18.01.2008

Nachrichtenarchiv 18.01.2008 12:00 Bischöfe kritisieren geplantes Abhören von Priestern

Katholische Bischöfe haben den Plan der Bundesregierung kritisiert, dem Bundeskriminalamt (BKA) das Abhören von Geistlichen zu erlauben. "Seelsorgern muss am Telefon immer Raum bleiben für offene Gespräche", sagte der Essener Bischof Felix Genn der "Neuen Rhein/Ruhr Zeitung" (Freitag). Hamburgs Weihbischof Hans-Jochen Jaschke erklärte in der Kölnischen Rundschau (Freitag): "Die Kirchen werden alles tun, was in ihren Kärften steht, damit es hier zu keinen Aufweichungen kommen kann."
Zwar gebe es offiziell keine Beichte am Telefon, so Genn. Ein solches Gespräch sei jedoch ausschließlich Angelegenheit von zwei Personen.
Ein Telefonat könne sich zur Beichte entwickeln und müsse deshalb weiter geschützt sein. "Vertraulichkeit ist immer das Vorrecht der Seelsorger gewesen." Jaschke nannte es undenkbar, dass das Beichtgeheimnis angetastet werde. Es bilde den Eckpunkt "einer humanen, die Würde des Menschen achtenden Kultur". - Die Kirchenvertreter reagierten auf Medienberichte, wonach ein Entwurf für die BKA-Novelle im Einzelfall ein Abhören von Telefonen und Räumen auch bislang geschützter Berufsgruppen vorsieht. Dazu zählen neben Geistlichen auch Strafverteidiger und Abgeordnete. Die Maßnahmen würden angewandt, soweit sie "zur Abwehr einer Gefahr für Leib, Leben oder Freiheit einer Person erforderlich" seien.