Umweltschützer kritisieren Benzin-Gipfel

"Das war zu erwarten"

Umweltschützer und Forscher kritisieren die Ergebnisse des Berliner Benzin-Gipfels. Weder Politik noch Industrie hätten sich gerührt, sagt im Interview mit domradio.de Hans-Jochen Luhmann vom Wuppertal-Institut für Klima, Umwelt und Energie. Nun müsse sich der Verbraucher bewegen - und die "Umwelt leiden".

 (DR)

Mit einer breit angelegten Informationskampagne soll die Akzeptanz des umstrittenen Biosprits E10 bei den Autofahrern erhöht werden. Dies sagte Bundesumweltminister Norbert Röttgen (CDU) am Dienstag in Berlin. Vertreter von Bundesregierung, Wirtschaft und Verbänden seien sich auf dem Benzin-Gipfel einig gewesen, dass an der Einführung von E10 festgehalten werden solle.



Bundeswirtschaftsminister Rainer Brüderle (FDP) hatte zu dem Gipfel eingeladen, nachdem die Einführung des neuen Benzins mit einem zehnprozentigen Ethanolanteil bei den Autofahrern auf Ablehnung gestoßen war. Verbraucherschützer hatten eine unzureichende Information der Autofahrer bemängelt und die Mineralölwirtschaft und die Autohersteller kritisiert.



Röttgen machte noch vor dem Gipfel die Mineralöl-Industrie für das "Kommunikationschaos" verantwortlich, das die Autofahrer massenhaft davon abhält, den neuen Sprit mit zehn Prozent Ethanolbeimischung zu tanken.



Proteste vor Gipfel

Verbraucherschützer forderten im Vorfeld eine E10-Garantie der Autohersteller für ihre Modelle. Ohne eine solche Bestätigung der Verträglichkeit sei der neue Biotreibstoff tot, sagte der Energieexperte des Bundesverbands der Verbraucherzentralen, Holger Krawinkel, im ZDF-"Morgenmagazin". Seiner Ansicht nach sollte das Kraftfahrtbundesamt die Autobesitzer schriftlich darüber aufklären, ob ihr Fahrzeug E10-tauglich ist oder nicht. Einen Stopp der Einführung von E10 hält Krawinkel für überflüssig: "Faktisch ist es ja ausgesetzt", denn es gebe einen Verbraucherboykott.



Zum Auftakt des Benzin-Gipfels demonstrierten Umwelt- und Verbraucherschützer gegen den Biosprit, weil sie der Ansicht sind, mit dem Anbau geeigneter Pflanzen werde Lebensmittelproduktion verdrängt und teurer und somit der Hunger in der Welt verstärkt.