14.01.2008

Der Leiter der Hilfsorganisation "Open Doors" im domradio-Gespräch "In fünf Jahren leben keine Christen mehr im Irak"

Christen leben im Irak gefährlich. Und: Der Terror im Land nimmt immer weiter zu. Das berichtet im domradio-Interview Markus Rode von "Open Doors" Deutschland. Der Leiter der christlichen Hilfsorganisation befürchtet sogar, dass in fünf Jahren gar keine Christen mehr im Irak leben. Die französische Kirche hat am Wochenende eine Solidaritätskampagne für die Christen im Irak begonnen. Die Vertreibung der Christen aus dem Irak steht auch am kommenden Samstag (19.01.2008) in Köln im Mittelpunkt bei Gedenkfeiern von KIRCHE IN NOT.

Die Christen befänden sich derzeit im Visier muslimischer Extremisten und würden konsequent aus dem Land vertrieben, beklagte Markus Rode von "Open Doors" am Wochenende im Kölner "domradio". Familien würden mit Morddrohungs-Videos terrorisiert. Die Extremisten würden Erpressungsgelder von 2000 bis 5000 Dollar fordern, ansonsten drohten sie mit der Ermordung der Kinder.Hilfe sei derzeit kaum möglich, ergänzte Rode. Denn dieser "Terror gegen die Christen" komme nicht von der Politik. Das einzige, das seiner Organisation derzeit bleibe, sei die Hilfe für geflohene Christen. Sie retteten sich überwiegend in das freie Kurdengebiet des Irak. Dort aber seien sie mittel- und schutzlos dem derzeit herrschenden Winter ausgesetzt."Open Doors" ist nach eigenen Angaben ein überkonfessionelles christliches Missions- und Hilfswerk, das sich in 45 Ländern der Welt für Christen einsetzt, die aufgrund ihres Glaubens benachteiligt und verfolgt werden. Der deutsche Zweig des internationalen Werkes (früher "Offene Grenzen") sitzt in Kelkheim bei Frankfurt am Main.Kirche startet Solidaritätskampagne mit Christen im IrakDie französische Kirche hat am Wochenende eine Solidaritätskampagne für die Christen im Irak begonnen. Ziel der von der Friedensbewegung Pax Christi gestarteten Initiative ist es, Aufmerksamkeit für die kritische Lage der christlichen Minderheit im Irak zu schaffen. Der französische Pax-Christi-Präsident, Erzbischof Marc Stenger, will im Februar den Irak besuchen. Andere katholische Organisationen und die protestantische Kirche Frankreichs schlossen sich der Kampagne an.In französischen Pfarrgemeinden wurde am Wochenende ein Appell des Schriftstellers Jean d'Ormesson verlesen, der zu Beistand für die verfolgten Christen des Irak aufruft. D'Ormesson, der Mitglied der Academie francaise ist, fordert darin Frankreichs Christen auf, alles zu tun, um das Alltagsleben ihrer Glaubensbrüder und -schwestern im Irak zu verbessern.In der vergangenen Woche hatte die EU-Bischofskommission COMECE an die slowenische EU-Präsidentschaft appelliert, die EU solle sich für ein Kontingent von 60.000 christlichen Irak-Flüchtlingen einsetzen. Die Christen zählen nach Angaben des UN-Flüchtlingshilfswerks zu den am meisten gefährdeten Bevölkerungsgruppen im Irak.KIRCHE IN NOTDie Vertreibung der Christen aus dem Irak und der katholische Widerstand gegen den Nationalsozialismus stehen im Mittelpunkt einer Veranstaltung unseres Hilfswerk am Samstag, 19. Januar, in Köln. Das zum fünften Mal begangene Jahresgedächtnis für den 2003 verstorbenen Gründer von KIRCHE IN NOT, Pater Werenfried van Straaten, beginnt um 11 Uhr mit einer Pontifikal-Messe im Kölner Dom, die von Kardinal Joachim Meisner zelebriert wird. In dem Gottesdienst singt die Mezzosopranistin Merit Ostermann. domradio überträgt live mit Bild und Ton.Nach einem Mittags-Imbiss gibt es um 13.15 Uhr eine Podiumsveranstaltung im nahe gelegenen Maternushaus des Erzbistums Köln. Zum Thema „Kreuz kontra Hakenkreuz" spricht Helene Hesseler. Die 95-jährige Schwester des verstorbenen Kölner Erzbischofs, Kardinal Joseph Höffner, wurde zusammen mit ihrem Bruder von der israelischen Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem als „Gerechte unter den Völkern" geehrt, weil sie ein siebenjähriges jüdisches Mädchen im Pfarrhaus und eine weitere jüdische Frau im Höffnerschen Elternhaus in Horhausen im Westerwald versteckt hatten. Erzbischof von Kirkuk im Nord-Irak im Podiumsgespräch Über das Verhalten des Papstes und der deutschen Katholiken gegenüber den verfolgten Juden sprechen der Politikwissenschaftler und Autor Konrad Löw und der für das Verfahren zur Seligsprechung von Papst Pius XII. zuständige Historiker, der Jesuit Peter Gumpel SJ. Für die Veranstaltung in Köln hat auch der Erzbischof von Kirkuk im Nord-Irak, Louis Sako, zugesagt. Er wird in einem Podiumsgespräch über die Flucht und Vertreibung hunderttausendenr Christen aus dem Irak sprechen. Außerdem werden Ausschnitte aus einem viel beachteten Film von KIRCHE IN NOT über die Gewalt gegen Christen im Irak gezeigt. Die Veranstaltung im Maternushaus, Kardinal-Frings-Straße 1-3, endet um 16 Uhr und kostet keinen Eintritt.