18.11.2010

In Ettal sieht jetzt ein Ex-Verfassungsrichter nach dem Rechten Ein mühsamer Weg

Am kommenden Montag ist es neun Monate her, dass das oberbayerische Kloster Ettal Vorwürfe körperlicher und sexueller Gewalt aus Kreisen früherer Internatsschüler bestätigte. Seither läuft der mühsame Prozess der Aufarbeitung einer dunklen Vergangenheit. Die Ordensgemeinschaft will nun noch einmal tiefer bohren. Dafür hat sie den früheren Bundesverfassungsrichter Hans-Joachim Jentsch engagiert.

Der 73-jährige Wiesbadener hat von den Mönchen den Auftrag, alle dokumentierten Fälle durchzusehen und nach Schwachstellen im System zu forschen. Dies soll er "in möglichst engem Kontakt" dem Verein "Ettaler Misshandlungs- und Missbrauchsopfer" tun, heißt es. In der Vergangenheit waren die Benediktiner teils heftigen Vorwürfen von Opfern ausgesetzt. Seit Juli liegt der vorläufige Abschlussbericht vor, doch Fragen bleiben: Warum wurde so lange nichts öffentlich? Wie konnte es überhaupt so weit kommen?

Der Vorsitzende des Opfervereins Robert Köhler begrüßt, dass nun eine solch "renommierte Person des öffentlichen Lebens" eingebunden wird. Dies habe sein Verein bereits im Juni angeregt, allerdings hätte er sich gerne an der Auswahl beteiligt. Unklar sei nämlich, welche Erfahrung der Jurist auf dem Gebiet des sexuellen Kindsmissbrauch habe. Die Mönche betonen Jentschs Unabhängigkeit. Dieser habe weder die Klosterschule besucht noch sonstige persönliche Verbindungen nach Ettal.

Abt Barnabas Bögle und sein Prior Maurus Kraß haben sich vorgenommen, dass nie wieder ein Kind oder Jugendlicher schlimmes Leid durch einen Ettaler Ordensmann erfährt. Auf Geheiß des Vatikan konnten sie im Sommer in ihre zwischenzeitlich niedergelegten Ämter zurückkehren. Seit Herbst laufen die vom Verein "Ettaler Misshandlungs- und Missbrauchsopfer" angestoßenen Täter-Opfer-Gespräche, bei denen bei Bedarf ein Mediator hinzugezogen wird. Manchmal sprechen die Mönche auch nur mit dem Mediator, wenn ein Opfer das direkte Gespräch ablehnt. Der Verein lobt ausdrücklich das Engagement der Mediatoren.

Sechs Benediktiner mit Vorwürfen konfrontiert
Abgesehen von bereits verstorbenen Mitbrüdern sind sechs Benediktiner mit Vorwürfen konfrontiert. "Alle wurden aus ihren seelsorglichen und pädagogischen Aufgaben abgezogen", versichert der Prior. Der Staatsanwalt hat noch nicht alle Ermittlungen abgeschlossen. Dass die mehrheitlich bereits verjährten Fälle nicht mehr untersucht werden, bedauern die Benediktiner. Intern wird aufgrund der Opferberichte weiterermittelt, die Sachverhalte gehen zur weiteren Prüfung an die Glaubenskongregation.

Erste finanzielle Hilfen haben einige Opfer bereits erhalten. So wird eine anwaltliche Erstberatung für rund 250 Euro im Bedarfsfall vom Kloster bezahlt. Wer mit Attest nachweisen kann, dass er bei einem approbierten Therapeuten wegen Vorfällen in Ettal in Behandlung war, bekommt bis zu 1.000 Euro nachträglich überwiesen. Aktuelle Therapien werden mit bis zu 5.000 Euro unterstützt. Das entspricht rund 50 Sitzungen zu je 100 Euro.

Wiedergutmachung ist manchmal unkonventionell: Da versichert ein Alt-Ettaler glaubhaft, dass ihm allein die Musik über die Nachwirkungen seiner schlimmen Erlebnisse in der Schulzeit hinweggeholfen habe. Das Kloster gibt ihm daraufhin Geld, das er in ein Alphorn investiert.

Streit auf Ehemaligentreffen
Der Opferverein erkennt an, dass die Mönche beim Thema Entschädigungen aufgeschlossen sind. Mehr aber noch wünscht er sich, dass das, was passiert ist, dem Kreis der Alt-Ettaler "ohne Häme" breit zugänglich gemacht wird und das Kloster Stellung zu den Missetaten seiner Angehörigen bezieht. Noch immer nämlich kämen sich bei Klassentreffen die Ehemaligen regelmäßig in die Haare, bedauert Köhler.

Gegen Ende der bayerischen Sommerferien hatten Abt, Prior und zwei weitere Mitbrüder eine kurze Audienz beim Papst in Castelgandolfo.
Dabei soll Benedikt XVI. Klartext geredet haben. Als Aufmunterung haben die Mönche aus seiner bayerischen Heimat einen Satz des Pontifex empfunden: "Aus dem Bösen kann etwas Gutes erwachsen."

Barbara Just und Christoph Renzikowski

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