07.01.2008

Nachrichtenarchiv 07.01.2008 14:52 Neapels Kardinal zieht Vergleich mit Zeiten der Cholera

Für ein Ende des Müll-Notstands in seiner Stadt fordert Neapels Erzbischof, Kardinal Crescenzio Sepe, alle Bürger zum Einsatz auf. Neapel stehe am Rand einer der größten sanitären Katastrophen "seit den Zeiten der Cholera": Das sagte Sepe im Interview der Tageszeitung "Il Messaggero". "Die Kirche trauert, weil sie die Stadt verwüstet und gedemütigt sieht", so der Kardinal wörtlich. Die Würde der Bewohner werde mit Füßen getreten. Die Zustände in den von Müllbergen blockierten Straßen seien nicht nur ein ungeheures Umweltproblem; "es ist eine Situation, die Mangel an Respekt vor dem Menschen ausdrückt". Es sei nicht Sache der Kirche, technische Lösungen vorzuschlagen oder sich für bestimmte Entsorgungsoptionen auszusprechen, erklärte Sepe. Er hoffe indessen auf "strukturelle und langfristige" Lösungen: "Es ist ein nationales Problem", so der Kardinal. In den Vorstädten Neapels hat die Müllabfuhr seit Wochen keinen Abfall mehr abgeholt, da keine Deponien mehr zur Verfügung stehen. Auch in Teilen der Innenstadt nehmen die Müllhaufen an Höhe zu. Anwohner zündeten in den Straßen Abfall an; die Feuerwehr rückte bereits zu mehr als 100 Löscheinsätzen aus.