber, so Zenari, "muss man vorsichtig sein, kann sich nicht mehr frei bewegen und einige Orte nicht mehr besuchen".

Hunderte Tote
Der islamische Fastenmonat droht sich nach den Worten des Vatikan-Diplomaten in Syrien "mehr und mehr in einen blutigen Ramadan zu verwandeln". Die Opposition, der überwiegend sunnitische Muslime angehören, hat weitere Demonstrationen gegen das Regime in Damaskus angekündigt. Ob und in welchem Ausmaß sich auch Christen an den Kundgebungen beteiligen, ist nicht bekannt.

Wie zuvor bereits Papst Benedikt XVI. appellierte Zenari an alle Verantwortlichen im Land, das Blutergießen umgehend zu beenden. Seit Beginn der Proteste in Syrien haben die Sicherheitskräfte nach Angaben von Menschenrechtlern mindestens 1.600 Zivilisten getötet und mehr als 12.000 Regierungsgegner festgenommen.

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