14.02.2011

Die Bundesregierung drängt auf Einführung von Islamunterricht Nicht nur als Pilotprojekt

Bundesinnenminister Thomas de Maizière hat sich für eine rasche Einführung eines flächendeckenden islamischen Religionsunterrichts in Deutschland ausgesprochen. "Wir brauchen ihn jetzt und überall und nicht nur als Pilotprojekt", sagte der CDU-Politiker bei einer Tagung der Deutschen Islam Konferenz.

Derzeit besuchten rund 700.000 muslimische Kinder deutsche Schulen. Könnte ihnen ein islamischer Religionsunterricht angeboten werden, wäre dies ein wichtiger Beitrag zur Integration und eine "wirksame Immunisierung" gegen den Extremismus, sagte der Innenminister am Montag (14.02.2011) in Nürnberg. Der Islamunterricht müsse raus aus den Hinterhöfen der Moscheen und rein in die Schulen. Allerdings dürfe dafür das eigene Religionsverfassungsrecht nicht verwässert werden, sagte de Maizière.

Grundvoraussetzung für die Einführung eines islamischen Religionsunterrichts ist eine sogenannte Religionsgemeinschaft als Ansprechpartner, die ihre Grundsätze für den Religionsunterricht definiert und damit unter anderem auch die Inhalte festlegt. Derzeit fehlt eine solche islamische Religionsgemeinschaft in Deutschland noch.

Keine Festlegung auf Zeitrahmen
Um die Einführung des islamischen Religionsunterrichts dennoch voranzutreiben, seien Übergangsregelungen denkbar, sagte de Maizière. So könne zunächst mit Organisationen kooperiert werden, die schon einige, aber eben noch nicht alle erforderlichen Merkmale einer Religionsgemeinschaft erfüllen.

"Es geht darum, in der Sache voranzukommen, auch im Interesse der islamischen Kinder in diesem Land", betonte der CDU-Politiker. Denn selbst wenn die Inhalte des Unterrichts feststünden, werde noch viel Zeit vergehen, bis die benötigten Religionslehrer ausgebildet oder umgeschult worden seien. Auf einen Zeitrahmen wollte sich de Maizière daher nicht festlegen.

Länder sollen Empfehlungen des Bundes folgen
Die einzelnen Bundesländer sollten nun den "Schwung der Islam-Konferenz nutzen" und den Empfehlungen des Bundes folgen, sagte de Maizière. Sie sollten dieses und das nächste Jahr dazu nutzen, Vereinbarungen mit den entsprechenden Vertretern der Muslime zu treffen, damit mit dem Religionsunterricht begonnen werden könne. Parallel dazu müsse dann auf jeden Fall die Anerkennung der Religionsgemeinschaft als formales Kriterium vorangetrieben werden.

Derzeit gibt es nach Informationen der DIK Modellversuche zum Islamunterricht an mehr als 460 Schulen in Bayern, Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz und Schleswig-Holstein. Von über 580.000 muslimischen Kindern in diesen Bundesländern nehmen etwas mehr als vier Prozent daran teil.

Brigitte Caspary

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