29.03.2011

Vor 100 Jahren wurde Freya von Moltke geboren Weltbürgerin auf drei Kontinenten

Heute vor 100 Jahren wurde Freya von Moltke in Köln geboren. Ein ganzes Jahrhundert hat sie erlebt und mitgestaltet. Zusammen mit ihrem Mann, Helmuth James von Moltke, hat sie im Kreisauer Kreis, mit Menschen wie Jesuitenpater Alfred Delp, Widerstand gegen Hitler geleistet. Köln gedenkt ihr heute mit einem Gottesdienst.

Man kann beinahe von einem Moltke-Boom sprechen: Gleich mehrere neue Bücher befassen sich mit der Geschichte des mecklenburgischen Adelsgeschlechts, das über Generationen hinweg Einfluss auf Deutschlands Geschicke nahm. Zu diesen Publikationen gehören auch Veröffentlichungen über Helmuth James Graf von Moltke, der einer der führenden Persönlichkeiten des Widerstands gegen Hitler war.

Dass er diesen Weg so konsequent gehen konnte, lag auch an seiner Frau Freya. Der kürzlich veröffentliche Briefwechsel des Paares, die "Abschiedsbriefe Gefängnis Tegel", gilt als literarische Sensation. Zwei Biographien zu Freya sind zudem vor kurzem erschienen. Denn am Dienstag wäre die gebürtige Kölnerin 100 Jahre alt geworden. Mit einem ökumenischen Gottesdienst und einem Festakt gedenkt die Domstadt der Widerstandskämpferin. Festredner ist Bundespräsident Christian Wulff.

Das Vermächtnis des Widerstands lebendig erhalten
Freyas Verdienste reichen weit über 1945 hinaus: Nach dem Krieg hat sie das Vermächtnis des Widerstands lebendig erhalten. Auf dem Gut der Moltkes im schlesischen Kreisau hat sie ein deutsch-polnisches Begegnungszentrum für Jugendliche initiiert. Damit hat die Juristin, die am 1. Januar 2010 im Alter von 98 Jahren im US-Bundesstaat Vermont starb, maßgeblich zur deutsch-polnischen Aussöhnung beigetragen.

Freya Deichmann stammte aus großbürgerlichem Haus: 1911 wurde sie in einer bekannten Kölner Bankiersfamilie geboren. "Ich heiratete als armes Mädchen", scherzte sie später mit Blick darauf, dass der gesamte Besitz des Vaters beim Zusammenbruch der Bank 1931 verloren ging. Reich hat sie sich trotzdem immer gefühlt: reich an Selbstsicherheit und an Weltgewandtheit, für die die europaweiten Kontakte ihrer Familien sorgten.

Ihren Ehemann lernte Freya mit 18 Jahren kennen. Beide studierten Jura; 1931 heiratete das Paar. Einen großen Teil ihres gemeinsamen Lebens lebten die Moltkes in einer Fernbeziehung: Helmuth arbeitete in Berlin, wobei nach der Machtergreifung der Nazis schnell klar war, dass er einem Unrechtsstaat nicht als Richter dienen wollte. Allein eine Spezialisierung auf das Völkerrecht blieb für ihn tragbar.

Der "Kreisauer Kreis"
Als ihre Schwiegermutter 1935 starb, entschied Freya sich, als Gutsherrin nach Kreisau zu gehen. Von dort aus organisierte sie mit ihrem Mann den "Kreisauer Kreis", der Vorstellungen über eine demokratische Gesellschaft nach Ende der NS-Tyrannei entwickelte. Im Januar 1944 wurde Helmuth verhaftet, also noch vor dem Stauffenberg-Attentat vom 20. Juli, in dessen Folge er am 23. Januar
1945 hingerichtet wurde.

Der Briefwechsel aus der Haftzeit zeigt zwei Menschen, die sich in tiefster Not in Gottes Hand fühlten und gleichzeitig politisch dachten. Es sei "der Höhepunkt unseres gemeinsamen Lebens - die schwerste Zeit unseres gemeinsamen Lebens" gewesen, so Freya im Rückblick. Der 34-Jährigen blieben zwei Söhne und 1.600 Briefe, die sie in einem Bienenstock auf dem Gut versteckt hatte.

Freya wurde eine Weltbürgerin auf drei Kontinenten. 1947 emigrierte sie nach Südafrika. Am Kap konnten ihre Kinder eine kleine Erbschaft ihres Großvaters in Empfang nehmen. Freya arbeitete dort als Sozialarbeiterin, betreute Behinderte. Doch die Apartheid war ihr verhasst. 1956 zog die Familie zurück nach Berlin. Dort tippte die Witwe die Briefe ihres Mannes ab, dort wurde sie von Schulen eingeladen, um über den Kreisauer Kreis zu sprechen.

1960 siedelte Freya zu Eugen Rosenstock-Huessy in die USA über. Der 1933 emigrierte Universalgelehrte war ein Lehrer ihres Mannes gewesen. Geheiratet haben die beiden nicht, wie all die Witwen des Widerstands. In den siebziger Jahren fuhr Freya von Moltke erstmals wieder nach Kreisau. Das Gut war inzwischen ein polnischer Staatsbetrieb. "Die Menschen haben mich erkannt und umarmt", freute sie sich. Noch während des Kalten Krieges bildete sich ein Arbeitskreis, um das Gut zu einem Ort der Versöhnung zu machen. 1998 konnte die Internationale Jugendbegegnungsstätte Kreisau eröffnet werden. Das neue Kreisau steht heute für die Idee der Aussöhnung zwischen Polen und Deutschen.

Christoph Arens

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