Chefredakteur Ingo Brüggenjürgen
Chefredakteur Ingo Brüggenjürgen

05.06.2011

Ein Fazit zum Kirchentag Alternativlos in Dresden - und Mannheim

Mit einem Festgottesdienst auf den Elbwiesen ist am Sonntag der 33. Deutsche Evangelische Kirchentag in Dresden zu Ende gegangen. Ein Fazit von domradio.de-Chefredakteur Ingo Brüggenjürgen.

Alternativlos ist seit einiger Zeit eine der Lieblingsvokabeln unsere Bundeskanzlerin: Brückentechnologie - alternativlos, Bankenrettungsfond - alternativlos, EU-Rettungsschirm - alternativlos … Alternativlos duldet keinen Widerspruch! Beim jetzt zu Ende gehenden 33. Evangelischen Kirchentag wurde an vielen Ecken und Enden heftig widersprochen, leidenschaftlich diskutiert, innig gebetet und kräftig gefeiert. Keinen Widerspruch gab es aber immer dort, wo die Ökumene zur Sprache kam: "Alternativlos - Ökumene" hieß denn auch die Großveranstaltung im Festsaal des Kulturpalastes, wo kurz vor dem Ende des Kirchentages allen voran der Vorsitzende des Rates der Evangelischen Kirche, Präses Nikolaus Schneider, und der Vorsitzende der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Erzbischof Robert Zollitsch, gemeinsam mit anderen um die Hoffnung für Kirche und Gesellschaft rangen. Kein einfacher Weg - aber wenn Gott nun mal will, dass seine Christen alle eins sind, damit die Welt glaubt - können und wollen auch die obersten Kirchenmänner nicht widersprechen. Wenn sie nur wüssten, wie sie die Wunschlisten der christlichen Basis möglichst schnell und erfolgreich abarbeiten könnten? Von der konfessionsverschiedenen Ehe bis hin zum gemeinsamen Abendmahl finden sich viele schwierige Punkte auf dieser langen Liste.

Aber in Dresden ging nicht nur die Basis mutig auf dem Weg der Einheit der Christen voran. Der katholische Bischof von Dresden-Meißen Joachim Reinelt rief in seiner Predigt im Rudolf-Habig-Stadion beim großen ökumenischen Gottesdienst dazu auf, die Gemeinsamkeiten zu genießen und weiter mutig voranzuschreiten. Die Ökumene brauche keine Schonzeit - ganz im Gegenteil: Reinelt zeigte sich zuversichtlich: "Ich bin überzeugt, mit Gottes Hilfe werden wir weiter Ziele erreichen!", rief er in den zustimmenden Applaus der Gläubigen hinein. Gut 20 Prozent der Teilnehmer beim Evangelischen Kirchentag waren katholisch. "Wir Christen gehören doch zusammen!", so zog eine alte Dresdnerin vor der Frauenkirche ihr ganz persönliches Resümee und erinnerte daran, dass man in DDR-Zeiten in der Minderheit immer schon zusammen gehalten habe.

Aber nicht nur in Sachen Ökumene hatten die Veranstalter mit der Auswahl des Tagungsortes Dresden einen echten Glücksgriff gelandet. Wer die gesellschaftlichen Herausforderungen der Zukunft erfolgreich anpacken will, darf ruhig auf diese Stadt an der Elbe schauen. Immer im Mittelpunkt dabei: Die prächtig wieder aufgebaute Frauenkirche - das Besuchermagnet des Kirchentages schlechthin. Vom frühen Morgenlob in aller Herrgottsfrühe um 6 Uhr, bis zum Nachtgebet in der Unterkirche kurz vor Mitternacht - immer wieder standen die Ordner vor den Kirchentüren und hielt ihre großen Pappschildern nach oben: "Kirche überfüllt!"

In Dresden erlebten die Christen, was ein verheißenes "Leben in Fülle" bedeuten kann: Selbst überfüllte Züge bei der An- und Abreise, überfüllte Straßenbahnen und Busse und überfüllte Kirchen und Plätze konnten die Freude an Gott und die Freude am Glauben nicht trüben! Wer in Dresden dabei war, kann im Glauben gestärkt heimfahren: Kinder, die von ihren Eltern von Kindesbeinen an die Kirche herangeführt wurden, Jugendliche, die erstmalig ohne ihre Eltern ihre Lebensfreude im Glauben austobten, Erwachsene, die um den rechten Glaubensweg in der Gesellschaft rangen oder Alte, die aus der Fülle ihres Lebens glaubwürdig Zeugnis ablegten. Sie alle haben in Dresden warme, helle und sonnige Tage geschenkt bekommen, die in guter Erinnerung bleiben werden. Aber für die über 120.000 Besucher, übrigens viel mehr, als ursprünglich einmal erwartet, und für die Dresdener Bürger war es nicht nur ein Fest der Begegnung in Freude, Friede und Eierkuchen-Stimmung. Viele anstehende gesellschaftliche Fragen wurden leidenschaftlich und aus großer christlicher Verantwortung heraus diskutiert: Von der Bewahrung der Schöpfung und Energie der Zukunft, über die soziale Gerechtigkeit bis hin zu den Herausforderungen der Bioethik gingen die Debatten. Neben der alternativlosen Ökumene kam in Dresden besonders die Frage um Krieg und Frieden zur Sprache. Ex-Bischöfin Margot Käsmann, immer noch unangefochtener Publikumsliebling, für die auch ohne offizielles Amt in der EKD jede Halle zu klein ist, erinnerte noch einmal daran, dass in Afghanistan nicht viel Gutes läuft. Die Frage ob Christen aus Waffengeschäften wirklich Profit schlagen dürfen, schmerzt vermutlich nicht nur die erfolgreiche deutsche Rüstungsindustrie. Ins Mark getroffen fühlte sich auch der neue Bundesminister der Verteidigung Thomas de Maizére, der es gut christlich fand, dass Christen bei himmelschreiendem Unrecht und bei Gewalt nicht einfach tatenlos zusehen, sondern militärisch eingreifen und für den Frieden beten! "Beten alleine reicht aber nicht!", konterte Präses Schneider und machte damit deutlich, dass die Frage des richtigen christlichen Friedensdienstes nach wie vor für Sprengstoff sorgt.

Da freut man sich denn doch, dass wenigstens die Ökumene "alternativlos" ist. Erzbischof Robert Zollitsch hat dementsprechend alle Brüder und Schwestern im Glauben schon einmal zum Katholikentag im nächsten Jahr nach Mannheim eingeladen - zu einem neuen Fest des Glaubens. Die Christen, die in Dresden dabei waren, haben die Latte sehr hoch gelegt. Glaube, der glaubwürdig ist, Liebe, die sich liebevoll verschenkt und Hoffung, die neue Hoffnung schenkt war 2011 in Dresden immer mit dabei. Aber in der Freude ihres Glaubens lassen sich Christen auf ihrem alternativlosen ökumenischen Weg natürlich gerne übertreffen. Also dann: Auf Wiedersehen in Mannheim 2012!

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