17.03.2010

"Nacht der Mystik" in Köln: Gaby Ludwig erklärt ihre Kunst-Installationen Von der "Ursuppe" zu "Gott ist nicht"

Spiritualität hat Konjunktur. Doch welche Formen der Spiritualität gibt es im Taoismus und Islam? In der "Nacht der Mystik", am 19. März wird versucht, diese Frage zu beantworten. Neben Lesungen und Konzerten sind in einer Synagoge, einer Moschee und zwei Kirchen in Köln-Chorweiler Installationen der Künstlerin Gaby Ludwig zu erleben.

Vom Tröpfeln zum Meeresrauschen: Gaby Ludwig versucht mystische Erfahrungen in den Weltreligionen über die fünf Sinne erlebbar zu machen. Ihr "blaues Band" ist dabei das Element des Lebens schlechthin: das Wasser. In diesem Rahmen der Elemente, betont Ludwig, könne sie aber immer nur einen einzigen Aspekt einer Religion ansprechen. So wird beispielsweise der Taoismus zu einer leuchtenden Säule aus herabhängenden Textbahnen. Aus ihr tropft es gleichmäßig, meditativ in ein Gefäß. Doch die Kölner Künstlerin wird nicht nur den Taoismus und die monotheistischen Religionen, sondern auch den Atheismus darstellen. Die mystische "Leere" des Atheismus "habe ich eben ganz bewusst über das Wort projiziert. Die Aussage der Atheisten "Gott ist nicht" wird derjenigen der Gläubigen gegenübergestellt", sagt Ludwig. Denn für Erfahrungen, die sie nicht im Bild darstellen könne, bleibe ihr ja immer noch der Text. Der "Mystic walk" zur Quelle des LebensAm 21. März führt die Künstlerin selbst Interessierte durch die Gotteshäuser. Dabei wird sie Ausschnitte aus den religiösen Texten, die sie in den Installationen verarbeitet hat, vorlesen. Außerdem erläutert Ludwig, weshalb die Arbeiten kontextentfernte Titel bekommen hätten. "Ursuppe" für das Christentum sei beispielsweise eine Anspielung auf die Banalität des Kreationismus. Am Ende der Ausstellung erwartet die Besucher eine Projektion des Meeres - als Quelle des biologischen Lebens - mit Meeresrauschen und einem Glas Meerwasser.Ludwig freut sich besonders, dass die Kunstaktion Auswirkungen auf die Kontakte in den Gemeinden hatten: Zwischen der jüdischen und den christlichen Gemeinden "wurden zum ersten mal Telefonnummern ausgetauscht." Geistliche der muslimischen Gemeinde hätten sich sogar in der Synagoge die Installation zur Klagemauer angesehen.Die Führung mit dem Titel "Mystic Walk" beginnt am 21. März in der Katholischen Kirche Seliger Papst Johannes XXIII um 14 Uhr. Von dort geht es über die Synagoge und die Moschee zur Evangelischen Stadtkirche Chorweiler. Die Führung endet um 17 Uhr.

Carlo Mertens