17.12.2007

Persönlicher Hintergrund vermutet Deutscher in Afghanistan entführt

In Afghanistan ist offenbar ein Deutscher mit entführt worden. Es handelt sich nach Informationen der "Süddeutschen Zeitung" um einen Schreinermeister aus dem bayerischen Amberg. Der 42-Jährige ist von bewaffneten Kräften in der Region Herat entführt worden. Afghanistan-Experten vermuten bei dem gut integrierten Mann einen individuellen Hintergrund des Verbrechens.

Die Familie ist auf dem Weg in das Dorf Toteschi in der Provinz Herat überfallen worden. Nur der Deutsche wurde entführt. Eine Sprecherin des Auswärtigen Amtes hatte zuvor lediglich gesagt, man gehe Hinweisen auf eine Entführung des Mannes nach und bemühe sich um Aufklärung. Zu Details könne sie noch nichts sagen.Betrugsvorwürfe in DeutschlandNach Informationene des WDR wird K. in Deutschland per Haftbefehl gesucht. Mit dem in Afghanistan verschleppten Deutschen Harald K. hat es Auseinandersetzungen um die Veruntreuung von Geldern gegeben. Das bestätigte der Vorsitzende der Hilfsorganisation Grünhelme, Rupert Neudeck. Er sagte am Dienstag im Deutschlandfunk, es habe "einigen Ärger" mit K. gegeben. Es bestehe weiter die Forderung der Rückgabe von veruntreuten Geldern. Die Betrugsvorwürfe könne er "eindeutig" bestätigen, sagte Neudeck. Tischlermeister K. hatte für die Grünhelme in Afghanistan gearbeitet.K. ist nach seiner Tätigkeit für die Grünhelme nicht mehr nach Deutschland zurückgekehrt. Er hat seinen Lebensmittelpunkt nach Afghanistan verlagert. Er ist zum Islam konvertiert und hat eine Afghanin geheiratet, mit der er ein Kind hat. Vor diesem Hintergrund könnten auch familiäre Probleme Ursache des Verbrechens sein.  Die heutige Frau des Deutschen sei früher mit einem Afghanen verheiratet gewesen, den sie für den Deutschen verlassen habe. Das sei in der konservativen afghanischen Gesellschaft extrem ungewöhnlich, erklärte der Polizeichef von Herat, Mohammed Juma Azim.Individueller Hintergrund vermutetDie Entführung geht nach Meinung von Citha D. Maaß, Afghanistan-Expertin der Stiftung Wissenschaft und Politik, nicht auf das Konto von politischen Gruppen. Dieser Fall habe einen individuellen Hintergrund, sagte Maaß sagte der hannoverschen "Neuen Presse".Maaß sagte: "Er war zum Islam konvertiert, hatte eine afghanische Familie. Normalerweise bietet es Schutz, wenn man so gut integriert ist. Das spricht eher gegen eine Entführung aus politischen Gründen." Die Sicherheitslage verschlechtere sich in allen Regionen Afghanistans. Militanz, Sozialneid und Rivalitäten zwischen ethnischen Minderheiten nähmen zu. "Die Taliban und oppositionelle Milizen nutzen das politisch aus", sagte sie.Zuletzt war im Oktober ein in Afghanistan verschleppter deutscher Ingenieur nach mehrmonatiger Geiselhaft freigekommen. Er war Mitte Juli gemeinsam mit einem später erschossenen Kollegen entführt worden.