19.03.2011

Positive Reaktionen aus ganz Europa auf Kruzifixurteil Wegweisendes aus Straßburg

In ganz Europa ist das Kruzifixurteil des Europäischen Menschengerichtshofs überwiegend begrüßt worden. Ungewohnt großes Lob bekam die Regierung Berlusconi für ihre Initiative gegen das vorausgegangene negative Kruzifix-Urteil von Papst Benedikt XVI. domradio.de fasst die Reaktionen zusammen.

Das katholische Kirchenoberhaupt begrüßte den Einspruch Italiens ausdrücklich und warnte wiederholt vor einer Beeinträchtigung der Religionsfreiheit durch eine Verbannung christlicher Symbole aus dem öffentlichen Leben. Eines der markantesten Worte zum Kruzifix-Streit stammt von Kardinalstaatsekretär Tarcisio Bertone: Das Europa des dritten Jahrtausends lasse nur noch die Kürbisköpfe von "Halloween" zu und nehme den Menschen die wertvollsten Symbole weg.

Auch die Deutsche Bischofskonferenz begrüßte die aktuelle Entscheidung. Damit bewiesen die Richter Sensibilität für die Bedeutung des Kreuzes als religiöses und als kulturelles Symbol sowie für unterschiedliche Rechtstraditionen in den einzelnen Staaten, sagte der Bischofskonferenz-Vorsitzende Robert Zollitsch.

Der Rat der Europäischen Bischofskonferenzen sprach von einem "Anzeichen eines gesunden Menschenverstands, der Weisheit und der Freiheit". In einer in Sankt Gallen veröffentlichten Erklärung von CCEE-Präsident Kardinal Peter Erdö heißt es, der bindende Charakter des letztinstanzlichen Urteils habe einen "hohen symbolischen Wert, der weit über die Grenzen Italiens hinausgeht".

Mit der Entscheidung habe die "Stimme des Volkes" gesiegt, sagte Italiens Außenminister Franco Frattini von der Regierungspartei "Volk der Freiheit". Auch Bildungsministerin Mariastella Gelmini äußerte Genugtuung. Kritik kam hingegen von Roms Oberrabbiner Riccardo Di Segni und von den evangelischen Kirchen. Frattini sagte, die Zulassung von Kreuzen in öffentlichen Gebäuden spreche Italien von dem Vorwurf frei, die Meinungs- und Religionsfreiheit zu verletzen. Er hoffe, dass Europa die Religionsfreiheit mit demselben Mut verteidigen werde. Seine Parteikollegin Gelmini sprach von einem "großen Sieg für die Verteidigung eines Symbols, das für die Geschichte und kulturelle Identität unseres Landes unverzichtbar" sei.

Oberrabbiner Di Segni bekräftigte seine Auffassung, dass in öffentlichen Gebäuden keine Symbole angebracht werden sollten, die nur von einem Teil der Bürger geteilt würden, selbst wenn es sich um eine Mehrheit handele. Das Kruzifix als ein nur kulturelles Symbol zu bezeichnen, wie die Regierung es in ihrer Argumentation tat, heiße, "es am Respekt mangeln zu lassen", so der Rabbiner.

Die Föderation evangelischer Kirche in Italien erklärte, Italien habe wieder einmal eine Ausnahme geschaffen, die einem säkularen Staat widerspreche. Für die religiösen Minderheiten erschienen die Kruzifixe als "Erbe einer von der katholischen Kultur dominierten Gesellschaft".  

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