19.05.2011

Jugendverband führt "Thesenanschlag" zu Kirchenreformen durch Frei nach Luther

Der Bund der Katholischen Jugend sieht Reformbedarf in der Kirche. Wie Martin Luther seine 95 Thesen an die Tür der Schlosskirche zu Wittenberg genagelt haben soll, hat nun auch der BDKJ Änderungswünsche an die Tür des Altenberger Doms geschlagen. Eine Kirchenspaltung sei aber nicht geplant, betonte im Vorfeld der BDKJ-Vorsitzende Dirk Tänzler im domradio.de-Interview.

domradio.de: Der Thesenanschlag Luthers war seinerzeit der Beginn der Reformation und führte in die Kirchenspaltung. Hat der BDKJ mit dem für Freitag geplanten Thesenanschlag ähnliche Ziele?
Dirk Tänzler: Nein, absolut nicht, absolut keine Kirchenspaltung, die wir vorhaben. Wir wollen deutlich machen, dass junge Christinnen und Christen aus Sorge und Liebe zur Kirche sich Gedanken machen, wie Kirche für morgen aussehen muss. Es geht einfach darum, dass wir mit dieser Altenberger Streitschrift, mit der Diskussion im Rahmen der Hauptversammlung, die ein Part des Thesenanschlags ist, den Weg bereiten wollen, welche Ziele und welche Visionen wir für Kirche haben wollen. Diese  Thesen, die wir da am Freitagabend publizieren, werden nicht unbedingt am Samstag oder am Sonntag das Ergebnis sein. Wir sind keine Partei, die mit einem fertigen Beschluss in eine Vollversammlung hineingeht, den alle "abnicken". Wir machen Dialog und leben dies und wir werden darüber diskutieren und wir sind selbst gespannt, was dann am Sonntag zum Ende der Hauptversammlung herauskommen wird.  #00:01:41-7#

domradio.de: Gibt es denn unter den 14 Thesen welche, die ganz besonders wichtig sind für die Jugend?
Tänzler: Die ganz entscheidende Frage ist, wie können wir mehr Demokratie in Kirche wagen, wie können wir mehr Frauen in Leitungs- und Weiheämtern beteiligen. Da merken wir einfach, wie wir es im Jugendverband leben: Frauen werden hier zur geistlichen Leiterin gewählt. Männer, nicht unbedingt nur geweihte Männer, werden zum geistlichen Leiter gewählt. Wir werden Demokratie erleben innerhalb der Jugendverbandsarbeit. So wollen wir zeigen, dass, was wir in unseren Jugendverbänden können, warum soll das nicht in Kirche allgemein gültig sein? Warum können wir das nicht auch mal als gutes Beispiel vorangeben, wie Kirche sich auch aufbauen kann.  

domradio.de: Auf der heute beginnenden Versammlung wird auch der Bundesvorstand gewählt - sie stehen zur Wiederwahl als Bundesvorsitzender und sind, wenn ich das hier sagen darf, 42 Jahre alt - kann man mit 42 noch die Jugend repräsentieren?
Tänzler:  Ja, sicher. Ich werde in einem demokratischen Verfahren gewählt. Ich glaube, dass biologische Alter ist da in der Tat nicht das ausschlaggebende. Ich habe Kontakt zu jungen Menschen. Ich brauche den Kontakt zu jungen Menschen  und ich kann auch damit umgehen, dass man mir sagt, Du bist jetzt  42 und kannst aus deinem biologischen Alter heraus nicht mehr Jugend vertreten. Für mich ist es ganz wichtig, dass wir das in einem demokratischen Verfahren machen. Ich bin vorher durchs Land gereist und habe mich angeboten. Man hat mir zurückgemeldet, ja, wir wollen das mit Dir weiter überlegen. Die Wahl ist erst am Samstag, warten wir das Ergebnis ab, aber zumindest sind die Rückmeldungen so, dass man mir das zutraut, dass man mir vertraut und dass ich mich für die Interessen von Kindern und Jugendlichen und jungen Erwachsenen in der katholischen Kirche in Deutschland noch einsetzen kann.

domradio.de: Wie alt fühlen Sie sich denn?
Tänzler: Ich fühle mich noch durchaus jünger. Ich kann jetzt nicht sagen, ob ich mich 30 oder 35 Jahre alt fühle… Aber ich bin noch agil, ich bin noch fit, ich bin noch dabei. Ich glaube, dass macht ein gut Stück die katholische Jugendverbandsarbeit aus, die mich geprägt hat in meinen Jahren, dass ich noch weiß wie junge Menschen leben, wie sie ticken und das macht mich fit.

domradio.de: Wenn Sie jetzt wiedergewählt werden, für welche Reformen würden Sie sich denn ganz besonders einsetzen?
Tänzler: Ich glaube, eine der Kernfragen wird sein, wie können wir Frauen in der katholischen Kirche zu weiteren Ämtern befähigen oder zulassen. Das wird eine der Kernfragen sein. Ich bin gespannt und hoffe auf den Dialogprozess, den die deutschen Bischöfe auch gestartet haben, dass wir solche Fragen auch mal angstfrei diskutieren können und uns gegenseitig Argumente liefern können und uns darum im guten Sinne streiten können, wie wir diese Zukunft der Kirche auch gestalten.    

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