20.10.2010

Wolfgang Thierse kritisiert Laizisten-Arbeitskreis In der Minderzahl

Trotz negativer Signale von der Parteispitze kämpft eine Gruppe von Laizisten in der SPD weiter um ihre Anerkennung als offizieller Arbeitskreis der Partei. Bundestags-Vizepräsident und ZdK-Mitglied Wolfgang Thierse betont im domradio.de-Interview die Nähe seiner Partei zu den Kirchen und kritisiert die Bemühungen der Laizisten.

domradio.de: Herr Thierse, wer sind die Initiatoren dieses Arbeitskreises? Was für einen Hintergrund haben sie?--Wolfgang Thierse: Das sind Mitglieder der SPD aus unterschiedlichen Bereichen: Abgeordnete, die selbstverständlich auch in der SPD das Recht haben, als Atheisten und Laizisten Mitglied zu sein und ihre Ansichten zu vertreten. Um nicht mehr und nicht weniger geht es.

domradio.de: Ist das eine Initiative einiger weniger?
Thierse: Ich kann keine Zahlen nennen, aber dass es in der Volkspartei SPD nicht nur katholische und evangelische Christen gibt, sondern auch eine Menge Menschen ohne Religionszugehörigkeit, das ist ja nicht überraschend. Das ist ja auch in anderen Parteien der Fall, selbst in der CDU dürfte es Leute geben, die sich als Atheisten und Laizisten verstehen.

domradio.de: Was halten Sie denn von dem geplanten Arbeitskreis Ihrer Parteikollegen?
Thierse: Wie gesagt, man kann diese Ansichten vertreten, das ist in Ordnung, aber die SPD insgesamt und auch ihre Führung, so hat sich Sigmar Gabriel gerade am Montag geäußert, steht zum kooperativen Verhältnis zwischen Staat und Religionsgemeinschaften und Kirchen, wie es das Grundgesetz vorsieht und wie es die SPD auch in ihrem Grundsatzprogramm seit Godesberg 1959 ausdrücklich bejaht hat und wie es sich übrigens auch in der Praxis unseres Landes wirklich bewährt hat.

domradio.de: Ethikunterricht statt Religionsunterricht in Schulen, Entfernen religiöser Symbole aus Schulen, Gerichten und Krankenhäusern und so weiter, und so weiter - mal abgesehen davon, ob man diese Forderungen gutheißt oder nicht, wären sie so ohne weiteres politisch umzusetzen?
Thierse: Ich bin ziemlich sicher, dass eine große Mehrheit der Sozialdemokraten das ablehnt. Ich möchte daran erinnern: Im vorigen Jahr hat es eine Mitgliederbefragung in der SPD gegeben, eine ziemlich präzise Untersuchung. Und ein Ergebnis ist durchaus überraschend: 73% der Mitglieder der SPD bekennen sich zu einer der christlichen Religionsgemeinschaften. Das ist eine sehr, sehr deutliche Mehrheit, das sollten auch diejenigen nicht vergessen, die jetzt nicht nur einen Gesprächskreis gründen, sondern mit ziemlich radikalen Forderungen Grundverhältnisse in unserem Land verändern wollen.

domradio.de: Der Vorsitzende der katholischen Bischofkonferenz Robert Zollitsch hat angemahnt, die Gründung eines solchen Arbeitskreises würde eine Entwicklung ignorieren, mit der die SPD sich seit einigen Jahren auf die Kirchen hinbewege. Sehen Sie das auch so ?
Thierse: Das sehe ich genauso. Übrigens nicht erst seit einigen Jahren, sondern schon seit einigen Jahrzehnten ist es so, dass das Verhältnis zwischen SPD und den Kirchen immer besser geworden ist. Das heißt ja nicht, dass man in allen Fragen übereinstimmt. Politische Parteien und die Kirchen haben durchaus andere Aufgaben und in dieser und jener Frage wird man auch andere Auffassungen haben, aber dass man vertrauensvoll miteinander spricht, dass man ernsthaft aufeinander hört, dass wir Sozialdemokraten wissen, dass die Kirchen in dieser Gesellschaft eine ganz wichtige, schlechthin unersetzliche Arbeit tun, eine Aufgabe haben, die eben nicht durch politische Parteien abgedeckt werden kann, das sollte man nicht vergessen und verdrängen und durch scharfe Polemik auch nicht das Verhältnis in Unordnung bringen, das sich bewährt hat.

Der Bundestagsabgeordnete Wolfgang Thierse ist seit 2005 Vizepräsident des Deutschen Bundestags und langjähriges persönlich hinzugewähltes Mitglied des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK).
Das Interview führte Simone Bredel.

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