11.01.2008

Nachrichtenarchiv 11.01.2008 12:39 Kardinal Lehmann warnt vor rein ökonomisch orientierter Medizin

Der Mainzer Kardinal Karl Lehmann hat vor einem rein ökonomisch orientierten Gesundheitssystem gewarnt. Es dürfe nicht so weit kommen, dass eine Behandlung auf das medizinisch Notwendige eingeschränkt werde, forderte der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz am Donnerstagabend in Berlin. Er fürchte einen Wettbewerb, in dem sich diejenigen durchsetzten, die den Menschen nicht ganzheitlich sähen, sondern als Fall mit bestimmten Defekten einordneten. "Es liegt nicht nur ein Blinddarm im Bett, sondern ein ganzer Mensch", sagte Lehmann. Er äußerte sich bei einem Kongress der Bundesärztekammer.
Der Kardinal kritisierte auch "die täglichen Auseinandersetzungen und ständig wechselnden Strategien in der Gesundheitspolitik".
Sie verhinderten, Mängel zu beseitigen und Lösungen für neue Nöte zu finden. Dabei erhalte der Gesundheitsbereich widersprüchliche Vorgaben. Einerseits sollten Marktmechanismen im Krankenhaus ausgebaut werden, andererseits gebe es eine rigorose Planung und Begrenzung von Leistungen. Diese ruinierten jeden echten Wettbewerb und ähnelten einer Planwirtschaft.
Der Mainzer Bischof forderte, Sparmaßnahmen wie Budgetbegrenzungen und Personalabbau dürften ein humanes Maß nicht unterschreiten. Bürokratische Erfordernisse in der Medizin müssten immer wieder auf ihre Notwendigkeit hin überprüft werden.
"Sie dürfen nicht so überhandnehmen, dass menschliche Begegnung, Zeit für ein Gespräch zu kurz kommen oder gar ein schlechtes Gewissen verursachen", betonte Lehmann.