Bischof Friedhelm Hofmann (Bistum Würzburg)
Bischof Friedhelm Hofmann (Bistum Würzburg)

10.03.2011

Bischof Hofmann spricht über die Änderungen im neuen Gotteslob "Ein bereicherndes Buch"

Der Würzburger Bischof Friedhelm Hofmann ist als Vorsitzender der Unterkommission "Gemeinsames Gebet- und Gesangsbuch" in der Deutschen Bischofskonferenz für das neue Gotteslob zuständig. Im Interview spricht er über die geplanten Neuerungen - und den Zeitplan zur Veröffentlichung.

KNA: Herr Bischof, worauf dürfen sich die Katholiken im neuen Gotteslob freuen?
Hofmann: Anders als im bisherigen Werk berücksichtigt das neue Gotteslob Gesänge aller Epochen, also auch Lieder, die aus Gründen des damaligen Zeitgeistes ins aktuellen Gebet- und Gesangbuch nicht aufgenommen wurden. Selbstverständlich ergänzt auch Neues Geistliches Liedgut das künftig zur Verfügung stehende Repertoire, da viele Gemeinden dies wünschten. Völlig neu sind Häusliche Feiern im Kreise von Familien und Freunden, die das gemeinsame Singen und Beten in gewohnter Lebensumgebung bereichern.

KNA: Sind es nur neue Lieder, die das neue Gotteslob ausmachen?
Hofmann: Nein. Die Einführungen in die Sakramente vermitteln in neuer Sprachgestalt nicht nur theologische Grundlagen, sondern geben konkrete Antworten auf wichtige Fragestellungen, etwa was ein Patenamt bedeutet oder welche Aufgabe der Gemeinde bei der Taufe eines Kindes zukommt. Außerdem wird die Vielfalt gottesdienstlicher Feiern abgebildet: So wird die Heilige Messe in lateinischer und deutscher Sprache dargestellt. Auch die Tagzeitenliturgie-Modelle sind inhaltlich vervollständigt und durch alternative Formen wie Morgen- und Abendlob ergänzt worden. Erstmals ist die Wort-Gottes-Feier berücksichtigt und durch katechetische Texte erläutert.

KNA: Das Gotteslob wurde ja schon von Gemeinden getestet. Was konkret wird von den Rückmeldungen dieser Testphase in das neue Gotteslob einfließen?
Hofmann: Ich möchte die mit der Probepublikation gewonnenen Erfahrungen auf keinen Fall missen. Bestätigungen wie Kritik haben das neue Buch noch besser werden lassen. So hat sich etwa gezeigt, dass die in einer ersten Umfrage im Jahr 2003 geforderte Mehrstimmigkeit und Mehrsprachigkeit von Gesängen von den Erprobungsgemeinden kritisch bewertet wurde. Die Liedauswahl wurde daher entsprechend überarbeitet. Erfreulich positive Rückmeldungen zu den katechetischen Texten und zu den neu gestalteten Andachten haben die Unterkommission ermutigt, den eingeschlagenen Weg fortzusetzen. Zudem wurde auf vielfachen Wunsch ein Heiligen- und Namenstagskalender erstellt und den Diözesen zur regionalen Überarbeitung für die jeweiligen Eigenteile anvertraut.

KNA: Immer weniger Katholiken gehen in den Gottesdienst - brauchen sie dann überhaupt noch ein neues Gotteslob?
Hofmann: Jeden Sonntag feiern viermal mehr Katholiken in Deutschland die Heilige Messe als Menschen zu den Fußballspielen in die großen Stadien gehen. Für sie ist das neue Gotteslob vorgesehen. Es soll aber auch ein bereicherndes Buch für das Glaubensleben jedes Einzelnen sein. Das persönliche Gebet in Wort und Gesang begleitet uns - unabhängig von Ort und Zeit - Tag für Tag in unserem Leben. Deshalb ist es wichtig, dass das Gotteslob über seinen Einsatz im Kirchenraum hinaus als wertvolles "Vademecum" zur Verfügung steht. Darüber hinaus dient es selbstverständlich auch als unverzichtbare Quelle jedes Einzelnen, in heutiger Zeit den Glauben kennen und leben zu lernen.

KNA: Das Gotteslob sollte ursprünglich 2010 erscheinen. Jetzt spricht der Liturgiewissenschaftler Winfried Haunerland davon, dass dies nicht vor 2013 geschieht. Wann wird es nun kommen?
Hofmann: Von einer Veröffentlichung im Jahr 2010 war zumindest seitens der Herausgeber nie die Rede. Selbst heute gibt es keinen feststehenden Erscheinungstermin. Aufgrund der anstehenden Genehmigungsverfahren und unter Berücksichtigung von Herstellung und Vertrieb kann das neue Gotteslob jedenfalls nicht vor Ende 2013 erscheinen. Außerdem werden gerade die Inhalte von Messbuch und Bibel überarbeitet. Diese Veränderungen sollen auch im neuen Gotteslob aufgenommen werden.

KNA: Wird es ein Lied geben, dass Sie persönlich im neuen Gotteslob vermissen werden?
Hofmann: Auf Anhieb kann ich keines nennen. Ich freue mich aber darüber, dass nun endlich Lieder aufgenommen werden sollen, die in den vergangenen 35 Jahren in unseren Gemeinden gerne gesungen wurden, ohne dass sie im aktuellen Gebet- und Gesangbuch standen.

Interview: Christian Wölfel

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