Fleischtheke: Sieht man noch die Kreatur hinter dem Produkt?
Fleischtheke: Sieht man noch die Kreatur hinter dem Produkt?

16.01.2010

Der Priester und Zoologe Rainer Hagencord fordert Fleischverzicht Tiere sind Schöpfung

Der Theologe Rainer Hagencord hat aus Rücksicht auf die Natur zu mehr Zurückhaltung beim Fleischkonsum aufgerufen. Wenn die Christen es mit der Bewahrung der Schöpfung ernst meinten, dann gehe es nicht nur um "Sonne, Mond und Sterne", sondern auch um das "Fleisch, das da in der Fleischtheke liegt", sagte der Mitbegründer des Instituts für Theologische Zoologie an der Philosophisch-Theologischen Hochschule Münster bei domradio.de.

domradio: Wenn wir die Schöpfung bewahren wollen, müssen wir auch das Fleisch in den Fleischtheken mit einbeziehen. Das ist quasi die Kernaussage ihrer Forderung. Was bringt Sie dazu?Hagencord: Es wundert es mich manchmal, wenn ich in christlichen Gemeinden oder Kontexten unterwegs bin, dass viele sich zwar das Wort Bewahrung der Schöpfung auf die Fahnen geschrieben haben, aber meistens damit Sonne, Mond und Sterne und im Moment vielleicht auch das Klima meinen aber sicherlich nicht das, was sie täglich in der Fleischtheke sehen und was sie da einkaufen. Deswegen finde ich es einleuchtend, aber offenbar ist es in vielen Köpfen nicht einfach und plausibeldomradio: Aber Sie fordern nicht, dass wir alle Vegetarier werden, oder?Hagencord:  Das wäre eine zu große Forderung, ich glaube, wenn ich pragmatisch denke, dass erstens wäre ein großer Schritt, wenn wir beim Fleischeinkauf und  beim Einkauf von Eiern und anderen tierischen Produkten darauf achten, haben die Tiere wirklich gelebt, oder sind sie behandelt worden wie Steinkohle die man so abbaut. Dann wären wir wirklich schon einen Schritt weiter und ich finde Vegetarismus und alle die sich dafür einsetzen und so leben hoch beachtenswert und löblich. Nur noch mal: realistischer ist der erste Schritt eine höhere Aufmerksamkeit für das Fleisch, das wir da kaufen. Auch um zu sehen, welche Macht wir haben: Stellen Sie sich vor, in allen christlichen Gemeinden wäre das aber morgen so, das alle darauf achten würden, es würde wirklich einen Ruck durch Europa gehen!domradio: Der hohe Fleischkonsum sei unter anderem auch schädlich für das Klima. Wie begründen Sie das?Hagencord:  Nicht die Tiere sind schädlich für das Klima, sondern unser pervertierter Umgang mit den Tieren ich werde nie das Bild vergessen in dem Film "We feed the world", sie sehen einen Bauern in Brasilien vor einem riesigen Feld von Soja. Er selbst lebt am Existenzminimum, dieses Soja könnte problemlos ihn und seine Familie ernähren, aber dieses Soja wird exportiert nach Nordamerika, nach Europa, damit wir hier die Rinder damit füttern und dann Billigfleisch zu haben. Das ist das, was pervers ist und nicht gut. Die Tiere sind nicht schuld, sondern der missliche Umgang damit und unser immer größer werdende Hunger nach mehr Fleisch.Wir wollen immer mehr und wollen immer weniger bezahlen. Deshalb müssen immer mehr Tiere her, wenn wir eine neue Wertschätzung entwickeln würden für die Tiere, würde unser Hunger geringer und wir würden auch mehr bezahlen wollen für ein solches Stück Fleisch.domradio: Nun gibt es auf der Erde immer mehr Menschen die immer versorgt werden wollen. Wie kann man denn ihre Forderung in dieser Situation überhaupt praktisch durchsetzen?Hagencord:  Soja ist mindestens so wertvoll, z.B. wenn es um den Proteingehalt geht. Es gilt hier eine größere Phantasie zu entwickeln, wie ernähre ich mich, muss jeden Tag ein Stück Fleisch her oder nicht. Und das verbunden mit dem Gedanken der Wertschätzung für Tier und Pflanze.domradio: Ist Geflügel denn auch schädlich?Hagencord: Wenn ich Bilder sehe aus der Putenhaltung und Hühner und Schweinehaltung, dann muss ich sagen, ich kann da vieles überhaupt nicht mehr verantworten und ich würde all diese Tiere mit in den Blick nehmen. Gestern las ich noch, dass Puten in der Massentierhaltung die Schnäbel entfernt werden, damit sie sich nicht mehr gegenseitig picken und diese Tiere haben bei jedem Schluck, den sie nehmen unendliche Schmerzen. Das kann ich nicht unterstützen.

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