04.01.2008

Nachrichtenarchiv 04.01.2008 16:07 Erstmals mehr als 100.000 registrierte Abtreibungen in Spanien

In Spanien nimmt die Zahl der Abtreibungen stark zu. 2006 überschritt sie erstmals die 100.000-Marke, wie das Gesundheitsministerium mit neuesten Statistiken mitteilte. Demnach wurden 2006 landesweit 101.592 Schwangerschaftsabbrüche registriert; das bedeutet einen Anstieg von mehr als 10 Prozent im Vergleich zu 2005.
Rund 99 Prozent der Abtreibungen fanden demnach in Privatkliniken statt. Schwangerschaftsabbrüche sind in Spanien nur in wenigen Ausnahmefällen erlaubt. Seit der Straffreistellung 1985 führen Ärzte in fast allen Fällen eine Gefährdung der "Gesundheit der Mutter" als Begründung an.
Die katholische Kirche und spanische Familienorganisationen weisen der sozialistischen Regierung Mitverantwortung für den Anstieg zu. Im vergangenen Jahr organisierten Bischofskonferenz und Lebensschutz-Organisationen mehrere Demonstrationen gegen die als antichristlich empfundene Familien- und Bildungspolitik von Ministerpräsident Jose Luis Rodriguez Zapatero. Sie werfen der Regierung vor, durch Diskussionen über die Liberalisierung des Abtreibungsgesetzes und eine Verdrängung der Weitergabe christlicher Werte aus dem staatlichen Schulsystem die Tendenz zu mehr Abtreibungen noch zu verstärken.
Guillermo Gonzalez vom Verband spanischer Familienplanungs-Vereinigungen räumt ein, dass junge Menschen heute mehr sexuelle Beziehungen als noch vor 20 Jahren unterhielten. Zudem behielten sich immer mehr Frauen vor, selbst über ihren Körper zu entscheiden. "Andererseits bedeutet die Verdoppelung der Abtreibungszahlen in den vergangenen zehn Jahren auch ein Scheitern des Erziehungssystems", so Gonzalez. Die spanische Jugend sehe Abtreibung mittlerweile als "natürliches Mittel der Verhütung".