15.01.2008

Dem Tarifabschluss sollen Preiserhöhungen und Stellenabbau folgen Abzocke bei der Bahn?

Die Deutsche Bahn hat wegen des zu erwartenden Tarifabschlusses mit der Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL) Preiserhöhungen und einen Stellenabbau angekündigt. "Wir müssen diese zusätzliche Belastung in Milliardenhöhe über den Planungszeitraum der nächsten fünf Jahre wieder auffangen", sagte Hartmut Mehdorn vor Journalisten. Pro Bahn wirft dem Bahnchef "Abzocke" vor.

Dies werde "natürlich Konsequenzen für Arbeitsplätze und Standorte der Deutschen Bahn" und "auch Konsequenzen für unsere Preise haben". Es würden "wettbewerbsfähige Arbeitsplätze bei der DB vernichtet". Konkrete Zahlen nannte Mehdorn weder bezüglich der Preiserhöhungen noch des Stellenabbaus. Gleichzeitig stellte er aber die Verlängerung des bis 2010 bestehenden Beschäftigungssicherungstarifvertrags in Frage.Der bevorstehende Abschluss mit der GDL gehe weit über das wirtschaftlich vertretbare Maß hinaus", warnte Mehdorn. Um die Wettbewerbsfähigkeit wieder herzustellen, wolle die Bahn "alle Möglichkeiten zur Rationalisierung einschließlich der Verlagerung von Arbeit in Billiglohngebiete nutzen". "Es wird uns gelingen, aber die Konsequenzen werden bitter sein", sagte Mehdorn. Die Tarifeinigung sei "eine Niederlage nicht nur für die Bahn, sondern auch für den Standort Deutschland". So erwarte Mehdorn in Zukunft in Deutschland verstärkt Tarifauseinandersetzung mit kleinen Interessengruppen.Bahn und GDL hatten sich am Wochenende auf Eckpunkte für einen eigenständigen Tarifvertrag für die Lokführer geeinigt. Dieser sieht eine Einmalzahlung von 800 Euro, eine schrittweise Entgelterhöhung von elf Prozent sowie eine Reduzierung der Arbeitszeit um eine auf 40 Wochenstunden vor. Weitere Einzelheiten wollen beide Seiten bis Ende Januar vereinbaren.Pro Bahn: Irreführende RechnungDer Fahrgastverband ProBahn hat die Ankündigung der Deutschen Bahn, die Fahrpreise zu erhöhen und Stellen abzubauen, scharf kritisiert. ProBahn-Sprecher Hartmut Buyken sagte, Bahnchef Mehdorn versuche erneut mit irreführenden Rechnungen die Kunden "abzuzocken". Mehdorn hatte am Montagabend gesagt, der anstehende Tarifabschluss mit der Gewerkschaft Deutscher Lokführer (GDL) würde dem Unternehmen in den kommenden fünf Jahren Belastungen in Milliardenhöhe aufbürden. Dies werde Konsequenzen für Arbeitsplätze und für die Preise haben.Buyken bezeichnete diese Ankündigung als nicht nachvollziehbar. Zwar werde der Tarifabschluss zu Mehrkosten führen. Diese dürften aber angesichts der angestrebten Lohnerhöhungen und der Anzahl der Beschäftigten lediglich im zweistelligen Millionenbereich liegen. "Außerdem hat die Bahn immer stolz auf ihre hohen Gewinne hingewiesen. Da gibt es ganz offensichtlich keinen triftigen Grund für erneute Tariferhöhungen", sagte Buyken. Er warnte davor, dass Preiserhöhungen schlecht für das gesamte System Bahn seien. "Ziel ist es doch, mehr Menschen an die Bahn zu binden", betonte Buyken. Preiserhöhungen seien da kontraproduktiv.