22.02.2011

Nordrhein-Westfalen einigt sich über islamischen Religionsunterricht Durchbruch erzielt

NRW-Schulministerin Sylvia Löhrmann betonte vor Kurzem gegenüber domradio.de den Stellenwert von Religionsunterricht an den Schulen. Zur Einführung der islamischen Variante scheint ihrem Ministerium und dem Koordinierungsrat der Muslime in Deutschland nun der Durchbruch gelungen zu sein.

Sie einigten sich nach Angaben der Landesregierung am Dienstag (22.02.2001) auf die Bildung eines Beirats, der die religiösen Grundsätze der Muslime gegenüber dem Land formuliert. Das Gremium werde auch "bei der Einrichtung und Durchführung des bekenntnisorientierten islamischen Religionsunterrichts" mitwirken. Vorbild dafür sei die Vorgehensweise mit der katholischen und der evangelische Kirche beim christlichen Religionsunterricht.

Zur Umsetzung sei eine Schulgesetzänderung notwendig, hieß es. Die Beiratslösung sei befristet und gelte bis zu dem Zeitpunkt, an dem "auf Seiten der Muslime die Anforderungen an eine Religionsgemeinschaft erfüllt sind". Schulministerin Sylvia Löhrmann (Grüne) sprach von einem "großen Erfolg für die 320.000 muslimischen Schülerinnen und Schüler in NRW". Der Gesetzentwurf könne jetzt "zeitnah" fertiggestellt werden. Eine fraktionsübergreifende Einbringung in den Landtag würde sie begrüßen, so die Ministerin. Einen absehbaren Starttermin nannte sie nicht.

Hindernis fehlenden Organisation
Bisher war die Einführung eines bekenntnisorientierten islamischen Religionsunterrichts an der fehlenden Organisation der Muslime gescheitert. Anders als bei den Kirchen gibt es derzeit keine einzelne legitime Vertretung aller vier Millionen Muslime in Deutschland, die die Inhalte eines islamischen Bekenntnisunterrichts anerkennen könnte. "Die Mitglieder des KRM verstehen sich bereits als Religionsgemeinschaften", heißt es in einer Gemeinsamen Erklärung von KRM und Schulministerium.

Das Land begrüßt laut dem Papier Bemühungen seitens des KRM, die in den Rechtsstatus der Religionsgemeinschaft münden sollen. Im Dachverband KRM sind die vier größten Islam-Verbände zusammengeschlossen. Es sind die Türkisch-Islamische Union der Anstalt für Religionen (DITIB), der Islamrat für die Bundesrepublik Deutschland (IRD), der Verband der Islamischen Kulturzentren (VIKZ) und der Zentralrat der Muslime in Deutschland (ZMD).

1,4 Millionen Muslime in NRW
Bereits die von CDU und FDP geführte Vorgängerregierung in NRW hatte unter dem damaligen Integrationsminister Armin Laschet (CDU) einen landesweiten Schulversuch zur Einführung des islamischen Religionsunterrichts an Schulen beschlossen. Sie war damit einer Empfehlung der Deutschen Islamkonferenz gefolgt. An der Erarbeitung der Lehrpläne sollten einzelne Islamverbände beteiligt werden.

In Nordrhein-Westfalen leben nach Angaben des Landes rund 1,4 Millionen Muslime. Das sind 7 bis 8 Prozent der Bevölkerung. Etwa 46 Prozent von ihnen sind deutsche Staatsbürger. Die Sunniten bilden mit etwa 80 Prozent die Mehrheit unter den Menschen muslimischen Glaubens, 6 Prozent sind Schiiten. Hinzu kommen 9 Prozent Aleviten, die als einzige muslimische Gemeinschaft die Anerkennung als Religionsgemeinschaft besitzen. Für sie wird in NRW seit 2008 bekenntnisorientierter Religionsunterricht erteilt.

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