18.01.2008

Gentechnikexperte Dr. Peter Liese im domradio "Horrormeldung" Klon-Versuch

Deutsche Politiker haben kritisch auf Berichte über das Klonen eines Embryos aus einer menschlichen Hautzelle reagiert. Der CDU-Bioethikexperte Peter Liese bezeichnete die Berichte "Horrormeldung". Technisch gebe es jetzt keine Hürde mehr zu einem geklonten Baby, so Liese im domradio-Interview. "Menschlich gesehen ist das eine traurige Nachricht."

Das Magazin "Stem Cells" hatte berichtet, dass es einem kalifornischen Forscherteam erstmals gelungen sei, geklonte menschliche Embryonen zu erzeugen. Nach Angaben von Andrew French von der Firma Stemagen lassen sich in Zukunft gezielt Stammzellen für Patienten herstellen, die mit dessen Erbsubstanz übereinstimmen."Es wird aber unendlich schwer sein, diese Ergebnisse in anwendbare Therapien umzumünzen", gibt Liese zu bedenken. Nach wie vor ungelöst sei etwa das hohe Krebsrisiko, das mit embryonalen Stammzellen verbunden ist. Zerstörung ohne NutzenKein Wissenschaftler auf der Welt habe dieses Risiko zur Zeit im Griff. Der richtige Weg sei die Reprogrammierung adulter Zellen und vor allem die Forschung mit adulten Stammzellen, so Liese. "Adulte Stammzellen wurden schon bei 73 Erkrankungen, zum Teil mit sehr großem Erfolg, eingesetzt. Ohne menschliche Lebewesen zu zerstören, wurde unzähligen Patienten geholfen. In der Embryonenforschung werden ständig menschliche Lebewesen zerstört, ohne Krankheiten zu heilen", erklärt der Gentechnikexperte. Warnung vor falschen HoffnungenVor überzogenen Erwartungen ans therapeutische Klonen warnte der SPD-Bundestagsabgeordnete Rene Röspel in der "Frankfurter Rundschau". Den schwer kranken Menschen würden falsche Hoffnungen gemacht, da medizinische Anwendungen aus den neuen Methoden frühestens in Jahrzehnten zu erwarten seien. Er nannte den vermeintlichen Klon-Erfolg kalifornischer Wissenschaftler eine "unverantwortbare Grenzüberschreitung".Als ethisch verwerflich kritisierte Röspel den hohen Verbrauch von Eizellen beim Klonen: "Damit werden Frauen als Ersatzteillieferantinnen missbraucht". Der SPD-Politiker verglich dies mit dem Organhandel in Entwicklungsländern. Das Mitglied des Parlamentarischen Beirats zu Fragen der Ethik befürchtet, dass die neue Technologie direkt zum reproduktiven Klonen führe, also zur Geburt eines geklonten Menschen. Einem kompletten Klonverbot gibt Röspel keine Chance. Er plädierte jedoch dafür, das reproduktive Klonen schnellstmöglich international zu ächten.Schavan: Auch in Zukunft kein Klonen in Deutschland"Klar ist, dass therapeutisches Klonen in Deutschland nicht erlaubt ist und dies auch so bleibt", sagte ein Sprecher von Bundesforschungsministerin Annette Schavan (CDU) der "Berliner Zeitung". Die Ministerin erwarte keine Auswirkungen auf die laufende Debatte um eine Lockerung des Stammzellgesetzes.