26.05.2011

Persönlicher Glaube ist vielen Katholiken wichtiger als Lehrmeinung Fatales Ergebnis für Institution Kirche

Jeder dritte Katholik räumt dem eigenen Gewissen eine größere Bedeutung ein als dem kirchlichen Lehramt. Das ist ein Ergebnis einer Studie der Thomas-Morus-Akademie. Der Prozess der Entfremdung von der Kirche sei schleichend, warnt Studienmacher Wolfgang Isenberg im domradio.de-Interview.

domradio.de: Was genau ist damit gemeint: Das kirchliche Lehramt ist den Menschen nicht mehr so wichtig.
Wolfgang Isenberg: Das steht im Kontext mit einer anderen Fragestellung, wir wollten eigentlich wissen, wie Menschen auf die Affären in der katholischen Kirche in der letzten Zeit reagiert haben. Und dabei kam heraus, dass etwa 3,6 Prozent aufgrund dieser Skandale gern austreten möchten. Und 30 Prozent sagten dann: Uns ist eigentlich unser persönlicher Glaube wichtiger als das, was Papst und Bischöfe sagen. In diesem Zusammenhang muss man dieses Statement sehen. Also das heißt, dass es auf der einen Seite ein sehr hohes Potenzial in der Kirche gibt, die aus ihrem persönlichen Glauben heraus leben wollen. Das ist eine ganz wichtige Erkenntnis dieser Studie. Dem gegenüber steht ja auch ein etwas kleiner Anteil, der sagt: Also trotz aller Skandale ist es eigentlich wichtig, dass es die Angebote der Kirche gibt und ich lasse mich von meiner positiven Haltung überhaupt nicht abbringen. Also müssen wir eigentlich sagen: Es gibt zwei starke Strömungen. Die einen, die für sich davon ausgehen, autonom sein zu wollen, und die anderen, eine etwa gleich große Gruppe, die sich nicht von ihren positiven Ideen abbringen lassen.

domradio.de: Ist das aus Ihrer Sicht eine neue Entwicklung, diese Abkehr von der Institution Kirche hin zum eigenen Glauben?
Isenberg: Das ist eigentlich schon deutlicher zu beobachten. Wir haben jetzt zum ersten Mal klare Zahlen dazu. Das steht auch im Zusammenhang mit einer anderen Studie, die wir erstellt haben, weil wir wissen wollten, welche Rolle spielt der Kirchenbesuch im Urlaub. Und da sagt jeder zweite Bundesbürger, er ginge im Urlaub in die Kirche. Das bedeutet: Wir haben auf der einen Seite ein hohes Interesse an kirchlichen Themen, also am Gebäude Kirche, Kirche als kulturelle Landmarke und mit dem ganzen Geheimnisvollen, was die Kirche ausstrahlt. Auf der anderen Seite aber die starken Berührungsängste zur Institution Kirche.

domradio.de: Jetzt eine Interpretationsfrage: Was bleibt denn der Kirche in Deutschland für eine Rolle, wenn sie bei so vielen Menschen scheinbar kein Gehör mehr findet, sondern es eher so ein Gefühl des Nachhause-Kommens ist, wenn ich in die Kirche als Gebäude trete, und eine allgemeine Hinwendung zum eigenen Glauben herrscht?
Isenberg: Also für die Institution ist das eine große Herausforderung. Man kann es natürlich so betrachten, dass es ein fatales Ergebnis ist. Wir können aber auch hingehen und sagen: Das ist die große Chance, es gibt eine spirituelle Offenheit und die muss eigentlich stärker angesprochen werden. Vielleicht gelingt es ja über diese Form des Interesses an der Architektur und an der Atmosphäre in Kirchen, die Menschen wieder neu anzusprechen und für die Botschaft sensibel zu machen. Das ist der Punkt: Es muss eigentlich ein neuer Ansatzpunkt gewählt werden. Zunächst muss man das so zur Kenntnis nehmen, dass sich die Funktion oder Rolle der Kirchen, der Gebäude in erster Linie auf die ästhetische reduziert.

domradio.de: Bleiben wir einmal bei dem zweiten Anker, der möglich sein könnte als Hinweis für die Institution Kirche, wo man ansetzen könnte, um die Menschen wieder in die Kirchen zu bringen: Es gibt welche, die über einen Kirchenaustritt nachdenken, aber die trotzdem die soziale Arbeit oder grundsätzlich die Arbeit der katholischen Kirche wertschätzen. Gibt es da Details zu? Was genau wird da geschätzt?
Isenberg: Das haben wir im Einzelnen nicht nachgefragt. In der Studie ging es nur um die Einstellung zur Kirche, inwieweit da eine positive Einstellung herrscht. Wir können zwar sagen, dass es in erster Linie Frauen sind, die diese positive Haltung haben. Dass es in erster Linie auch ältere Menschen sind, die sagen: Ich lasse mich von meiner positiven Haltung zur Kirche nicht abbringen. Das lässt sich schon sagen. Aber was weitere tiefergehende Punkte angeht, da müssten wir jetzt spekulieren.

domradio.de: Das wollen wir nicht tun. Aber die Frage: Was passiert jetzt mit dieser Studie. Das sind ja interessante Ergebnisse, die nicht nur hier im domradio Gehör finden sollten, sondern auch anderswo.
Isenberg: Wir haben jetzt mehrere Schritte vor: Wir werden die Ergebnisse noch mal publizieren, also in schriftlicher Form, und es werden im Laufe des Jahres verschiedene Veranstaltungen stattfinden, bei denen wir die Erkenntnisse auch in einem kirchlichen Kontext vorstellen werden und auch darüber reden, wie sich hier ansetzen lässt und ob darin nicht auch eine neue Chance zur Ansprache von Menschen zum Thema Kirche liegt. Weil letzten Endes die anderen Erkenntnisse, die wir gewonnen haben, ein Interesse an dem kulturellen Schatz der Kirche zeigen. Und der muss nur erschlossen werden.

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