08.05.2011

Menschenrechtler fordern Schutz von Kopten in Ägypten "Flagge zeigen"

Nach der Gewalt vom Wochenende fordern Menschenrechtler mehr Einsatz für den Schutz der koptischen Christen in Ägypten. Auch unter der Übergangsregierung nach dem Sturz des Regimes Mubarak bleibe die Situation gefährlich, sagt im Interview mit domradio.de Kamal Sido von der Gesellschaft für bedrohte Völker. Den Westen fordert er zum Handeln auf.

domradio.de: Wie gefährlich leben die Kopten nach dem Sturz von Präsident Mubarak?
Sido: Die Kopten in Ägypten leben in einer sehr gefährlichen Situation. Das ist immer so in Übergangsphasen. Vor dem Sturz von Mubarak haben sich die Kopten aktiv an der Demokratiebewegung beteiligt. Sie erhofften sich eine Verbesserung ihrer Situation. Aber nach dem Sturz Mubaraks sehen wir: Es kommt wieder zu Anschlägen auf Kopten, sowohl in Oberägypten als auch in Kairo. Die neue provisorische, von der Regierung unterstützte muss jetzt beweisen, dass sie wirklich die Täter, die islamistischen Fundamentalisten, die Terroristen bestraft, die immer wieder Anschläge auf Kopten verüben.

domradio.de: Wie glaubhaft sind die Beteuerungen der neuen Regierung, dass die Täter verfolgt und neue Unruhen verhindert werden sollen?
Sido: Wir erwarten jetzt, dass diesen Versprechungen Taten folgen. Sonst, vermuten wir, wird nach dem gleichen alten Muster des Regimes Mubarak gehandelt, das die Angreifer nicht vor Gericht stellte. Jetzt sagt die Regierung, dass sie 190 Täter festgenommen hat. Darunter sind viele Kopten. Deswegen sind diese Beteuerungen für uns nicht glaubhaft.

domradio.de: Vor dem Sturz des alten Regimes haben Christen und Muslime gemeinsam für mehr Selbstbestimmung in Ägypten demonstriert. Gibt es diese Verständigung zwischen den beiden Religionen inzwischen nicht mehr in dem Land?
Sido: Die Mehrheit - die demokratisch denkenden Muslime - müssen Flagge zeigen und die provisorische Regierung auffordern, die Täter zu bestrafen. Wir haben immer wieder das Problem der Straflosigkeit für die Täter. Wenn die Brandstifter nicht vor Gericht gestellt werden, wird es immer wieder zu Gewalt kommen. Jetzt müssen wir - auch die Bundesrepublik Deutschland, die EU - der Armeeführung der Regierung klar machen: Wir kümmern uns um die Kopten, wir machen uns Sorgen.

domradio.de: Wen vermuten Sie hinter den Unruhen. Tatsächlich Salafisten, also islamistische Fanatiker oder doch Anhänger des alten Regimes, die Ägypten destabilisieren wollen?
Sido: Wir vermuten sowohl die Salafisten, die übrigens vom alten Regime unterstützt wurden, um den liberalen Flügel der Moslembruderschaft zu bekämpfen. Aber auch Teile des alten Regimes, die Privilegien verloren haben, die versuchen wieder zur Macht zu kommen.

domradio.de: In Europa gibt es eine weitreichende Religionsfreiheit - was können denn Länder wie Deutschland tun, um diese Freiheit auch in einem Land wie Ägypten zu unterstützen?
Sido: Das Problem europäischer Regierungen ist, dass sie nicht mit einer klaren Sprache mit den Regierungen der arabischen Welt sprechen. Es werden Höflichkeiten ausgetauscht - das muss beendet werden. Der Westen muss eine sehr klare Sprache sprechen und sagen: Wir wollen den Schutz der Minderheiten, vor allem den der Christen in Euren Ländern sehen, sonst werden wir weder wirtschaftlich noch politisch mit Euch zusammenarbeiten. Das muss gesagt werden. Aber auch die Muslime in Deutschland müssen Flagge zeigen und für den Schutz der Kopten in Ägypten einzutreten.

Das Gespräch führte Christian Schlegel.

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