Die erneute Attacke der Piusbruderschaft auf die deutschen Bischöfe hat wohl keinen Einfluss auf den Dialogprozess mit dem Vatikan

"Das ist grober Quatsch"

Neues Jahr, alter Streit: Pater Franz Schmidberger, der oberste deutsche Piusbruder, hat die deutschen katholischen Bischöfe scharf angegriffen. "Nicht zum ersten Mal", registriert auch Pater Bernd Hagenkord, Leiter der deutschsprachigen Abteilung von Radio-Vatikan. Im domradio-Interview zeigt er Verständnis für die Bischofskonferenz, die sich nicht mehr zu dem Thema äußern will.

Autor/in:
Michael Borgers
 (DR)

Eine "gewisse Gruppe" von Bischöfen habe ein "gestörtes Verhältnis zum Papst und zur Theologie der Kirche aller Jahrhunderte", sagte Schmidberger der Nachrichtenagentur ddp in Stuttgart. Bei genauem Hinsehen erkenne man, "dass diese Prälaten nicht mehr die katholische Kirche als allein selig machend anerkennen". Also zögen sie indirekt auch die Gottheit Christi in Zweifel, der die Kirche gegründet habe. Konkret verwies Schmidberger auf Aussagen des Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz (DBK), Erzbischof Robert Zollitsch, und dessen Vorgängers Kardinal Karl Lehmann.

Auch wenn die Aussagen gegenüber einer deutschen Nachrichtenagentur gemacht worden seien, werden sie an den "richtigen Stellen im Vatikan" Gehör finden, davon geht Bernd Hagenkord aus. "Und ich vermute, dass sie dort genauso den Kopf schütteln, wie wir das tun."

Keine Stellungnahme
Das deutsche Episkopat vermeidet demonstrativ jede Stellungnahme: "Wir kommentieren das nicht", sagte der Sprecher der Deutschen Bischofskonferenz, Matthias Kopp, gegenüber domradio.de. Hagenkord geht davon aus, dass auch der Vatikan Schmidbergers Äußerungen ignorieren wird. "Man muss klug und weise sein und sagen: Der redet mal wieder, der will wieder in die Zeitung und so tun, als wäre er bedeutend. Das muss man ignorieren. Es ist nicht wichtig, was der Mann sagt. Das ist grober Quatsch."

Das Zentralkomitee der deutschen Katholiken (ZdK) wies die Kritik Schmidbergers entschieden zurück: "Sowohl Kardinal Lehmann als auch Erzbischof Zollitsch stehen in großer Einheit zum Heiligen Vater und zu den katholischen Bischöfen der Weltkirche und ganz auf dem Boden der katholischen Lehre, wie sie das Zweite Vatikanische Konzil zuletzt festgestellt hat", betonte ZdK-Sprecher Theodor Bolzenius in Bonn.

Misstrauen und Vorsicht
Die theologischen Gespräche des Vatikans mit der Piusbruderschaft waren Ende Oktober aufgenommen worden und sollen noch im Januar in eine zweite Runde gehen. "Bei den Gesprächen wurde klare Regeln vereinbart", so der Nachfolger von Pater Eberhard von Gemmingen, "auch, dass man nicht darüber spricht." Von Seiten der Piusbruderschaft aus sei diese Vereinbarung bereits gebrochen worden. So sei der Traditionalistenbischof Alfonso de Galaretta in einer Predigt am 18. Dezember in Argentinien auf Details eingegangen.

"Er hat zum Beispiel gesagt, dass beide Parteien die Gespräche in Wort und Ton aufzeichnen - das zeigt, dass sich beide nicht gegenseitig über den Weg trauen." Insgesamt sei viel Misstrauen und Vorsicht im Spiel. Galaretta ist einer der vier Bischöfe, deren Exkommunikation im letzten Januar von Papst Benedikt aufgehoben wurde. Derzeit leitet er die Delegation der Piusbruderschaft bei den Gesprächen mit dem Vatikan.

"In naher Zukunft wird es keine Ergebnisse geben"
Der deutsche Disktriktobere der umstrittenen Priesterbruderschaft machte zugleich in dem ddp-Gespräch deutlich, dass sich die Piusbrüder von ihrer kompromisslosen Linie trotz der breiten öffentlichen Kritik auch 2010 nicht abbringen lassen wollen. Die Gemeinschaft sehe es als Pflicht an, den "glaubensfeindlichen Zeitgeist, die Diktatur des Relativismus und die permissive Moral offen beim Namen zu nennen". Dazu gehöre auch ein öffentlicher Protest gegen "solch unwürdige Spektakel wie die Schwulenparade in Stuttgart".

"Das aktuelle Störfeuer aus Deutschland hat keine Bedeutung für die Gespräche im Vatikan", ist sich Hagenkord sicher. Dennoch geht er davon aus, dass die Verhandlungen noch eine Weile dauern werden. "In naher Zukunft wird es keine Ergebnisse geben."