17.12.2010

Ethikrat will bald Position zu Gentests an Embryonen beziehen Beratungen dauern an

Der Deutsche Ethikrat will seine Stellungnahme zur Präimplantationsdiagnostik (PID) zügiger als bislang geplant vorlegen. Voraussichtlich Ende Februar werde das Papier veröffentlicht, kündigte Ethikratmitglied Wolf-Michael Catenhusen am Donnerstag in Berlin an.

Bei einer öffentlichen Expertenanhörung des Ethikrats zum Thema PID sagte Catenhusen, damit wolle der Ethikrat sicherstellen, dass seine Beratungsergebnisse in die Entscheidung des Bundestags mit einfließen könnten.

Während der vierstündigen Anhörung erläuterten Mediziner und Rechtsexperten aus Italien, Frankreich, Belgien und Großbritannien die Praxis der genetischen Analyse von Embryonen in ihren Ländern. Insgesamt gebe es rund 60 Zentren in Europa, die diese Untersuchungen durchführten, erläuterten die Wissenschaftler.

In Frankreich, Belgien und Großbritannien ist es demnach unter strengen gesetzlichen und medizinischen Auflagen möglich, eine PID durchzuführen. Zu den Entscheidungskriterien gehörten etwa das Risiko, die Schwere und die Therapiemöglichkeit einer genetisch bedingten und damit vererbbaren Krankheit. Zudem gebe es in Belgien und Großbritannien Listen von Krankheiten, die für diese Art der Diagnostik zugelassen seien. Kontrollorgane überprüften die Arbeit der Zentren. Alle Vertreter zeigten sich von der Möglichkeit einer begrenzten Zulassung der PID überzeugt, räumten aber ein, dass es immer eine Einzelfallprüfung geben müsse.

Der belgische Fachmediziner Paul Devroey von der Freien Universität Brüssel sprach von einem "Medizintourismus" im Blick auf die PID. Die meisten Patienten aus dem Ausland kämen aus Deutschland, Norwegen und Italien, da in diesen Ländern ein entsprechendes Verfahren verboten sei. Er mahnte an, dieser Situation ein Ende zu bereiten.

Im Bundestag arbeiten derzeit Befürworter und Gegner der PID an Gesetzentwürfen. Bereits in der kommenden Woche will eine Gruppe und Peter Hintze (CDU) und Ulrike Flach (FDP) ein Konzept für eine begrenzte Zulassung der Methode vorstellen. Die Grünen-Politikerin Priska Hinz kündigte an, einen eigenen parteiübergreifenden Gesetzentwurf für eine strikt begrenzte Zulassung von PID vorlegen zu wollen; ihr geht der Ansatz Hintzes zu weit. Der Unionsabgeordnete Johann Singhammer (CSU) will ein konsequentes PID-Verbot und rechnet mit Unterstützern aus allen Fraktionen.

Bei der PID werden im Reagenzglas erzeugte befruchtete Eizellen außerhalb des Mutterleibes auf genetische Fehler untersucht und geschädigte Embryonen vernichtet. Die katholische Kirche hat sich wiederholt gegen eine Zulassung der PID ausgesprochen.

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