Oppositionskandidat Odinga liegt vor Präsident Kibaki - Ein Viertel der Stimmen ausgezählt

Nach den Wahlen in Kenia

Bei den Wahlen in Kenia liegt der oppositionelle Präsidentschaftskandidat Raila Odinga ersten Ergebnissen zufolge vor Amtsinhaber Mwai Kibaki. Odinga kam nach Auszählung von rund einem Viertel der Stimmen am Freitagmittag auf 1,55 Millionen Voten, Kibaki auf 1,22 Millionen. Im ganzen Land zeichnete sich einen Tag nach den Präsidenten- und Parlamentswahlen ein politischer Generationswechsel ab. Zahlreiche langjährige Parlamentarier wurden abgewählt. Die Auszählungen gingen auch 20 Stunden nach Schließung der Wahllokale nur langsam voran.

 (DR)

Ein Endergebnis wurde frühestens für Freitagabend erwartet. Insgesamt waren 14 Millionen Kenianer wahlberechtigt.

Kibaki verlor den bisherigen Ergebnissen zufolge außer in seiner Heimatprovinz, dem kenianischen Hochland, im ganzen Land massiv an Stimmen. Im Osten Kenias konnte ein dritter Kandidat, Kalonzo Musyoka, punkten. Insgesamt kam er aber nur auf 163.000 Stimmen. In den anderen sechs Provinzen lag Odinga weit vorne.

Zahlreiche langjährige Abgeordnete wurden am Donnerstag abgewählt. Zu denen, die ihre Sitze abgeben müssen, gehören der bisherige Vizepräsident Moody Awori, sowie ein enger Vertrauter von Ex-Präsident Daniel arap Moi, Nicholas Biwott, die drei Söhne Mois und mehrere von Kibakis Ministern. Kibaki hatte in diesem Wahlkampf mit seinem Vorgänger Moi kooperiert. Stattdessen ziehen zahlreiche junge Politiker erstmals in das 210 Sitze umfassende Parlament ein, die meisten für Odingas «Orange Democratic Movement».

Wahlleiter Samuel Kivuitu rief die Bevölkerung zu Geduld auf. Aus mehreren Wahlkreisen wurden Ausschreitungen gemeldet. Der oberste Polizeichef, General Hussein Ali, lobte am Freitag jedoch den weitgehend friedlichen Verlauf der Wahlen. Fünf Menschen waren Medienberichten zufolge am Wahltag ums Leben gekommen. Größere Gewaltausbrüche blieben jedoch aus.

Für einen Sieg muss ein Präsidentschaftskandidat die einfache Mehrheit sowie 25 Prozent der Stimmen in mindestens fünf der acht Provinzen erreichen. Zudem muss er ein Abgeordnetenmandat gewinnen.
Landesweit zeichnete sich eine hohe Wahlbeteiligung ab. Ein Sprecher der Wahlkommission sprach von bis zu 70 Prozent. Anders als bei vorherigen Wahlen schienen auch viele Erstwähler an die Urnen zu gehen.

Insgesamt bewerben sich 2.528 Kandidaten aus 117 Parteien um die 210 Sitze in Kenias Parlament. Gewählt ist, wer in seinem Wahlkreis die meisten Stimmen erzielt. Präsident Mwai Kibaki, der für seine zweite Amtszeit kandidiert, hatte 2002 in einem umjubelten Sieg den mehr als zwanzig Jahre autoritär regierenden Daniel arap Moi abgelöst. Raila Odinga wirft Kibaki vor, die unter Moi blühende Korruption nicht entschieden genug bekämpft zu haben.