19.12.2007

Nachrichtenarchiv 19.12.2007 08:26 Religiösere muslimische Migranten lassen sich schwieriger integrieren

Die Integration von muslimischen Migranten gelingt um so schlechter, je religiöser die Zuwanderer sind. Zu diesem Ergebnis kommt eine von Hamburger Wissenschaftlern im Auftrag des Bundesinnenministeriums erstellte Studie "Muslime in Deutschland", die das Ministerium am Dienstag in Berlin vorlegte. Minister Wolfgang Schäuble (CDU) spricht im Vorwort von einem "besorgniserregenden Ergebnis". In Deutschland habe sich ein ernstzunehmendes islamistisches Radikalisierungspotential entwickelt. Laut einer Umfrage in der Studie sehen 46,7 Prozent der Muslime in Deutschland ein Primat der Religion gegenüber der Demokratie. Ein Drittel befürwortet die Todesstrafe. Als erhebliche Integrationshemmnisse benennt Schäuble mangelhafte sprachlich-soziale Kompetenzen, Bildungsferne, eine einseitige Ausrichtung auf nicht-deutsche Medien sowie den Rückzug in ethnisch-religiös geschlossene Milieus. Die Studie biete höchst relevante Aussagen zur Identifikation der Muslime in Deutschland mit dem Islam und der deutschen Verfassungsordnung. Wichtig sei es, Radikalisierungsprozesse möglichst frühzeitig aufzuhalten. Die Studie, so Schäuble, zeige auch, in welchem Umfang das Grundgesetz zugunsten religiös motivierter radikaler Einstellungen abgelehnt würden. Festzuhalten bleibe aber, dass die übergroße Mehrheit der gut drei Millionen Muslime in Deutschland friedlich lebe und Teil der deutschen Gesellschaft geworden sei. Die 515-seitige wissenschaftliche Untersuchung hatte das Ministerium 2004 noch unter Otto Schily (SPD) in Auftrag gegeben. Die Studie "Integration, Integrationsbarrieren, Religion und Einstellungen zu Demokratie, Rechtsstaat und politisch-religiös motivierter Gewalt" haben Peter Wetzels und Katrin Brettfeld von der Universität Hamburg mit umfangreichen empirischen Erhebungen erarbeitet. Sie erscheint in der Schriftenreihe "Schriften zur Inneren Sicherheit".