18.01.2008

Diskussion um Zukunft der Stadt - IHK hofft auf neue Ansiedlungen "In Bochum gehen die Lichter nicht aus"

Während Politiker aller Lager das Schicksal des Nokia-Wekes in Bochum zu Wahlkampfzwecken nutzen und sich ihrer Produkte des finnischen Handyherstellers entledigen, kämpft die gebeutelte Stadt im Ruhrgebiet: nicht nur um das von der Schließung bedrohte Werk, sondern auch um den Ruf der Stadt.

"Nach der Krise bei Opel vor gut drei Jahren und der angekündigten Nokia-Schließung könnte der Eindruck entstehen, Bochum werde zum Armenhaus", befürchtet der Hauptgeschäftsführer der örtlichen IHK, Tillmann Neinhaus. Doch das sei keineswegs der Fall. "Die mittelständische Wirtschaft bei uns ist gesund. In Bochum gehen die Lichter nicht aus."Trotzdem sei die Ankündigung von Nokia ein "Schlag ins Gesicht". Land, Bund und Stadt hätten Millionensummen investiert, um den Handyhersteller im Ruhrgebiet anzusiedeln, sagt Neinhaus. Zudem sei Nokia bislang ein wichtiger Steuerzahler gewesen. Medienberichte, wonach Nokia jährlich bis zu 30 Millionen Euro Gewerbesteuer gezahlt haben soll, wollte die Stadt allerdings nicht bestätigen."Da werden schwere Narben bleiben"Besonders bitter wird eine Werksschließung für die zahlreichen angelernten Frauen, glaubt Neinhaus. "Die Techniker und Ingenieure werden es wahrscheinlich relativ leicht haben, einen neuen Job zu finden. Bereits jetzt haben wir zahlreiche Anfragen von potenziellen neuen Arbeitgebern", berichtet der IHK-Hauptgeschäftsführer. Für die angelernten Frauen hingegen werde es vermutlich schwer, eine neue Anstellung zu finden. "Da werden schwere Narben bleiben", befürchtet Neinhaus.Erschwerend kommt hinzu, dass auch noch viele der ehemaligen Beschäftigten des taiwanischen Handyherstellers BenQ Mobile aus Kamp-Lintfort und Bocholt auf der Suche nach einer neuen Arbeit sind. Auch wegen dieser schwierigen Lage will der IHK-Hauptgeschäftsführer Nokia in die Verantwortung nehmen. "Wir dürfen uns nicht mit Sozialplänen begnügen", sagt er. Gemeinsam mit Nokia müssten auch Ideen für neue Arbeitsplätze entwickelt werden. Außerdem könne das Unternehmen beispielsweise Existenzgründungen unterstützen.Hoffnung in die PolitikAber auch die Politik dürfe Bochum jetzt nicht im Stich lassen, fordert Neinhaus. "Wir brauchen materielle Unterstützung von der Landesregierung." Ministerpräsident Jürgen Rüttgers (CDU) habe zudem ein Kompetenzzentrum Gesundheitswirtschaft Ruhr angeregt. "Das würde hervorragend hierhin passen", ist Neinhaus überzeugt.Das würde auch ins Konzept von Regionalforscher Uwe Neumann vom Rheinisch-Westfälischen Institut für Wirtschaftsforschung in Essen passen. "Die Schließung des Nokia-Standortes würde nicht nur einen Verlust von Arbeitsplätzen, sondern auch einen Rückschlag beim Aufbau des wissensbasierten Sektors im Ruhrgebiet bedeuten, weil bei Nokia in Bochum bislang auch entwickelt wurde", betont der Wissenschaftler. Um in Zukunft wettbewerbsfähig zu sein, müsse sich die Region als Standort für hochqualifizierte Arbeitsplätze etablieren.Dass die Schließung des Nokia-Standortes langfristig negative Auswirkungen auf die Wirtschaft im Ruhrgebiet haben könnte, glaubt Neumann trotzdem nicht. "Der Wirtschaftsaufschwung ist derzeit stark genug, um solche Rückschläge aufzufangen." Das wird nach Einschätzung von Neinhaus auch in Zukunft nötig sein. Der IHK-Hauptgeschäftsführer schließt nicht aus, dass weitere Unternehmen dem Beispiel von Nokia folgen und ihre Produktion ins Ausland verlegen könnten. "Das werden wir nicht verhindern können", sagt der IHK-Hauptgeschäftsführer. Deshalb müsse sich das Ruhrgebiet verstärkt um die Zuwanderung mittelständischer Unternehmen bemühen. "Bislang werden die jedoch eher stiefmütterlich behandelt."Von ddp-Korrespondentin Tonia Haag