03.01.2008

Der 24-jährige Versicherungskaufmann Bernd Egger bereitet sich in Münster auf das Amt des Priesters vor Pfarrhaus statt Großraumbüro

Eigentlich könnte Bernd Egger als Versicherungskaufmann in einem Büro arbeiten und Schadensfälle verwalten. Stattdessen hat der 24-Jährige im September 2007 ein Zimmer unweit des Paulusdoms bezogen - im Borromaeum, dem Bischöflichen Priesterseminar in Münster. Egger hat sich nach seiner Ausbildung als Versicherungskaufmann entschieden, Priesteramtskandidat zu werden. Er ist einer von 14 jungen Männern, die seit diesem Jahr in Münster auf ihre zukünftigen Aufgaben als katholische Geistliche vorbereitet werden.

Der Gedanke, Priester zu werden, kam Egger zum ersten Mal nach dem Abitur. "Damals habe ich das als Hirngespinst abgetan", erinnert er sich. Doch auch als er seinen Zivildienst in einem Altenheim seiner Heimatstadt Lüdinghausen ableistete, ließ ihn der Gedanke nicht los. Im Gegenteil: "Eine Kollegin meinte, dass ich später bestimmt Priester werde", erzählt Egger. Sie war nicht die Einzige - aus seiner Pfarrgemeinde hörte er immer wieder solche Ratschläge. Ungeachtet dessen begann Bernd Egger 2004 eine Ausbildung als Versicherungskaufmann.Ein neuer Diakon in seiner Pfarrgemeinde sorgte dann dafür, dass sich der junge Mann erneut mit der Möglichkeit auseinandersetzte, Priester zu werden. "Der Diakon hat mich nach vielen Gesprächen und Treffen gefragt, was ich mit meinem Leben noch vorhabe", sagt Egger. Um eine Antwort auf diese Frage zu finden, ergriff er schließlich die Initiative und informierte sich über das Amt des Priesters. Bei Informationsveranstaltungen des Bistums Münster lernte Egger schnell Gleichgesinnte kennen. "Da habe ich gemerkt, dass es noch mehr Menschen gibt, die ähnliche Gedanken wie ich haben", sagt er.Im Frühjahr 2007 schickte Egger schließlich seine Bewerbungsunterlagen an das Priesterseminar in Münster. So kam es, dass er vom Bauernhof seiner Eltern in das Borromaeum zog, an dessen weißen Wänden die Porträts aller Münsteraner Bischöfe angebracht sind. "Meine Eltern waren über meine Entscheidung überrascht, haben sie aber akzeptiert", sagt Egger. Anders reagierten dagegen einige seiner Freunde und seine drei Schwestern. "Die halten mich wahrscheinlich immer noch für verrückt", erzählt Egger.Mit der teilweise "massiven Ablehnung" hatte Egger nicht gerechnet. "Das ist schade, aber ich komme ganz gut damit klar", sagt er. Dass Bernd Egger nun rund um die Uhr in der Bibel liest oder sich hauptsächlich in der hellen Borromaeus-Kapelle aufhält, ist ein Trugschluss. Im ersten halben Jahr steht zunächst die Praxis im Vordergrund: Nach einem Praktikum bei der Bahnhofsmission folgt im Januar ein Gemeindepraktikum im Oldenburger Land. Danach steht noch ein fünfwöchiger Aufenthalt in Israel an. Dort werden sich die Priesteramtsanwärter der Heiligen Schrift widmen und biblische Stätten besuchen.Erst danach beginnt Bernd Egger ein Theologiestudium an der Universität in Münster. Studienbegleitend wird er dann auf sein zukünftiges Amt vorbereitet. Insgesamt dauert die Ausbildung zum Priester rund acht Jahre. In ganz Deutschland haben sich im vergangenen Jahr 199 junge Männer für das Amt des Priesters entschieden. Das ist die höchste Zahl an neuen Kandidaten seit 2003. Insgesamt gibt es bundesweit 897 Priesteramtskandidaten.In den nordrhein-westfälischen Bistümern Münster, Köln, Paderborn, Essen und Aachen befinden sich insgesamt 238 angehende Priester in der Ausbildung. Nachdem die Eintritte und Priesterweihen lange Zeit stark zurückgegangen waren, sind sie seit fünf Jahren weitgehend konstant geblieben. Ein reines Theologiestudium oder eine Tätigkeit als Pastoralreferent wäre Bernd Egger zu wenig. "Als Priester kann man mehr die Nähe Gottes vermitteln", sagt er. Dafür muss er sich allerdings auch zusätzlichen Pflichten unterwerfen.Als Priester ist er angehalten, ehelos zu bleiben, um sich auf die Beziehung zu Gott konzentrieren zu können. Dass das durchaus eine starke Einschränkung ist, räumt Egger ein. Und hat trotzdem gleich einen Spruch von Dietrich Bonhoeffer parat: "Es gibt erfülltes Leben trotz unerfüllter Wünsche."

Christoph Sterz