23.08.2009

Kölner Restauratoren forschen in der kambodschanischen Tempelanlage Rettung für die Tänzerinnen von Angkor Wat

Angkor Wat, die Metropole des versunkenen Khmer-Reiches im Nordwesten Kambodschas, galt schon zur Zeit des europäischen Mittelalters als ein Wunder Asiens. Die Bauwerke des Tempelbezirks überstanden Kriege, Belagerung und Plünderung. Die Zeit hat dennoch ihre Spuren hinterlassen - Kölner Wissenschaftler erforschen sie seit Mitte der Neunziger.

Frisch aufgefüllter Schotter erschwert die Anfahrt. Die ersten Tuk-Tuks, Mopeds mit Sitzbank-Anhängern, schaukeln im Morgengrauen in Richtung Angkor Wat. Die Metropole des versunkenen Khmer-Reiches im Nordwesten Kambodschas ist vom Dschungel überwuchert.Der riesige Tempelbezirk, dessen Bauten, Straßen, Wassergräben und Bassins sich über 230 Quadratkilometer erstrecken, galt schon kurz nach seiner Vollendung zur Zeit des europäischen Mittelalters als ein Wunder Asiens.Die Bauwerke von Angkor überstanden Kriege, Belagerung und Plünderung. Der Königshof der Khmer floh vor den herannahenden Thai, die den Khmer Stück für Stück ihr Land entrissen. Schließlich kehrte unaufhaltsam die Natur zurück mit ihren mächtigen Bäumen und dem undurchdringlichen Dickicht. Die natürliche Verwitterung schreitet voran und ist nur mühsam aufzuhalten.Seit 1992 WeltkulturerbeIn dieser Zeit des immer sichtbarer werdenden Zerfalls begann 1995 das "German Apsara Conservation Project" mit seiner Arbeit: Ein Team der Fachhochschule Köln unter Leitung von Hans Leisen forscht und arbeitet im Angkor-Gebiet. Arbeitsgruppen aus Studenten, Wissenschaftlern und Konservatoren sowie ein kambodschanisches Konservatorenteam kommen hinzu. Schon 1992 hatte die Unesco den Tempelbezirk in die Liste des Weltkulturerbes aufgenommen."Immer weiter entwickeln sich unsere Kenntnisse über die Arbeitsweise der Khmer", sagt Hans Leisen, "immer besser wird die Gruppe mit den Techniken, den Bauwerken und den Materialien bekannt."Am meisten haben es dem Forscherteam die Apsaras und Devatas angetan, die steinernen Tempeltänzerinnen und Göttinnen. Es sind knapp 2.000, die die Wände des Tempels schmücken und Tag für Tag die Blicke der Touristen magisch anziehen. Auch nach jahrelanger Arbeit in Angkor Wat staunen die Experten noch immer, zu welch filigraner Kunst die Steinmetze der Khmer fähig waren. Keine Tänzerin gleicht der anderen."Asiatisches Akropolis"Der Ruhm der Khmer-Kunst beruht vor allem auf seinen Plastiken. Keine andere Bildhauerschule außerhalb Europas ist so entschieden mit den großartigsten Epochen der abendländischen Kunst verglichen worden, der Khmer-Tempel wird auch "asiatische Akropolis" genannt. Vorbild war die Bildhauerkunst Indiens. Kein Wunder, denn der Erbauer von Angkor Wat war Gottkönig Suryavarman II., der im zwölften Jahrhundert lebte und Hindu war. Er weihte den Tempel dem Gott Vishnu.Allmählich lösten sich die Baumeister und Bildhauer der Khmer dann aber vom indischen Vorbild und entwickelten einen eigenen, unverkennbaren Stil. Die Baupläne für die Tempel folgten streng geometrischen Mustern und berücksichtigten dabei religiöse Gesetze. Ein Tempel der Khmer-Zeit stellt ein Abbild des Universums in Miniaturformat dar."Botinnen der Götter und Ahnen" werden die Apsaras auch genannt.Sie tragen jedoch untrügliche Zeichen des Verfalls: "Hat man sich von dem Zauber der ersten Begegnung befreit, erkennt man als kritischer Beobachter zunehmend die Schäden und den Verlust großer Partien der künstlerisch bearbeiteten Oberfläche", sagt Hans Leisen.Verwitterung durch Regen, Wind und Sonne und vor allem Fledermauskot setzen den Apsaras zu. Die "Steinkrankheit" hinterlässt ihre Spuren: An der Relief-Oberfläche bilden sich sogenannte Schalen - zwei bis drei Zentimeter dicke Auswölbungen mit Hohlräumen dahinter. Es ist dann oft nur eine Frage der Zeit, bis sich die gesamte Apsara löst und zerbricht. "Sie ist dann für immer verloren", sagt Leisen.Zwiespältig sehen viele die Rolle der TouristenDie Experten suchen ständig nach neuen Techniken, um sie zu erhalten. Die Figuren werden mit Bügeln gesichert. Dann wird Spezial-Mörtel hinter lockere Schalen gespritzt, um sie wieder mit dem Stein zu verbinden.Zwiespältig sehen viele die Rolle der Touristen, die sich von Sonnenaufgang bis in den Abend hinein durch die Tempelanlage schlängeln. Reisende bringen Geld, das dringend zur Erhaltung des Weltkulturerbes gebraucht wird. Auf der anderen Seite schaden die Besucher aus aller Welt allein durch ihre Anwesenheit: Ihr Atem verursacht Schäden, ebenso das - verbotene - Betasten der Reliefdarstellungen und das Schrammen der Rücksäcke an den Steinen.Aber erst die Neugierde der Besucher und ihr Staunen über die jahrhundertealten Bauwerke tragen dazu bei, dass die steingewordene Kunst nicht dem Vergessen anheimfällt. Blieben die Gäste eines Tages aus, dann würde Angkor Wat nur noch als toter Steinkoloss im Schatten der mächtigen Würgefeigen dahindämmern.

Robert Luchs

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