21.12.2010

Pascal Kober ist gegen die PID - als einziges FDP-Mitglied steht er dazu "Wir haben nie Gewähr, dass Leben gelingt"

Als bislang einziges FDP-Mitglied des Deutschen Bundestages hat sich Pascal Kober gegen eine Zulassung der Präimplantationsdiagnostik ausgesprochen. Auch beim Vorschlag der Abgeordneten um Peter Hintze bleibt für den evangelischen Pfarrer die Konsequenz der PID, "dass in einem bestimmten Fall Leben nicht zur Welt gebracht wird", so Kober im Interview mit domradio.de.

domradio.de: Sie sind der einzige Bundestagsabgeordnete der FDP, der die Initiative für ein striktes Verbot der PID unterzeichnet hat. Geraten Sie in dieser Frage mit Ihren Parteikollegen aneinander?
Kober: Ich bin sehr froh, dass wir in der FDP-Bundestagsfraktion die Debatte sehr offen und ehrlich und natürlich auch streitig in der Sache führen. Aber es ist überhaupt kein Problem, dass wir hier unterschiedlicher Auffassung sind. Der Bundestag hat sich ja insgesamt dazu entschlossen, dass die Abgeordneten frei nach ihrem Gewissen entscheiden, nicht Rücksicht nehmen auf bestimmte Fraktions- oder Koalitionsmeinungen. Und dieses Prinzip gilt auch für die FDP. Ich bin gegenwärtig der Einzige, der sich öffentlich geäußert hat, dass er für ein Verbot der PID eintritt. Aber ich gebe nicht auf, auch bei meinen Kollegen noch für Zustimmung für meine Position zu werben. Insofern bin ich gespannt, ob nicht der eine oder andere auch noch meiner Position dann am Ende beitritt.

domradio.de: Warum ist die heute vorgestellte Initiative denn der falsche Weg?
Kober: Gerade für mich als liberalen Abgeordneten, der ja immer grundsätzlich die Befugnis des Staates gegenüber dem Einzelnen in Frage stellt, kann es nicht sein, dass der Staat sich selbst oder auch anderen Personen erlaubt, Wertentscheidungen darüber zu treffen, welches Leben wert ist zu leben und welches Leben weniger wert ist zu leben. Darauf läuft es bei der Präimplantationsdiagnostik hinaus: dass sie immer aufgrund eines wie auch immer gearteten Krankheitskataloges davon ausgehen, dass in einem bestimmten Fall ein Leben nicht zur Welt gebracht werden soll - oder eben doch darf. Diese Entscheidung ist aus meiner Sicht - nicht nur aus Sicht eines Christen, sondern auch aus der Sicht eines liberalen Politikers - keine Entscheidung, die der Staat selbst treffen darf. Oder wo er andere Menschen dazu ermächtigen darf.

domradio.de: Was sagen Sie denn Eltern, die Angst haben ein krankes Kind auf die Welt zu bringen?
Kober: Wir haben nie die Gewähr, dass Leben gelingt. In der Frage würde ich dann immer auch als Seelsorger sprechen. Sie können das gesundeste Kind auf die Welt bringen und sie haben nie die Gewissheit, ob das Kind ein Jahr alt wird oder 10 oder 50 oder noch älter. Wir haben das Gelingen des Lebens nicht in der Hand. Das ist ganz unabhängig davon, ob das Kind nun mit einem Risiko behaftet wird schon im Mutterleib oder erst später. Dieser Wahrheit müssen wir auch als Gesellschaft und Menschen offen ins Gesicht sehen. Wir haben diese Garantie nicht. Und wir sollten auch nicht so tun, als könnten wir sie technisch herstellen.

Das Gespräch führte Aurelia Plieschke. Hören Sie es hier in voller Länge nach.

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