12.03.2009

Bischöfe würdigen Papstbrief - Kardinal Meisner: Kritiker sollen sich entschuldigen Dank für eine Klarstellung

Der am Donnerstag offiziell vorgestellte Papstbrief zur Debatte um die traditionalistische Pius-Bruderschaft ist unter deutschen Kirchenvertretern und Politikern auf positives Echo gestoßen. Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Erzbischof Robert Zollitsch, begrüßte das "großartige" Schreiben als Klarstellung. Der Kölner Kardinal Joachim Meisner forderte Kritiker von Benedikt XVI. dazu auf, sich zu entschuldigen.

«Es ist nun zu hoffen, dass diejenigen, die auf den Papst eingeschlagen haben - innerhalb und außerhalb der Kirche -, sich aufrichtigen Herzens besinnen», erklärte der Kölner Erzbischof. Er verwies auf die Äußerung des Papstes, es habe ihn betrübt, dass «auch Katholiken, die es eigentlich besser wissen konnten, mit sprungbereiter Feindseligkeit auf mich einschlagen zu müssen glaubten». Zollitsch betonte, der Brief mache deutlich, «wie sehr der Heilige Vater persönlich davon betroffen ist. Ich habe den Eindruck, dass der Heilige Vater in den letzten Wochen sehr gelitten hat», sagte Zollitsch. Der Papst habe offenbar «eine ganze Welle» der Kritik gegen ihn gespürt. Sein Brief sei damit auch Ausdruck dessen, dass er sich in seinem Anliegen der Einheit der Kirche nicht verstanden fühlte, so Zollitsch. Er forderte die Pius-Bruderschaft auf, sich zu mäßigen. Sie sollten mit Attacken gegen Bischöfe und vermeintliche Irrlehren zurückhaltender sein. «Wenn ich mit jemanden ein Gespräch will und Einheit will, dann darf ich ihm nicht ständig ins Gesicht schlagen», so der Erzbischof. Der Hamburger Erzbischof Werner Thissen zeigte sich in einem Gastbeitrag für das «Hamburger Abendblatt» erfreut, wie persönlich Papst Benedikt XVI. die eigene Betroffenheit beschreibe und mit welcher inneren Freiheit und Größe er Fehler innerhalb der Kurie zugebe. Das Schreiben entspreche dem Anliegen der «Hamburger Erklärung», die die deutschen Bischöfe vor einigen Tagen in der Hansestadt veröffentlicht hätten. - In der bei ihrer Vollversammlung in der vergangenen Woche verfassten Stellungnahme hatten sich die Bischöfe deutlich von der Pius-Bruderschaft distanziert. Zugleich bemängelten sie Kommunikationspannen im Vatikan, nahmen aber den Papst gegen Kritik in Schutz. Der Rottenburg-Stuttgarter Bischof Gebhard Fürst bezeichnete den Papstbrief zum Umgang mit der Pius-Bruderschaft als ermutigendes und nach vorne weisendes Zeichen. Er sei dankbar, dass der Papst sein Verständnis über die in der Traditionalisten-Krise entstandenen «tiefgreifenden Irritationen bei Gläubigen und Seelsorgern» ausgedrückt habe, erklärte Fürst am Donnerstag in Rottenburg. Ähnlich äußerte sich der Hildesheimer Bischof Norbert Trelle. Die Stellungnahme unterstreiche, wie wichtig Papst Benedikt die Einheit der Christen und der interreligiöse Dialog seien. Auch das Zentralkomitee der deutschen Katholiken (ZdK) begrüßte den Papstbrief. Es sei «ein geschichtlich einmaliges und sehr persönliches Dokument», erklärte ZdK-Präsident Hans Joachim Meyer in Bonn. Der Zentralrat der Juden in Deutschland reagierte «mit Respekt und Hochachtung». Es bleibe aber ein Dissens mit Blick auf die Aufhebung der Exkommunikation der Pius-Bischöfe. Die Bruderschaft setze ihre Hetze weiter fort, so Generalsekretär Stephan J. Kramer. CSU-Vize Peter Ramsauer lobte nach einer Papst-Audienz in Romm Benedikt XVI. für dessen Mut zur Selbstkritik. Es sei «beispielhaft», wie das Kirchenoberhaupt die Fehler benannt habe, die im Zuge der Affäre im Vatikan gemacht worden seien, sagte Ramsauer in einem Gespräch mit sueddeutsche.de.

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