21.12.2007

Der Bischof von Görlitz im domradio zum Wegfall der Grenzkontrollen "Wir sind jetzt wieder mittendrin"

In neun weiteren Ländern Europas sind in der Nacht zu Freitag die stationären Grenzkontrollen beendet worden. Für Deutschland entfallen damit die Kontrollen zu den EU-Nachbarländern Polen und Tschechien. "Endlich zieht auch hier Normalität ein", freut der Görlitzer Bischof Konrad Zdarsa. Ängste vor Innenminister Wolfgang Schäuble vor wachsender Kriminalität teilt der Oberhirte nicht. Im domradio-Interview hebt er die Vorteile für den Osten Deutschlands hervor.

Die östliche Region Deutschlands liege nun nicht mehr am Rande Europas. "Wir sind jetzt mittendrin." Andere Konsequenzen seien noch gar nicht absehbar. Zdarsa erwartet, dass die Begegnung zwischen den Völkern nun weiter gefördert werde. "Die Menschen können sich nun mehr austauschen und besser kennen lernen." Kriminalität gebe es "überall", so Zdarsa. "Ich denke, dass der Raum hier nach wie vor gesichert ist. Eine übermäßige Angst sollte man nicht schüren. Es scheint im Interesse einiger Menschen zu liegen, das zu tun."Konrad Zdarsa (63) leitet seit dem Juni diesen Jahres das Bistum Görlitz. Vorher war er Generalvikar des Bistums Dresden-Meißen. Zdarsa ist der zweite Bischof des Bistums Görlitz seit dessen Gründung 1994. Es ist mit 32.000 Katholiken das zahlenmäßig kleinste deutsche Bistum. Zdarsa vertritt die Deutsche Bischofskonferenz bei Besuchen in Polen.Bischöfe begrüßen Wegfall der Grenzkontrollen Bereits im Laufe der Woche hatten Bischöfe aus Polen und Deutschland den Wegfall der Personenkontrollen an den Ostgrenzen der Bundesrepublik begrüßt. Die Öffnung schaffe eine neue Mentalität, sagte der Vorsitzende der Polnischen Bischofskonferenz, Erzbischof Jozef Michalik. Dresdens Bischof Joachim Reinelt betonte, die Neuregelung erleichtere die kirchlichen Kontakte nach Polen und Tschechien. "Wir müssen gemeinsam denken, nicht gegeneinander", sagte Michalik in Warschau. Die EU müsse sich auf ethische Werte gründen, auch um Herausforderungen einer steigenden Kriminalität im offenen Grenzverkehr zu begegnen, so der Erzbischof von Przemsyl. Reinelt betonte, die Verbindungen zu Polen und Tschechien seien bereits jetzt sehr intensiv und würden vom Bistum gefördert.Auch die kirchlichen Wohlfahrtsverbände sehen den Wegfall der Kontrollen positiv. Dadurch würden auch mentale Grenzen abgebaut, sagte der Caritasdirektor des Bistums Dresden-Meißen, Matthias Mitzscherlich. Der Direktor der Diakonie Sachsen, Christian Schönfeld, plädierte dafür, die sozialen Probleme grenzüberschreitend anzugehen. Überalterung und Pflegebedürftigkeit nähmen auf beiden Seiten zu.Grenzenloses Europa - Feiern nach Wegfall weiterer Grenzkontrollen im Schengen-Raum - mehr Reaktionen