17.05.2011

Hans Maiers Ausladung in Regensburg verweist auf alte Wunden Tiefes Zerwürfnis

Während Ende vergangener Woche das ZdK in Erfurt tagte, machte ein ehemaliger Präsident der katholischen Laien Schlagzeilen: Hans Maier darf nicht in Räumen des Bistums Regensburg sein neues Buch vorstellen, hieß es. Dabei war der bald 80-Jährige lange mit Joseph Ratzinger, dem heutigen Papst Benedikt XVI., befreundet.

Um Hans Maier war es eher ruhig geworden. Nach seinem noch von Franz Josef Strauß erzwungenen Abschied aus der Politik setzte der frühere bayerische Kultusminister seit 1986 seine Wissenschaftlerlaufbahn fort: Hörsäle, Kongresse und Akademien waren seine Bühne. In den Massenmedien trat der langjährige Präsident des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK) ab und an mit Kommentaren zur Lage der Kirche in Erscheinung. Eher unfreiwillig haben ihm nun seine kürzlich veröffentlichten Memoiren Schlagzeilen beschert.

Der Regensburger Bischof Gerhard Ludwig Müller untersagte Maier, in Regensburger Kirchenräumen aus seiner Autobiografie zu lesen. Begründung: Der Einsatz des Politikwissenschaftlers für das gesetzliche deutsche Beratungssystem in Schwangerschaftskonflikten, ein System, "das dem gewaltsamen Tod Ungeborener die Türen öffnet", wie der Bischof mitteilen ließ.

Seit 1999 reden die beiden nicht mehr miteinander
Die Schärfe im Tonfall erinnert an eine Konfrontation zwischen dem deutschen Verbandskatholizismus und der Kirchenleitung in Rom Ende der 1990er Jahre. Das Ringen um den richtigen Umgang der Kirche mit der Schwangerenberatung innerhalb eines weitgehend liberalisierten Rechtssystems führte die deutschen Katholiken in eine schwere Zerreißprobe. Dabei wurden Wunden geschlagen, die bis heute kaum verheilt sind.

An Maiers Biografie lässt sich das ablesen. In seinen Erinnerungen schildert er seitenweise, wie er sich wegen dieser Frage mit Joseph Ratzinger, damals noch Präfekt der Glaubenskongregation, überwarf.  Seit 1999 haben die beiden nicht mehr miteinander geredet, auch keine Briefe mehr gewechselt, dabei waren sie einmal befreundet.

Gemeinsam fochten der Theologieprofessor und der konservative Kultusminister vor 40 Jahren gegen die 68er-Revolte. Man schrieb 1970 ein Buch über "Demokratie in der Kirche", ihre "Möglichkeiten, Grenzen, Gefahren", so der skeptische Untertitel. Man brachte gemeinsam die Zeitschrift "Communio" auf den Weg, als publizistisches Gegengewicht zu "Concilium", dem Sprachrohr der vom Zweiten Vatikanischen Konzil begeisterten Kirchenreformer. Es waren engagierte katholische Laien wie Maier, vornehmlich Unionspolitiker, die Ende der 1990er Jahre in einer schwierigen Gewissensfrage einen deutschen Sonderweg gegen Rom einschlugen. Nachdem Papst Johannes Paul II. die deutschen Bischöfe ultimativ zum Ausstieg aus dem gesetzlichen Schwangerschaftskonfliktberatungssystem aufgefordert hatte, gründeten sie den Verein "Donum Vitae" (Geschenk des Lebens), der nach der Beratung auch den Schein ausstellt, der den Weg zu einer straffreien Abtreibung eröffnet.

Hoffnung auf ein neues Treffen?
Es war ein Schritt, der bis heute in römischen Kirchenkreisen als die "Erbsünde des deutschen Katholizismus" angesehen wird. Umgekehrt meinten gerade Unionspolitiker wie Maier, sie seien moralisch dazu gehalten, ihren - von deutschen Bischöfen zunächst unterstützten - Einsatz gegen eine bloße Fristenlösung und für eine Beratungspflicht beim Schwangerschaftsabbruch fortzusetzen. Sie glauben bis heute, dass katholische Beraterinnen auch im staatlichen System Abtreibungen verhindern können und dass sie diese Möglichkeit nutzen müssen.

In Maiers Buch klingt die Enttäuschung über Ratzingers Verhalten nach. Doch im selben Kapitel würdigt der Autor die Bemühungen des Papstes um die Ökumene. Man spürt, hier will einer auf seine alten Tage einem langjährigen Weggefährten umfassend gerecht werden.

Am 18. Juni wird der Münchner katholische Intellektuelle mit badischen Wurzeln 80 Jahre alt. Wer ihn in seinem Professorenhaus mit dem Bechstein-Flügel im Treppenhaus besucht, merkt ihm an, dass ihn der Bruch mit Ratzinger immer noch schmerzt. Nicht, dass er seine Haltung in der Sache geändert hätte. Aber ihm noch einmal begegnen - vielleicht gar ausführlich mit ihm sprechen können, dieser Wunsch liegt in der Luft. Am 24. September kommt Benedikt XVI. in Maiers Heimatstadt Freiburg.  

Christoph Renzikowski

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