Interne Kommunikation und Verwaltung im Heiligen Stuhl

Wer berät den Papst?

Nach dem Debakel um die versuchte Wiederaufnahme der Traditionalisten-Bischöfe in die katholische Kirche wird immer lauter die Frage gestellt, wer den Papst berät und wie die Kommunikationswege im Vatikan verbessert werden könnten. Die letzte umfassende Neuordnung der Römischen Kurie fand 1988 unter Johannes Paul II. statt. Die Katholische Nachrichten-Agentur (KNA) nennt die wichtigsten Personen und Institutionen.

Autor/in:
Ludwig Ring-Eifel
 (DR)

Die Bischöfe: Die rund 4.800 Bischöfe der Weltkirche berichten dem Papst und den Kurienbehörden etwa alle fünf Jahre bei «Ad-limina-Besuchen» im Vatikan. Die von Johannes Paul II.
gepflegten Tischgespräche mit Bischöfen und Ordensleuten hat Benedikt XVI. abgeschafft, er nimmt sich aber für offizielle Gespräche mehr Zeit.

Die Nuntien: Die Diplomaten des Heiligen Stuhls in 177 Staaten berichten dem Staatssekretariat, das zugleich wie ein Kanzleramt und wie ein Außenministerium funktioniert. Die Berichte, darunter auch Anzeigen gegen theologische Abweichler, werden den Nuntien oft von Gläubigen vor Ort zugetragen.

Der Kardinal-Staatssekretär: Der «zweite Mann» in der Vatikanhierarchie leitet die Zentralbehörde des Heiligen Stuhls. Er ist einem Premierminister vergleichbar. Oft wird die Stelle mit einem Diplomaten besetzt. Benedikt XVI. entschied sich für einen Weggefährten aus der Glaubenskongregation ohne diplomatische Erfahrung, Kardinal Tarcisio Bertone.

Der Substitut: Zentrale Schaltstelle im Staatssekretariat ist der «Substitut», eine Art Kanzleramts- oder Innenminister. In der Öffentlichkeit kaum sichtbar, laufen bei ihm viele Fäden zusammen. Der Substitut hat als einziger einen täglichen Termin beim Papst. Der vom Papst 2007 ernannte Substitut, Erzbischof Fernando Filoni, hat sich als Nuntius in Bagdad, Hongkong und Manila bewährt. Mit den komplexen Anforderungen des Staatssekretariats hat sich der Süditaliener schrittweise vertraut gemacht.

Die Kongregationen, Räte und Kommissionen: Diese aus Kardinälen, Bischöfen und Experten bestehenden Gremien beraten den Papst in Fachfragen, von der Bischofsernennung bis zur Ökumene. Für die Traditionalisten ist die Kommission «Ecclesia Dei» zuständig. Die Kommunikation zwischen den Behörden ist oft von personellen Überschneidungen abhängig, regelmäßige Kabinetts-Sitzungen gibt es nicht.

Die Kardinalsversammlung: Mitunter beruft der Papst eine Versammlung der rund 190 Kardinäle der katholischen Kirche ein, um über strategische Themen zu beraten. Benedikt XVI. verbindet diese Sitzungen mit den Kardinalskonsistorien, die etwa im Zweijahresrhythmus stattfinden.

Die Bischofssynode: Im Abstand von zwei bis drei Jahren beruft der Papst rund 300 Bischöfe und Ordensobere aus aller Welt zu einer Synode nach Rom, um über ein aktuelles Thema oder die Entwicklung der Kirche auf einem Kontinent zu beraten.

Der Hoftheologe: Es handelt sich um ein historisch wichtiges Amt, weil ihm alle Papsttexte mit lehramtlichem Gehalt zur Prüfung vorgelegt wurden. 2005 schickte Benedikt XVI. den profilierten Schweizer Hoftheologen und Dominikaner Georges Cottier in den Ruhestand und ersetzte ihn durch den Polen Wojciech Giertych; der Dominikaner trat seither wenig in Erscheinung.

Der Privatsekretär: Da er die Termine des Papstes plant und ihm ständig zur Seite steht, ist er einer der häufigsten Berater des Papstes. Der aus dem Erzbistum Freiburg stammende Kirchenrechtler Georg Gänswein war bereits in der Römischen Glaubenskongregation persönlicher Assistent des damaligen Kardinalpräfekten Joseph Ratzinger.

Der Päpstliche Haushalt: Neben Gänswein zählen dazu noch der zweite Sekretär, der Malteser Alfred Xuereb, vier Damen der Geistlichen Gemeinschaft «"Memores Domini", die den Haushalt führen, sowie der «Kammerherr», Paolo Gabriele. Mit ihnen feiert der Papst die Frühmesse und nimmt die Mahlzeiten ein.