02.05.2011

Johannes Paul II. ist jetzt offiziell seliggesprochen "Mit der Kraft eines Riesen"

Er wurde nicht "santo subito" (sofort heilig) - aber in einer Rekordzeit von gerade sechs Jahren selig. Mit einer Festmesse mit mehr als einer Million Teilnehmern hat Papst Benedikt XVI. am Sonntag auf dem Petersplatz seinen Vorgänger Johannes Paul II. offiziell ins Album der Seligen eingetragen. Der "geliebte Vorgänger", der mit der "Kraft eines Riesen" für Glauben und Kirche eingetreten sei, könne jetzt verehrt und um Fürsprache angerufen werden.

Zu seinem liturgischen Festtag bestimmte er den 22. Oktober, den Tag, an dem Karol Wojtyla 1978 sein Dienstamt antrat, das er über 26 Jahre lang für die Kirche ausübte.

Es war ein riesiges Fest mit einer unüberschaubaren, friedlichen Menschenmenge - die größte in Rom seit der Totenmesse für Johannes Paul II. am 8. April 2005. Auch das Wetter schlug nach dem Regen vom Vortag um: Rechtzeitig zur Messe kam die Sonne durch. Der Applaus wollte nicht enden, als Benedikt XVI. die Seligsprechungsformel sprach; als das Bild mit dem freundlich entschlossenen Gesicht des neuen Seligen an der Fassade des Petersdoms enthüllt wurde; und als die Blutreliquie von seiner früherer Krankenschwester und Haushälterin Tobiana gemeinsam mit der wundersam geheilten französischen Ordensfrau Marie Simon-Pierre Normand zum Altar getragen wurde. Minutenlang waren der Petersplatz und die anschließenden Plätze in ein Meer von Fahnen gehüllt, vor allem in den polnischen Farben rot-weiß. Viele hatten Tränen in den Augen.

Sichtlich bewegt würdigte Benedikt XVI. seinen Vorgänger - den er möglichst rasch und mit gründlichem Verfahren zum Seligen erklären wollte. Der Papst aus Polen habe sich für die Weltkirche eingesetzt, habe Gesellschaft, Kultur, Politik und Wirtschaft für Christus geöffnet, führte Benedikt XVI. aus. Er habe die Auseinandersetzung mit dem Marxismus und der Fortschrittsideologie geführt; die Kirche ins dritte Jahrtausend geführt und ihr eine neue Orientierung auf die Zukunft hin gegeben.

Er selbst habe Johannes Paul II. in ihrer langen Zusammenarbeit "immer mehr geschätzt", gestand Benedikt XVI. Auch in seinem langen Leiden sei der neue Selige stets der "Fels" geblieben und habe der Welt damit "eine noch beredtere Botschaft" gegeben. Er blickte zurück auf die Totenmesse, bei der er selbst die Predigt gehalten hatte. "Groß war der Schmerz über den Verlust, aber noch größer war die Erfahrung einer unendlichen Gnade." Schon an jenem Tag habe man "den Duft seiner Heiligkeit" gespürt. Selig sei Johannes Paul II. vor allem durch sein Glaubenszeugnis, unterstrich der Papst - und also nicht wegen mutiger Gesten oder diplomatischer Erfolge.

Benedikt XVI. feierte die Messe mit den Kardinälen und mit den beiden langjährigen Privatsekretären des neuen Seligen: Stanislaw Dziwisz, heute Kardinal in Krakau, und Mieczyslaw Mokrzycki, Erzbischof von Lviv (Lemberg). Bei der Messe trug der Papst Messgewand und Mitra seines Vorgängers und benutzte dessen Messkelch.

Auch die internationale Staatengemeinschaft erwies dem Papst aus Polen Reverenz. 85 offizielle Delegationen waren vertreten: Staatsoberhäupter, Könige, Regierungschefs und Minister aus aller Welt waren angereist - was strenge Sicherheitsmaßnahmen erforderlich machte. Manche Länder ließen sich offiziell durch ihre Botschaft vertreten. Für Deutschland nahm Innenminister Hans-Peter Friedrich (CSU) teil. Für die europäischen Institutionen waren der Präsident des Europäischen Rates, Herman Van Rompuy, Europaparlamentspräsident Jerzy Buzek und EU-Kommissionspräsident Jose Manuel Baroso anwesend. Für Überraschung sorgte die Anreise des international geächteten Staatspräsidenten Simbabwes Robert Mugabe.

Anders als bei der Totenmesse tauchten bei der Seligsprechung keine Spruchbänder "santo subito" auf. Jedoch soll der Prozess weitergehen, um den polnischen Papst nicht nur zur Ehre der Altäre in Rom und in Polen, sondern zum Heiligen für die Weltkirche zu erheben. Die Chancen dafür stünden gut, heißt es im Vatikan; aber auch dieser Prozessteil müsse streng nach den Normen erfolgen.

Johannes Schidelko

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